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Ohne weitere Worte (Rund um die Tour)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der Medienlandschaft. Heute mit einem »Tour spezial«.
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Ich bin neben Hitler der einzige andere Prominente mit nur einem Hoden, und ich finde, dass ich unterm Strich weniger Schaden angerichtet habe. (…) Warum wird uns Täuschung vorgeworfen? Ich bin jahrelang für die Post gefahren. Im Grunde wie ein besser verdienender Auslieferfahrer, und bei denen fragt auch keiner, wie die sich wachhalten. (»Ralf Husmann schreibt Lance Armstrong ein Grußwort zur 100. Tour de France« im KulturSpiegel)
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Im Vergleich zu den Machenschaften der Fifa stehen wir doch so sauber da wie ein Stück Seife in einer Sagrotan-Flasche. Bei uns können die Zuschauer kostenlos am Straßenrand stehen, es gibt keine VIP-Logen (…). In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine spannende Tour, die nicht durch die Lamentos von windelweicheirigen Fairnessfanatikern torpediert wird. (…) Denkt immer daran: Die Einführung der Handschuhe war das Ende des Boxens. Also, haut rein, egal wie! Es lebe der Radsport! (Husmann/KulturSpiegel)
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»Radsport ist Fallen und Aufstehen. Bis auf mein linkes Bein habe ich mir so ziemlich alles gebrochen. Rechter Oberschenkel, rechter Arm, Ellbogen, linker Arm, Schlüsselbein rechts, links, Rippen, zweimal bin ich die Tour mit gebrochenen Rippen gefahren, das ist nicht so witzig. Natürlich weiß man, es kann auch ganz böse ausgehen, aber im Grunde lernt man aus all den Stürzen: Knochen brechen, und gewöhnlich wachsen sie auch wieder zusammen.« (Rolf Aldag im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Einem Fahrer wie Bert Grabsch hat jeder im Feld Platz gemacht, wenn einer vorne weg war und Grabsch dann in seinem sehr trägen Tonfall sagte: ›Geh da mal zur Seite, ich fang an zu fahren.‹ Dann wusste jeder, der macht jetzt seine Arbeit, der macht sie seit zehn Jahren für verschiedene Kapitäne. Solche Fahrer brauchen in ihrem ganzen Leben kein einziges Rennen zu gewinnen und sind trotzdem hochangesehene Leute im Feld.« (Aldag/FAS)
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Ja, ich liebe die Tour, ohne jede Einschränkung. Und Liebe macht blind. (…) Also muss ich auch sagen, dass ich Doping lange Zeit toleriert habe, zumal es jahrzehntelang nicht verboten war; ich hatte nichts gegen den Einsatz von Mitteln wie Amphetamine oder Ephedrin. Ich war der Überzeugung, dass Fahrer das brauchen, um diese Strapazen überstehen zu können. Ich habe Doping bis etwa Mitte der sechziger Jahre hingenommen, und ich habe ungern darüber geschrieben. (Helmer Boelsen, 88, Journalist und Autor, in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung)
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Was mir einfällt, wenn ich an das Leiden einer Liebschaft denke? Sie glauben wohl, Jan Ullrich. Nein, sein Tour-Sieg 1997 gilt für mich immer noch. Waren seine Hauptgegner Pantani und Virenque nicht auch gedopt? Aber ja doch. Ich meine auch, dass er in diese, wie heißt das noch? – Ehrenhalle (Hall of Fame) des deutschen Sports gehört. Ja, ganz sicher. (Boelsen/FAZ)
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Michael Schumacher ist und bleibt ein ganz Großer des Sports und gehört in der Hall of Fame an eine vorderste Stelle. Wie Jan Ullrich. (»Sport-Stammtisch«/31.10.2009)
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Boris Becker hat in unserer Kolumne schon manchen Spott abbekommen, aber dass er Jan Ullrich sportlich anerkennend würdigt, dafür sei ihm gedankt. Zumal er nun die pawlowsche Geifer-Reaktion der üblichen Verdächtigen ertragen muss, die alle niedermachen, die sie beim Ullrich-Niedermachen stören. – Boris und Ulle in die Hall of Fame, ihre Niedermacher in die Hall of Shame! (»Montagsthemen«/1.9.2008) (gw)

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