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Sportgeschichte(n): Es ist halt so (Sport und Sprache 2/2 – Anstoß vom 1. August)

Im Sport gibt es kein Sommerloch mehr, aber unsere Sommerserie »Sportgeschichte(n)« mit »gw«-Texten aus fünf »Anstoß«-Jahrzehnten. In diesem Sommer drehen sich die »Sportgeschichte(n)« um eher Randseitiges. Heute geht es noch einmal um Sport und Sprache – über all die Jahre ein Lieblingsthema des Kolumnisten.
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Halt: Das Wörtchen »halt« wollte ich mir verkneifen, seit ich erfahren habe, dass der Verein Deutsche Sprache damit »bescheidene Intelligenz« und »spärlich vermittelte Bildung« verbindet: »Je unbeholfener der Sprechende und je hohler sein Geschwätz ist, desto dichter ist das bedeutungsfreie Unwort vertreten.« – Ist halt so. Ich müsste halt mal meinen übervielen »Halts« Einhalt gebieten. (August 2005)
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Homonym und Homophon: Mäht man überhaupt? Tun das nicht Schafe? Leicht verunsichert, schlage ich im Duden nach. Ja, klar, beide mähen. »Mähen« gehört zu den Homonymen: Gleichnamigkeit bei unterschiedlicher Bedeutung (wie bei »Bauer« = Landmann/Vogelkäfig). Aber was ist der Unterschied zwischen Homonym (gleicher Name) und Homophon (gleicher Ton)? Wenn ich in der Diskussion über Manager-Gehälter jetzt immer öfter vom sportlichen Vorbild des »Sellerie-Cups« höre und mich darüber wundere, bis ich’s geschrieben (»Salary-Cap« = Gehaltsobergrenze) sehe – ist das nun homonym, homophon – oder nur dumm? Ah, hab’s kapiert: Als Heinz Mägerlein einst bei einer Ski-Übertragung die legendäre Behauptung wagte, die »Zuschauer standen an den Hängen und Pisten«, war dies ein Homophon und kein Homonym, denn die mutwillige Verwechslung ist nur durch gleichen Ton, nicht durch gleiche Schreibweise möglich. (März 2009)
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Lupenreiner Hattrick: Es gibt laut Wörterbuch sechs Bedeutungen und 100 Synonyme für »lupenrein«, aber das ist längst noch nicht alles, denn »Hattrick« oder »Putin« kommen darin nicht einmal vor. Das Besondere des lupenreinen Hattricks ist, dass es nur lupenreine Hattricks gibt, ein lupenreiner Hattrick also ein doppelt gemoppelter weißer Schimmel ist. Brillanten dagegen können durchaus nicht lupenrein sein, es mindert aber ihren Wert. Ein »lupenreiner Demokrat« jedoch … ach, ich weiß nicht, da müssen Sie schon Schröder fragen. (Mai 2009)
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Kamel und Nadelöhr: »Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt« (Matthäus 19, 24) »oder Kuranyi wieder in die Nationalelf.« (Löw, 11. 11., 2008). Warum bestraft Löw kindlichen Trotz bei Kuranyi unerbittlich, lässt aber Podolski ungestraft den DFB-Kapitän ohrfeigen? Wir stellen die Frage in den Raum und lassen sie dort stehen, für Psychologen. – Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, denn es ist gar kein Kamel, sondern eine Fehlübersetzung von Luther, der aus »kamilion« (Schiffstau) ein lautmalerisches Kamel gemacht hat. Das war unser Beitrag zum Reformationstag. (November 2009)
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Public Viewing: Hab ich schon mal erwähnt, dass »public viewing« im englisch-amerikanischen Sprachgebrauch »Aufbahrung« (um öffentlich noch einmal gesehen werden zu können?) bedeutet und sich der deutsche Ausdruck »Rudelgucken« leider nicht durchsetzt? Und dass »pubic viewing« ein Schreibfehler ist, der hier besser nicht übersetzt wird? (Juni 2010)
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Rivale: Öffentlich spekuliert man, ob Frentzen den einen oder Irvine den anderen Titelanwärter »abschießen« wird, oder ob Schumacher und Villeneuve ihr Duell Mann gegen Mann austragen können. (…) Champagner wird nur bei einem der beiden Rivalen fließen. Obwohl bei Rivalen fließendes Nass immer eine Rolle spielt. Womit wir bei unserer heutigen bildungsbürgerlichen Kleinlektion angelangt sind: Das Wort Rivale kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet ursprünglich einen Bauern, der sich mit einem anderen ein fließendes Gewässer (rivus) geteilt hat. Da es dabei oft zum Streit kam, nannte man die Streithähne Rivalen. (Oktober 1997)
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Rolle: Echt von der Rolle kann nur ein Steher sein, in jener aus der Mode gekommenen Bahnraddisziplin, in der hinter Motorrädern hergefahren wird. An den Motorrädern ist hinten eine Rolle befestigt, an der man ganz eng dranbleiben muss, um den Windschatten des stehenden Motorradfahrers, des Schrittmachers, zu nutzen. Wer »von der Rolle« gerät, verliert sofort an Geschwindigkeit und hat schon verloren. (März 2005)
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Schlitzohr: Gomez ist auch ein Schlitzohr. Er habe sich, sagt er, bis Saisonende nie mit einem Wechsel beschäftigt. Was nicht gelogen ist, denn der Wechsel zu Bayern stand vermutlich schon vor einem Jahr fest, damit musste er sich also nicht mehr beschäftigen. – Schlitzohr, was ist ein Schlitzohr? Das Wort kommt aus dem Mittelalter, als wandernden Gesellen, die betrogen oder gestohlen hatten, der Zunft-ohrring ausgerissen wurde, so dass die Gesellschaft vor dem üblen Gesellen gewarnt war. Allerdings galt damals und gilt heute: Ein Schlitzohr, das man am Schlitzohr erkennt, ist kein echtes Schlitzohr. (Mai 2009)
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Trumm: Ab Februar gehört der Ball (und die Aufmerksamkeit) wieder den Fußwerkern und nicht diesen Trumms von Kerlen. – »Trumms«? Ist das wirklich die Mehrzahl von »Trumm«? Mal nachschauen. Ah, hier: Der Plural von »Trumm« heißt . . . »Trümmer«! Ach, und »Trumm« ist gar keine Umgangssprache, sondern die Einzahl des Wortes, das wir nur in seiner Mehrzahl gebrauchen. Kommt vom mittelhochdeutschen »drum«. Ewwe drum! Man deutschlernt nie aus. (Januar 2009)
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Zapfenstreich für Schröder: Wieder so ein Wort. Nachgeguckt in Grimms Wörterbuch: Der Z. ist der Schlag auf den Zapfen, wodurch das Schankfass geschlossen wurde. Zum Beispiel in Wallensteins Lager, »um den zechgelagen der soldaten einhalt zu thun.« Im »Grimm« steht sogar ein Z.-Gedicht für alle Altersmilden von Olli bis »gw«: »dir kommt an milde blosz die sonne gleich, die täglich leuchtet bis zum zapfenstreich.« (November 2005) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle