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Ich bin’s: Tommy („Wer bin ich“-Auflösung)

Bei derart schönen Zuschriften zur Juli-Runde lehne ich mich genüsslich zurück und überlasse den Teilnehmern das Wort. Zunächst die umfassende Lösung von Beate Dachauer: »Der gesuchte Herr ist Tommy Walker. Als Kind hat er mitangesehen, wie sein aus dem Krieg zurückgekehrter Vater den Geliebten seiner Mutter tötete, fortan war er blind, stumm und taub, lebte in einer eigenen Welt, – bis er sein Talent als Flipperspieler entdeckte und sogar Weltmeister wurde. Durch das Zerbrechen eines Spiegels wurde auch sein Trauma geheilt und er wurde als Messias gefeiert. Als ihm das alles über den Kopf wuchs, schmiss er alles hin und wurde auch prompt von allen fallengelassen. Das Album dieser Rockoper erschien 1969, ist das Meisterstück von Pete Townshend und steht als LP auch bei mir im Schrank.«
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»Wieder einmal eine fiktive Figur. Mein Gott, Sie haben Einfälle.« (Manfred Stein)
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»Endlich ist es gelungen. Nachdem ich bei den letzten Rätseln immer durch völlige Ahnungslosigkeit glänzen konnte, denke ich, nun mal eine Lösung gefunden zu haben: die Hauptfigur der Rockoper Tommy: Tommy Walker! Wie immer wunderbar formuliert!« (Thomas Buch)
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»Ist die Frage jetzt besonders fies oder genial? Inzwischen denke ich, ein bisschen von beidem. Schon die Eingangsfrage: Was ist Sport? Wenn man sich überlegt, dass sogar Schach als Sport zählt (bitte nicht missverstehen, gute Schachspieler vollbringen unglaubliche Leistungen, aber für mich hat Sport doch eher etwas mit Bewegung und körperlicher Anstrengung zu tun), dann kann man eigentlich jede Freizeitaktivität  als Sport bezeichnen. Sehr interessant die Begründung des Protagonisten, warum es sich bei seiner Tätigkeit um Sport handelt, besonders hervorzuheben ist das Stehvermögen, herrlich doppeldeutig. Sehr schön auch der letzte Hinweis, dass die Frage »Wer bin ich?« in der Muttersprache des Gesuchten fast schon die Antwort enthält: Who am I?« (Uwe Lemke)
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»Puh, das war knapp – die Kapitulations-Urkunde war schon vorbereitet. Ich hatte mir alle chinesischen, japanischen und sonstigen Tischtennis-Weltmeister angeschaut, Radball und Tischfußball mit in die Verlosung genommen – nichts. Panik, keine Idee. Dann aber doch noch HEUREKA: Tommy / Pinball Wizard / The Who / Flipper-Weltmeister! Und das mir als ›anerkanntem Musikexperten‹ – unfassbar. Vielen Dank wieder mal für die Inspiration. Hinterhältig von Ihnen ist aber auch, nach Sgt. Pepper direkt wieder einen Meilenstein der Musikgeschichte auszugraben. Was kommt als nächstes – die Amigos aus Hungen?« (Ralf Kranich)
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»Das war wieder einmal ein Rätsel nach meinem Geschmack! Verbunden damit ist ein Eintauchen in die eigene Vergangenheit mit Rockmusik und Flipperleidenschaft Mitte der 1960er Jahre. Hier kommt beides zusammen: The Who, von mir bravem Bürgersohn damals wesentlich höher geschätzt als die Beatles, da viel roher und wilder, und ›Tommy‹, die sogenannte Rockoper um den schwerstbehinderten Tommy Walker (= die Lösung), der sich durch gnadenloses Training zum »pinball wizard« und Flipperweltmeister entwickelt. Nun aber zur Frage, ob Flippern Sport ist. Ja selbstverständlich ist es das! Das weiß doch jeder, der während seiner Schulzeit statt nachmittags zu lernen stundenlang am Flipperautomaten gestanden hat. Da war man abends körperlich (Stehvermögen! Dauerbelastung von Schulter- und Armmuskulatur sowie der manuellen Feinmotorik!) und mental (Konzentration! Reaktionsschnelligkeit! Antizipation!) ziemlich erschöpft. Und da außerdem weder der Wettkampf- noch der Leistungsgedanke zu kurz kommt, ist die Definition für ›Sport‹ doch hinreichend erfüllt, oder etwa nicht? Bedauerlich ist nur, dass es heute keine ehrlichen elektromechanischen Flipper mehr gibt, denen man in hartem Zweikampf jeden einzelnen Punkt abringen musste. Stattdessen findet man albern piepsende elektronische Vollautomaten, die inflationäre Punktzahlen im Millionenbereich erzeugen und bereits bei leichter körperlicher Aufmunterung mit einem beleidigten ›Tilt!‹ reagieren. So etwas kommt für echte Flipperpuristen natürlich nicht in Frage, und deswegen habe ich auch schon vor vielen Jahren meine Flipperkarriere beendet.« (»nicht bierernst gemeint« von Paul Limberg)

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»Mein Lösungsweg: 5:00 Uhr Wecker / 5:05 Uhr Briefkasten; Zeitung ist schon da, wie immer (Respekt! und ein Lob an den Austräger), Kaffeemaschine anstellen / 5:20 Uhr fertig im Bad und nun schnell noch zum Sportteil. Zuerst den Anstoß, wenn (gw). Heute wieder große Rätselrunde, habe schon einige (nicht alle) Personen erkannt, auch ohne Google, aber nie zurückgeschrieben. Schnell mal überfliegen, Text ist nicht so lang, vielleicht schaffe ich das noch, bevor ich das Haus Richtung Frankfurt am Main verlasse. Oh, das kommt mir aber sehr bekannt vor, mit diesem tauben, stummen und blinden Sportler – Sportler? Das kann doch auch ein Flipperspieler sein, denke ich, vielleicht ist das mein TOMMY? Ganz sicher bin ich mir dann, als Du (Ich sage einfach Du, weil wir uns ja schon ewig aus der Zeitung kennen) schreibst: ›Wer bin ich?‹ ist schon fast die Lösung. Wer? Natürlich WHO! Also, ich bin, neben Fußball- und BVB-Fan, ein riesengroßer WHO-Fan und kenne natürlich auch alle Stücke aus dem ›FF‹. Das war für mich keine Hürde, die Lösung kam sofort beim Lesen. Wollte dir schon öfter mal schreiben, hat aber nie geklappt. Heute habe ich den Mut und die Muße, dir zu danken für die wunderbaren Momente im Anstoß, aber auch für manch’ politische Unkorrektheit.« (Achim Högy in einer späteren zweiten Mail, nachdem die erste mit der Lösung am Veröffentlichungstag des Rätsels bereits um 5:34 Uhr abgeschickt worden war).
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»Dies ist eine Premiere, das erste Mal schreibe ich überhaupt an eine Zeitung, und dass es wegen eines ›Sport‹-Rätsels ist, macht die Sache noch interessanter. Ich bin mit sportlichen Fakten normalerweise wenig vertraut (ist einfach nicht mein Thema) und ob kürzlich eine Flipper (englisch: pinball) WM stattfand hätte ich nicht gewusst. Ich nehme aber an, es war so, denn in Ihrem Rätsel weist alles auf einen pinball champion hin. Die Story ist die von Tommy, dem Protagonisten aus der gleichnamigen Rockoper von The Who (einer der besten Bands aller Zeiten). Geschrieben wurde sie von Pete Townshend, den Tommy hat der Sänger Roger Daltrey verkörpert.« (Jutta Steinbrück)
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»Den entscheidenden Anstoß für mich, in die richtige Richtung (sprich: an die richtige, sicher nicht klassische Sportart) zu denken, gab übrigens ein solcher aus den letzten Wochen, in dem Sie über jugendliche Heldentaten in einer Flipperhöhle berichteten (ja, ich lese jeden Anstoß!). Who am I? Ich sachma: The deaf, dumb and blind kid Tommy Walker, who sure plays a mean pinball… So, nun kann ich beruhigt in den Urlaub fahren.« (Joachim Bille)
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Auch Wilfried Hausmann hat den »Flipperhöhlen«-Anstoß gelesen – und glaubt mir nicht: »Dass Sie in Ihrer Schulzeit mit einer DM zwei Schulstunden am Flipper überbrücken konnten, glaube ich Ihnen nicht – es sei denn, die ganze Klasse spielte mit (an einem Flipper).« – Ganz alleine. Ich schwör’s!
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Diese 20 Teilnehmer fanden die richtige Lösung: Dr. Joachim Bille (Reiskirchen), Dr. Silvia Börgens (Wölfersheim), Thomas Buch (Friedberg), Beate Dachauer (Niddatal), Doris Heyer (Staufenberg), Prof. Wilfried Hausmann, Achim Högy (Villingen), Ralf Kranich (Großen-Buseck), Andreas und Reinhold Kreiling (nicht per Mail, da »Postkartenfreunde Wieseck«), Uwe Lemke (Wöllstadt), Dr. Paul Limberg (Linden), Klaus Pradella (Heuchelheim), Walther Roeber (Bad Nauheim), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Jochen Schneider (Butzbach), Manfred Stein (Feldatal), Jutta Steinbrück, Peter Storm (Wettenberg) und Wolf Stumm. – Glückwunsch und: Respekt!
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Schnell noch die Top 10 der Jahreswertung: 1. Ralf Kranich und Walther Roeber (beide 8) / 3. Joachim Bille (6) / 4. Doris Heyer, Andreas Hofmann (Bad Nauheim), Paul Limberg, Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Jochen Schneider, Peter Storm (Wettenberg) (alle 5) / 10. Helmut Bender (Linden), Sylvia Börgens, Wolfgang Egerer (Rosbach), Thomas Koch (Wiesbaden), Andreas und Reinhold Kreiling, Karola Schleiter (Florstadt), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke), Prof. Peter Schubert (Friedberg), Manfred Stein (alle 4)
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Ach ja, auch das noch: Danke für den Tipp mit den Amigos. Doch bei der nächsten Runde heißt die Lösu…
TILT! TILT! TILT! (gw)

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