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Montagsthemen (vom 8. Juli)

Trotz der Niederlage (und obwohl das Damentennis insgesamt schwächelt, wie auch im Finale zu erkennen) bleibt Sabine Lisickis Reise durchs Wimbledon-Wunderland ein großes sportliches Ereignis. Nicht nur für sie, sondern auch für alle deutschen Freunde des wahren Sports. Das sollte bleiben, auch im kollektiven Sportgedächtnis, denn das Bohai, der Bine-Hype, er wird jetzt schneller enden, als er begonnen hat.
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Der Hype um Pep Guardiola wird noch lange nicht enden, wobei »lange« in Hype-Zeiten eine allerdings sehr relative Zeitangabe ist. Außerdem: Auch diesem und nicht nur Hesses Anfang wohnt zwar ein Zauber inne, doch derart überhitzt, dass er nur noch abkühlen kann. Was schon beim Trainingsauftakt begann, als 7000 kamen, die mediale Überhitzungs-Industrie aber scheinbar Millionen erwartet hatte, die sehen wollten, wie Pep von der Himmelsleiter stieg. Ach was, stieg – schwebte.
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Erste sehr irdische Aufregung in Bayernland: Götze, Gomez und Kirchhoff treten im Adidas-Club in Nike-Klamotten an. Adidas und die Bayern-Bosse schäumen, Nike schwebt auf Marketing-Wolke sieben. Die Geldstrafe in fünfstelliger Höhe zahlt Nike aus der Werbungs-Portokasse, plus Verdoppelung an die widerspenstigen Drei als Erfolgsprämie für den unbezahlbaren Werbe-Coup.
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AUBAMEYANGMCHIRTARJAN! Kein deftiger bayerischer Fluch, sondern das neue BVB-Duo. Das muss man erst einmal schreiben lernen. Viel leichter merkt man sich Sokratis, zumal er freundlicherweise seinen Nachnamen Papadingsirgendwas für den Fußball abgelegt hat. Sokratis schreibt sich nicht nur viel leichter, vielleicht er ist auch wichtiger für die Mannschaft, denn er gibt der Abwehr, was sie braucht: Sicherheit, Zuverlässigkeit und knochen … nein, nicht brechende, sagen wir: … knochentrockene Kompromisslosigkeit.
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Schnell mal eine Umfrage zwischen all dem Fußball: Der »Stern« ermittelt, dass 51 Prozent der Deutschen Jan Ullrich alle Medaillen aberkennen würden. Wie bei allen Umfragen sollte man auch bei dieser vor allem lesen, was ganz hinten rauskommt: Fast die Hälfte würde ihm eben nicht die Medaillen aberkennen, und das ist eine höchst erstaunliche Zahl, denn nach der Vernichtungsarbeit der veröffentlichten Meinung beziehungsweise der veröffentlichenden Meinungsmache hätte man 99,9 Prozent gegen Ullrich erwarten können.
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Nur noch die Fußball-Meldung des Wochenendes: Gegen Rod Stewart wurde zurückgeschossen. In BVB-Land! Ein sogenannter Fan trat in der Westfalenhalle einen vom Oldie-Popper in die Menge geworfenen signierten Ball brüsk zurück, traf eine Musikerin der Band, Roddie hörte auf zu singen, schimpfte, grummelte noch ein paar Songs trotzig leiernd vor sich hin und ging stocksauer von der Bühne ab. Das Publikum pfiff ihn aus.
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Ich verstehe ihn. Rod Stewart wollte in jungen Jahren Profikicker werden, das Talent dazu hatte er, die Weltstar-Karriere kam ihm dazwischen. Doch ein gutes Fußball-Herz und -Auge sind ihm geblieben, und den miserablen Fehlschuss konnte er einfach nicht ertragen. Zumal jener deutsche Rumpelfußballer mit seinen, wie Rudi Völler sagen würde, maltesischen Beinen ausgerechnet querschlägerte, als Rod Stewart »Hot Legs« besang. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle