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Sonntag, 21. Juli, 6.05 Uhr

Hundstage haben mit Hunden nichts zu tun, sondern mit dem Sternbild “Großer Hund”, sie beginnen kalendarisch auch erst morgen, aber wenn unsere zwei lieber im kühlen großen Keller bleiben wollen als draußen hecheln zu müssen, sind Hundstage eben Hundstage, Kalender hin, “Canis maior” her.

Sie blieben gestern natürlich im Keller, als wir mit dem Fahrrad durch den Krofdorfer Forst ins Kirchverser Waldschwimmbad fuhren. Ein hübsch hergerichtetes kleines Freibad, an der Stelle, wo ich vor mehr als einem halben Jahrhundert in meiner ersten Ferienfreizeit im Zeltlager war, aber glaubte und fühlte, eine Million Meilen weit weg von zu Hause zu sein (Luftlinie ca. 10 km). Schon damals gab es dort ein Waldschwimmbad, meiner Erinnerung nach ein etwas düsteres, verschmiertes Naturbecken mit vermoderndem Beton am Rand. Abends am Lagerfeuer wurde gesungen. Als einer der Großen statt “Wildgänse rauschen durch die Nacht” “Wildsäue rauschen durch die Nacht” sang, bewunderte ich ihn maßlos: Sooo frech, sooo witzig! Ist mein Humor auf diesem Niveau stecken geblieben?

Das neue Bad ist kein gemeindliches, sondern wird von Bürgern betrieben und unterhalten. Sehr liebevoll gemacht, ein schönes Beispiel für Gemein- und Gemeinschaftssinn (oder ist das das Gleiche?). Auffällig: Keine Migranten im Bad. Gibt es hier keine, so weit vom Schuss bzw. von der Stadt? Dafür viele dicke deutsche Landkinder. Manche Zehnjährige stampfen wie Sumoringer  durch die Gegend.

Auf der Rückfahrt großen Bogen gefahren, in der Hitze, die mir nichts ausmacht. Die Liebste hat tapfer durchgehalten. Abends dann wieder kühler Wind auf der Terrasse – diese Art Hundstage hat den großen Vorteil, nicht schwül zu sein und abends und nachts angenehm frisch. So viel zum Wetter.

Montagsthemen kommen heute wieder später. Noch keine Ahnung, was reinkommt. Doch, Froome und das Motorrad müssen rein, auch mein altes Lieblingscomic (“Ist das noch Fußball?”), das jetzt im FAZ-Feuilleton auftauchte, als Illustration zu einer Rezension und bierernst als “sportkritisches Bild” überzeichnet. Dabei ist’s die nackte Albernheit, aber manche müssen eben selbst im herrlichsten Blödsinn einen wichtigen Klugsinn entdecken. Noch witziger wäre nur, wenn Heynckes Trainer bei Barca und die Champions League gewinnen würde, was beides nicht ganz aus der Sportwelt scheint. Vielleicht noch der logische Fehlschluss  des Theatermachers von Hartz, der die Berliner Festspiele leitete mit dem Schwerpunktthema “Wette”, im “Zeit”-Interview” aber bewies, dass er keine Ahnung davon hat, denn Zocker, nein, die, die Zocker spielen lassen, lachen sich ins Fäustchen über ihre Opfer, die wie von Hartz scheinbar logisch überzeugend glauben: “Auch beim Roulette gibt es Tricks, die heute von Brokern benutzt werden. Du musst immer das Doppelte von dem, was du gerade verloren hast, noch mal auf das Gleiche setzen. Wenn du unbegrenzte Ressourcen hast, kannst du nicht verlieren.” – Kannst du doch, wirst du doch. “Rot” oder “Schwarz” kommen nicht fünf-, sechs-, siebenmal hintereinander? Doch. Auch acht- oder neunmal. Und dann ist das Geld weg, zumal es Höchsteinsätze gibt. Unbegrenzte Ressourcen hat nur die Bank, und zwar durch Zocker, die an diesen tollen “Trick” glauben. Und dass Broker ähnlich handeln, also den Verlust beim nächsten Mal mit verdoppeltem Einsatz wieder rausholen wollen, wäre eine allzu simple Erklärung für den Crash.

Das tapfere Fahrradmädel steht auf. Gleich gibt’s Knicks und Kaffee. Das ist sicher, lieber Herr von Hartz (ha, heißt er er wirklich so?), darauf können Sie setzen!

Und ich kann darauf setzen, merke ich beim Nachlesen, den jetzt drittletzten Absatz als Stein(es)bruch für die “Montagsthemen” auszubeuten. Bis dann.

 

Nachtrag 9.15 Uhr:

Das ging ja schwupps. Montagsthemen stehen schon online. Erste Leser mögen bitte die Fehler melden, zwecks Korrektur fürs Blatt. Danke.

Baumhausbeichte - Novelle