Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 14. Juli, 18.25 Uhr

Manchmal ist es ein Segen, nicht mehr im Tagesgeschäft zu stecken, keine aktuellen Sportseiten mehr zu machen und nur noch zu schreiben, wozu man Lust hat.

Christopher Froome am Mont Ventoux – feiert man die sensationelle Leistung, gilt man als naiv (dann wohl zu recht). Befleckt man sie mit Verdacht, ist man unfair, also unsportlich (ebenfalls zu recht, zumindest bis zum evtll. Beweis).

Tyson Gay – die Überraschung ist groß, auch meine. Nicht über die Tatsache, sondern dass sie herauskommt. Denn mein Doping-Dreisatz: Ich bin sicher, dass alle im körperintensiven Spitzensport (wenn Schnelligkeit, Explosivität und/oder Ausdauer entscheiden) ihre Leistung durch unphysiologische Mittel und Mittelchen zu steigern versuchen. Das ist meistens kein Doping, sondern erlaubte Leistungsbeeinflussung, vom simplen Nahrungsergänzungsmittel bis zum ausgeklügelten Oregon-Projekt von Nike.

Ein Teil dieser Sportler (wie groß der ist, weiß der Geier, und nicht mal der) arbeitet mit Mitteln, die auf der Dopingliste stehen, aber nicht nachweisbar sind (wie immer noch gewisse Wachstumshormone oder Gendoping; aber ich will mich nicht schlauer machen, als ich bin: Genaues dazu weiß ich nicht).

Überrascht bin ich nur, dass es einen dritten Teil gibt: Das ist der, der noch Dopingmittel anwendet, die nachweisbar sind und auch nachgewiesen werden. Das ist mir völlig unverständlich und auch suspekt.

Wie mir auch der Urschrei des Dopings, der Ben-Johnson-Supergau 1988, damals suspekt war und auch heute noch ist: Niemand kann mich von der Überzeugung abbringen, dass im Seoul-Endlauf alle zuvor das Gleiche gemacht haben: Anabolika genommen und rechtzeitig abgesetzt. Ben Johnson, als Muskel-Monster und tumber Tor, war das ideale Bauernopfer, das Smarties wie Carl Lewis nur um so heller erstrahlen ließ. Lewis, dessen positive Dopingtests schon damals bekannt waren, aber unter den Teppich gekehrt wurden. Aber bevor ich mich in Verschwörungstheorien verliere (wenn bei Lewis so rum getrickst wurde, warum dann bei Johnson nicht anders rum?), mache ich lieber Schluss und wiederhole nur: Manchmal ist es ein Segen, nicht mehr im Tagesgeschäft zu stecken und die Verpflichtung zu spüren, irgendetwas Kluges, Richtiges, empört Betroffenes schreiben zu müssen, sondern sein eigenes Ding machen zu können.

Baumhausbeichte - Novelle