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Montagsthemen (vom 29. Juli)

Bastian Schweinsteiger ist Deutschlands Fußballer des Jahres. Leider. Mir wäre ein anderer lieber gewesen. Zum Beispiel Thomas Müller. Denn: Ich würde Schweinsteiger zum Weltfußballer des Jahres wählen, befürchte jetzt aber, dass aus Proporzgründen ein anderer dran kommt.
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Der Supercup ist nur ein Spielchen und in der momentanen Trainings- und Leistungsphase (jede Mannschaft steckt noch in einer anderen) ohne Aufschluss für die Saison. Mein altes Reden und Schreiben. Aber was tue ich? Schaue seit Mai, wie immer im Sommer, kein Fernsehen, breche aber die Tradition, setze mich ausgerechnet am heißesten Abend des Jahres vor den Bildschirm – und bin schwer angetan. Von beiden. BVB wie Bayern zeigen schon ein höchst erstaunliches Niveau, spielerisch sowieso, aber auch konditionell und kämpferisch. Und wie stark der BVB gegen vorab für unbesiegbar erklärte Bayern auftritt! Dass Pep Guardiola hinterher trotzig sagt, Dortmund »war nicht viel besser«, klingt fast sensationell kleinlaut.
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Guardiola hat den Fußball in Barcelona nicht neu erfunden, sondern dort Messi, Xavi und Iniesta vorgefunden. Plus den Barca-Stil von Cruyff.
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Anderes Thema, das leidige mit »D« vorne, aber nur ganz am Rande: Erinnern Sie sich an meine etwas nebulösen Hinweise, der erste schon vor vielen Jahren, ein berühmter Fußballer und ein berühmter Sänger hätten sich zwecks gemeinsamer Blutwäsche in eine Schweizer Wellness-Klinik begeben? Namen nannte ich nicht, damals zu riskant. Dazu nun das aktuelle Zitat aus der Süddeutschen Zeitung: »Später erzählte der französische Rock-Barde Johnny Halliday, Zidane habe ihm eine gute Schweizer Klinik zur Blutauffrischung empfohlen.«
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Nicht deswegen ist »erfrischend« mein derzeitiges Mode-Unwort. »Erfrischend« sind Kommentare, Meinungen, Haltungen, einfach alles – nur kalte Duschen und ähnlich echt Erfrischendes nicht mehr. Für mich hat »erfrischend« schon längst die »Nachhaltigkeit« abgelöst, von der sich jetzt sogar die taz verabschiedet (»Das elende N-Wort, die nichtsnutzige Nachhaltigkeit«).
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Zum Wetter. Die Hitze bringt es an den Tag. Etwas, das man, das ich nicht unbedingt sehen wollte. An welchen Stellen selbst reife und anscheinend recht bürgerliche Muttis Tätowierungen tragen! Und wie sich die jungen Dinger verschandeln! Vollarmtätowierungen, Trend der Tattoo-Saison? Ein Trend fürs Leben, denn diese Mode vergeht nicht.
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Zu den Golden Oldies kamen viele Frauen und Mädchen im Retro-Look mit Petticoat und Co., aber fast alle mit dem Stilbruch der Tattoos auf Schulter, Armen, Beinen und auch mit solchen, die aus intimeren Gegenden in Sichthautnähe hervorlugten. Liebe Mädchen, verehrte Frauen: In den Zeiten, als man eure Petticoats trug und euer Retro-Look der letzte Schrei war, da gab es keine einzige Petticoatträgerin mit auch nur dem winzigsten Tattoo, so etwas sah man nur bei Matrosen, Zuhältern und im Knast.
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Meinem Röntgenblick fiel auf, dass bei den Anti-Ausspäh-Demonstrationen am Samstag kaum Tattoos zu sehen waren. Ein Pluspunkt. Allerdings (ich weiß, auch damit mache ich mich unbeliebt) standen diese Demos unter dem Zeichen des George-Film-Syndroms (viel weniger Zuschauer als vorher mit Getöse hochgeschrieben): »In mehr als 30 Städten demonstrierten insgesamt fast 10 000 Menschen« (dpa). Auch so kann man sich Demos schönschreiben. Rechnen Sie mal aus, wie viele Menschen das pro Veranstaltung sind. Obwohl Demos wegen des Wetters verkürzt wurden (auch ein Symptom für die innere Undringlichkeit des Anlasses). Dass die Leute einfach nicht akzeptieren wollen, was wichtig für sie zu sein hat!
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Am besten, wir Journalisten halten uns an Brecht: »Das Volk hat das Vertrauen der Presse (Brecht: Regierung) verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, sie löste das Volk auf und wählte ein anderes?«
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Leider droht uns ja eher, dass das Lese-Volk uns auflöst und sich was anderes online wählt – aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle