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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Verantwortungsethik

Komme eben erst dazu, Ihren Anstoß von gestern zu lesen. Nichts einzuwenden, gut geschrieben, pointiert und weiterführend. Jedoch wünschte ich, ich könnte Sie von Ihrem Gebrauch des Wortes Ethik als ausschließlich Verantwortungsethik erlösen.  Sie wünschten vermutlich in meine Richtung das Umgekehrte. Wir wollen sehen. Nun ja, die Schäuble – Affäre, ich nenne es so, weil dieser gesamte Zusammenhang entlarvend ist, zeigt aber doch wohl, dass wir auf Sicht und Dauer mit einer relativierenden Ethik, die sich am Machbaren orientiert, nicht wirklich weiterkommen. Sie – und vielleicht die empörenden Einlassungen von Schäuble (wenn man noch über irgendetwas empört sein könnte) – rücken Verantwortungsethik in die Gefahr, ein Synonym für Pragmatismus zu werden. Mit diesem kommt man im Gegebenen weit, in dem aber, was sein soll, scheitert man. Will sagen: es darf keinen Pragmatismus, keine „Verantwortungsethik“ sein, die nicht zugleich auch das bedenken muss, was als Ziel aller unserer (politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, privaten) Handlungen definierbar ist. Ohne dieses Prinzipielle, von dem sich Odo Marquard gemeinsam mit Kanzler Kohl vor Jahrzehnten plakativ verabschiedet hat, ist eine Gesellschaft orientierungslos.

Hinweis und Frage: die weibliche Dorfgemeinschaft im Seemannsköpper hat äußerst ethisch – im Unterschied zur männlichen Prominenz – gehandelt, als sie die Außenseiterin unterstützt hat – sicherlich aus der richtigen Gesinnung heraus.

Also bitte: überdenken Sie noch einmal – dann lasse ich Sie in Frieden – das Ausspielen von Gesinnungsethik (ein Begriff, der ja ähnlich wie „Gutmensch“ nur ein abwertender Kampfbegriff ist, ohne Ethik wirklich in der Tiefe verstehen zu können) und Verantwortungsethik. Ich für meinen Teil als sozialer Christ lebe in beiden. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle