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Ohne weitere Worte (vom 30. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Erik Zabel und Jan Ullrich haben mit Epo gedopt, das hat man nach dem Öffnen von prähistorischen Urinproben aus der Zeit vor Angela Merkel festgestellt. Kaum jemand weiß heute, dass es damals überhaupt Fahrräder gab, mit denen man Rennen fahren konnte, und dass diese Rennen nachmittags live im Gebührenfernsehen übertragen wurden. Da saßen Kinder davor! (»Zippert zappt« in der Welt)
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In München allerdings haben sie derzeit eh andere Sorgen: Pep Guardiola entwickelt sich gerade zum größten Reformator seit Martin Luther. Und schon der kam bei den Katholiken nur halbgut an. (Kabarettist Hans Werner Olm in der Kicker-Kolumne »Abpfiff«)
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Jeder Einwohner von Wacken darf einen Tag lang kostenlos auf das Open Air. (…) Und Jensen sagt: Wir haben hier weniger Gewalt als bei einem B-Jugend-Kreisklasse-Spiel. (Zeit über »Schwermetaller« Thomas Jensen, Veranstalter des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt)
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Man kann in Berlin seinen Abend in einer Sporthalle verbringen, in der Rollschuhpartys stattfinden. Man holt sich an der Bar einen Drink und fährt auf seinen Rollschuhen die ganze Nacht im Kreis. Ich persönlich finde es interessanter, zu trinken, ohne dabei Rollschuh zu laufen. (Elisabeth Raether in der Zeit-Kolumne »Die trinkende Frau«
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Die Werbe-Industrie (…) hat die Formel-1-Veranstalter gebeten, die Rennen abwechslungsreicher zu gestalten, worauf man dort die Idee hatte, Rennautos mit Reifen auszustatten, die (…) kein ganzes Rennen halten. (…) Wenn sich das Leben aber mit simplen Eingriffen offensichtlich aufregender gestalten lässt – warum beschränken wir uns dann auf die Formel 1? Müssen zum Beispiel Bastian Schweinsteigers Schuhe ein ganzes Match halten? (»Das Beste aus aller Welt« von Axel Hacke im SZ-Magazin)
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Man kann da natürlich auf die ganz großen Lösungen setzen – und jedem Hilfsbedürftigen das Almosen verwehren. (…) Man kann auch nach Quoten verlangen: nicht mehr als 30 Prozent Ausländer in Putzkolonnen oder nicht mehr als 50 Prozent Schwarze in Hundert-Meter-Endläufen (um sie nicht auf ihre Körperlichkeit zu reduzieren). (FAS-Leitartikel zur Aufgabe eines Beschäftigungsprojektes für Asylbewerber am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd)
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Die Deutschen haben sich die Grünen zugelegt, sowie ein Abonnement der Landlust und ein Hybridauto, nur um sich selbst vormachen zu können, dass der Konflikt zwischen der Zivilität des Lebens und der Brutalität seiner Nebenfolgen in allen westlichen Ländern tobt – außer bei uns. (Bernd Ulrich, stellv. Chefredakteur der Zeit und ehemaliger Mitarbeiter im Fraktionsvorstand der Grünen, in einem Zeit-Leitartikel über »Die Allzuguten«).
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Richards wird am 18. Dezember 70. Fünf Tage später, am 23. Dezember, wird Helmut Schmidt 95, so Gott will. Schmidt hat zwar länger geraucht als Richards, aber Jagger war für die Geschichte des 20. Jahrhunderts eindeutig wichtiger als Schmidt (…), der stes einem deutschen Archetyp, dem des Frontoffiziers, entsprach. (…) Jagger ist der Archetyp des Rockmusikers, der übrigens ganz eindeutig weniger Unheil über die Welt gebracht hat als die Frontoffiziere. (Chefredakteur Kurt Kister in der SZ zu Mick Jaggers 70. Geburtstag)
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Mick Jagger hat einen winzigen Pimmel. Diese interessante Information, gezielt gestreute Nachrede aus der Autobiographie seines Kollegen Keith Richards, machte 2010 die Runde. (…) Dabei ist das eigentlich Erstaunliche an Mick Jagger, dass es ihn überhaupt noch gibt (…), Pimmel hin oder her. (taz)  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle