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Montagsthemen (vom 22. Juli)

Dopt Froome, unheimlich heimlich? Daran arbeiten sich die großen Medien ab. Ich in meinem kleinen Montags-Medium weiß nur, dass ich es nicht weiß, aber weiß, dass der Tour-Sieger eine sportlich verachtenswerte Betrugsmentalität in sich trägt, oder, Menschen ändern sich ja, trug. Nicht jedes Doping ist Betrug, aber jeder Betrug soll als Doping wirken, also als unerlaubte Leistungshilfe wie 2010 beim Giro d’Italia, als Froome sich von einem Motorrad ziehen ließ und disqualifiziert wurde.
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Von einem Motorrad ziehen lassen? Dieses Schlitzohr! Schlitzohrig wie ein Schwalben-König oder wie Maradonas Hand Gottes. Gilt alles als lässliche Sünde, Hauptsache: nicht erwischen lassen. Und die eigenen Fans freuen sich auch noch wie Bolle und sind stolz wie Oskar. Doch hier scheiden sich die Geister. Die einen, ansonsten heilig empört beim Reizwort Doping, haben an solchen Schoten ihren klammheimlichen Spaß, die anderen empfinden das Betrugstricksen als Verbrechen am Sport. Ich zum Beispiel. Ein notorischer Elfmeterschinder ist sportlich keinen Deut besser als ein Doper.
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Deut? Man sollte keine Wörter schreiben, die man gar nicht kennt. Schnell mal nachschauen: Der Deut war eine holländische Münze, etwa einen deutschen Pfennig wert. Danke Google, danke Wikipedia. Meinen alten Freund Brockhaus bemühe ich dafür erst gar nicht, den befrage ich nur bei komplizierteren Dingen.
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Ist Bolt keinen Deut besser als die anderen Jamaikaner? Nein, auf der Bahn ist er viel besser. Aparte Pointe am karibischen Rand: Jamaicas Sprinter werden rausgekegelt, Winnie Schäfer wird in Jamaicas Fußball reingekegelt. Die Austragsstüberl deutscher Alttrainer stehen halt vornehmlich in exotischen Urlaubsgefilden. Schäfers erste Expertise (im »Welt«-Interview): »Ich habe noch nie einen Joint geraucht, aber Kiffer habe ich bis jetzt nicht gesehen.« – Sehr bemerkenswert: Keine Erfahrung, keine Ahnung, aber Kiffer sofort erkennen. Die Spürnase eines Trainers.
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Jupp Heynckes Austragsstüberl steht bekanntlich am Niederrhein, seit dem Triple mit einem Koi im Teich, dem Abschiedsgeschenk der Spieler. Die sind allesamt Kois im Vergleich zu den vielen kleinen Fischen im Fußball-Teich. Doch Vorsicht, wenn es nach Barcelonas Fans geht, verlässt Heynckes sein Austragsstüberl und springt als Hecht in den eigenen Koi-Karpfenteich.
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Mhhm, bildhafte Vergleiche sind Glücksache und stehen immer unter Hinkverdacht, dieser könnte in sich selbst ersaufen, doch wenn der trotz aller Harmonie-Bekundungen nicht ganz ungrollig gegangene Heynckes dem neuen Heilsbringer Guardiola nicht nur die unerreichbaren Vorgaben des Triples und eines 7:0 gegen Barca vor die Nase setzt, sondern ihm auch den Champions-League-Sieg wegschnappt, wäre dies einer der gelungensten Treppenwitze der Fußballgeschichte.
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Treppenwitz? Muss ich nicht nachschauen, das weiß ich: Im ursprünglichen Sinne ist dies ein guter Gag, der einem auf einer Party zu spät einfällt (eben erst beim Weggehen auf der Treppe), mittlerweile wird der Treppenwitz aber häufiger im Sinne von »Ironie des Schicksals« verstanden. Allerdings, in Sachen Heynckes mit einem Wahrscheinlichkeitswert unter drei Prozent.
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Noch geringer hätte ich jedoch die Wahrscheinlichkeit eingestuft, dass Schalke-Boss Tönnies, im Nebenberuf Großschlachter, keine Schweinehälften mehr ins Land seines Großsponsors Gazprom und Männerfreundes Putin liefern darf. Es gibt halt immer zwei Seiten einer Schweinehälfte. Ich sag’s auch nur, weil ich dann wieder einmal unterbringen kann, dass Tönnies einmal als deutscher Zerlegemeister eigenhändig sechs Schweineschultern in 65 Sekunden ausgebeint hat.
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Ist das noch Fußball? Och jo. Das Bild: Ein Mann, zwar ohne Schweinehälften-Schlachtermesser, aber mit Skiern an den Füßen, Taucherbrille auf der Nase und einer Hantel in den Händen, springt vom Zehnmeterturm ins Wasser. Der Text unter dem Bild, ein hoch empörter Ausruf: »Ist das noch Fußball!?« Manche schmeißen sich weg, andere schauen ratlos auf Bernd Pfarrs Cartoon und suchen vergeblich nach dem Witz im Witz. Mein alter Lieblings-Bilderwitz tauchte jetzt sogar im FAZ-Feuilleton auf, als Illustration einer hochseriösen Rezension im Kluger-Kopf-Blatt und bierernst als »sportkritisches Bild« be- beziehungsweise überzeichnet. Dabei ist’s die nackte Albernheit. Aber manche müssen eben selbst im herrlichsten Blödsinn einen wichtigen Klugsinn entdecken. Davor warne ich immer wieder. Vor allem, wenn es um die eigene Kolumne geht.

Baumhausbeichte - Novelle