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Sportgeschichte(n): Sport & Sex (Anstoß vom 25. Juli)

Im Sport gibt es kein Sommerloch mehr, aber wieder unsere Sommerserie »Sportgeschichte(n)« mit »gw«-Texten aus fünf »Anstoß«-Jahrzehnten. In diesem Sommer drehen sich die »Sportgeschichte(n)« um eher randseitige Aspekte des Sports. So geht es heute um Sport und Sex – allerdings bei diesem heiklen Thema ohne persönlichen Erfahrungsbericht wie zuvor bei Boxen (Sparring) und Musik (Walkman).
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»Brünstige Lüste und hundswütige Ausschweifungen vergeuden die Jugendkraft.« Also sprach Friedrich Ludwig Jahn, und der offensichtlich selbst von diesbezüglichen Phantasien gewaltig gebeutelte Turnvater wusste auch, was den Bannkreis der Triebe durchbrechen kann: Disziplin, Zucht, Selbstüberwindung, Keuschheit und Tugendhaftigkeit, kurz: viel Sport und kalt duschen. Aber was hätte wohl Sigmund Freud dazu gesagt, dass Turnvater Jahn und seine Mitstreiter ihre aufmuckende Libido mannhaft und ausdauernd vorzugsweise mit Bockspringen bekämpften?  (Juni 1984)
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Der pralle Torso, den Gustave Flaubert, der große französische Dichter, 1851 auf der Akropolis gefunden hatte und hymnisch besang: »Nur zwei Brüste blieben von ihm übrig, vom Anfang des Halses bis über den Nabel. Die eine Brust ist verhüllt, die andere frei. Was für Titten! Bei Gott! Was für eine Brust!« Das ist noch echte Begeisterung, ungetrübt von taktischen Zugeständnissen an Diskriminierungs-Fahnderinnen.  (Februar 2008)
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Da die Frauen schon immer etwas schlauer waren, gingen sie mit dem Schnellsten ins Bett, wenn der vollgefressene Stärkste faul herumschnarchte. So wurden die Gorilla-Gene langsam zugunsten der Gene von schnellen, schlauen Adonissen ausgemerzt. – Schön wär’s, klagen all die Frauen, die immer wieder über Restexemplare stolpern, die in einer Evolutionsnische überlebt haben.
Ich weiß nicht, warum es mir gerade jetzt einfällt, aber die Bonobo-Schimpansen, unsere nächsten Verwandten, sind total friedliche Gesellen, weil die Weibchen nicht mit dem Stärksten oder Schnellsten schlafen, sondern mit jedem, jederzeit. Das lässt zwar keine Aggressionen aufkommen, aber dafür sind wir zu Menschen geworden, und ihr bleibt Affen. Ätsch!
(November 2001)
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Lobinger, der Stabartist, hatte mal die grenzwertige PR-Idee, seinen Sport phallisch zu propagieren: Stabhochsprung sei ein erotischer Sport, der die Frauen anmache, weil man den Stab in den Einstichkasten . . . also wirklich!  (August 2002)
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Klimakterium. Bei uns Altmännern auch genannt Andropause. Manchen erwischt es schon in jungen Jahren, wie den 400-m-Olympiasieger, der nicht wissentlich gedopt hat, na klar, sondern wegen des Wunsches nach besserem Sex nur seinen Penis gedopt haben will. Die Ausrede wird ihm sogar geglaubt, allerdings wohl vorwiegend von solchen, die vor dem Sex die Hose mit der Kneifzange ausziehen.
Sexsucht. Seit Tiger Woods eine neue amtlich anerkannte Krankheit. Kannten wir früher nur als »spitz wie Nachbars Lumpi«. (April 2010)
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Stets auf der Suche nach bedenkenswerten Definitionen, die wir den interessierten Lesern zur Diskussion anbieten könnten, stießen wir im »Versuch einer Encyklopädie der Leibesübungen« von Gerhard Ulrich Anton Vieth (1795) auf das Thema Sitzen. Vieth warnt: »Bey dem beständigen Sitzen, wozu heut zu Tage die Kinder, insbesonderheit die von guter Erziehung, die so viel zu lernen haben, genöthigt werden, bey diesem, man möchte sagen, verwünschten Sitzen, welches der ganzen Natur des Knaben zuwider ist, werden die Geschlechtstheile in einer immerwährenden großen Wärme erhalten, und die Stellung des Sitzens ist an sich sehr geschickt, an diesen Theilen Reiz zu erregen. Werden die Kräfte dagegen auf andere Art aufgewandt, so ist der Zufluß nach den Geschlechtsgliedern weniger stark. Welches herrliche natürliche Mittel geben also gymnastische Übungen, um Knaben vor der Onanie zu bewahren! Laßt den Knaben den Tag über sich müde laufen, ringen, springen, voltigieren, usw. die für diesen Tag erschöpfte Natur wird keine andere Auswege suchen. Wenn er ermattet am Abend auf sein Lager hinsinkt, so wird der Schlaf ihn überraschen, ehe er an etwas anderes denken kann.«
Mein lieber Vieth! Schon damals hatten also die Erwachsenen nicht die geringste Ahnung von ihren Jugendlichen, in diesem Fall von ihrer unerschöpflichen Natur. Und wenn Sie, liebe Leser, demnächst mal auf dem Amt zu tun haben, an die Tür des Beamten klopfen, der für Ihren Anfangsbuchstaben zuständig ist, und der macht und macht nicht auf, und wenn sie dann nach zehn Minuten endlich wagen, unaufgefordert einzutreten und sie ihn scheinbar unbeschäftigt still und zufrieden auf seinem Stuhl sitzen sehen, dann wissen Sie jetzt: Der schläft nicht, der faulenzt nicht … DER HAT ZU TUN!  (November 2003)
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Sie lasen eine Kolumne, im Stehen geschrieben von:  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle