Archiv für Juli 2013

Sonntag, 28. Juli, 17.45 Uhr

Endlich ist alles erledigt. Zum Schluss schnurrte der Tunnel wie am Schnürchen. Oder schnurrte das Schnürchen wie im Tunnel? Tunnelte schnurrend das Schnürchen? Schnürte das Schnurchen? Sorry, nachdem Sonntagmorgenblog und Montagsthemen  geschrieben und in Blatt und/oder Blog untergebracht sind, bricht sich Erleichterung die Bahn, den Bann brechend, die Bahn erleichternd, den Bann … jetzt aber Schluss mit albernlustig.

Für die nächste Kolumne, die „Ohne weitere Worte“-Zitate, schon einiges vorbereitet. Zum Beispiel aus einem „Zeit“-Titelblattthema: „Die Allzuguten – Den Grünen steht beim Umgang mit den Pädophilie-Vorwürfen die Selbstgerechtigkeit im Weg“ (Autor: Bernd Ulrich). Ein Zitat daraus werde ich „ohne weitere Worte“ übernehmen, ein anderes hat mich verblüfft: „Der wahre Konservative nämlich ist zutiefst überzeugt vom Talent des Menschen zum Schlechten, auch vom eigenen.“ Nie hätte ich gedacht, dass ich ein wahrer Konservativer bin, doch wenn diese Definition zu Recht auf der Schublade steht, dann bin ich tatsächlich einer und lass mich dort reinstecken. Was mich an den Grünen stört, trotz mancher sympathischer Ansätze und Personen: Dass sie bzw. unverhältnismäßig viele von ihnen sich für das Schlechte für vollkommen untalentiert halten und den Gesinnungsgegner vollkommen untalentiert für das Gute – eine unangenehm wirkende Haltung,  idealtypisch personifiziert im derzeitigen Obermacker (nicht in seinem weiblichen… wie heißt das Wort? Widerpart? Nee, seiner  Führungspartnerin). In Sachen Pädophilie zitiert Ulrich, wie Roth oder Künast die katholische Kirche angriffen, wie die Grünen aber ihr eigenes ekliges Problem aussitzen, verschweigen, wenn sie nicht schweigen, dann kleinreden und als lässliche Jugendsünden verschleiern.

So gewinnt ihr meine Stimme nicht. Aber wer gewinnt sie schon?

Veröffentlicht von gw am 28. Juli 2013 .
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Sonntag, 28. Juli, 5.45 Uhr (bzw. 14.30)

Zu heiß? Zu früh? Komme nicht durch den Tunnel ins Redaktionssystem,
sogar auch nicht ins Mailprogramm. Habe jetzt wenigstens “Works”
aufmachen können. Hoffe, mir den Text nachher in eine Mail kopieren und
nach Gießen schicken zu können. Muss ich nachher in die Redaktion? Oder
baut sich der Tunnel irgendwann neu auf? Fragen über Fragen zur
frühesten Sonntagmorgen-Blogzeit.

Fünfuhrfünfundvierzig. Den alten Gag, dass wir früher zu dieser Uhrzeit
zurückgeschossen haben, lass ich lieber, durch Wiederholung wird er auch
nicht besser.

Zu heiß. Nicht der Gag, sondern draußen. Und drinnen. Auch Sie kaum
geschlafen? Aber bitte keine Klagen. Die Griechen, überhaupt die
Südländer, die haben solch ein Wetter regelmäßig sechs Monate im Jahr.
Wenn’s bei uns so wäre, ich glaube, wir wären die Sorgenkinder der EU.

Jetzt kommt der August, den eine griechische Redewendung überschwänglich
begrüßt. Krieg sie nicht ganz zusammen, habe sie aus der
Griechenland-Zeitung und mir gestern den Text in meine gw-Mailadresse
geschickt, die noch verschütt’ ist. Ungefähr so: „Lieber August, du
schöner Monat, gäbe es dich doch zweimal!“ Nach dem August
beginnt für die Griechen der Abschied vom Sommer, sie wünschen
sich dann schon “kalo chimona” (schönen Winter). Falls ich im August
noch eine “Nach-Lese” schreibe, wird das der Einstieg, danach würde ein
bisschen Griechisch für Anfänger stehen, mit Nachseufzen zum südlichen
Sommer, mit Literaturtipps usw.

Jetzt ein bisschen Stein(es)bruch für die “Montagsthemen”:

Supercup, warum Supercup? Ist das nicht, wenn Landesmeister gegen Landespokalsieger spielt?

Meine Einstellung zum “Supercup”: Ist nur ein Spielchen, in der
momentanen Trainings- und Leistungsphase (jede Mannschaft steckt noch in
einer anderen) ohne Aufschluss für die Saison. Allenfalls, weil Fußball
die mentalanfälligste Sportart überhaupt ist, wichtig fürs
Selbstbewusstsein, das im Fußball auch Tore schießt und dann doch
Weichen für die Saison stellen kann.

Und was tue ich? Schaue seit Mai, wie immer im Sommer,  kein Fernsehen,
nicht mal Nachrichten, und breche die Tradition, setze mich ausgerechnet
am heißesten Tag und wärmsten Abend des Jahres vor den Bildschirm – und
bin schwer angetan. Von beiden. BVB wie Bayern haben schon ein höchst
erstaunliches Niveau, spielerisch sowieso, aber auch konditionell
und kämpferisch. Aber noch überraschender: Wie gut der BVB mit den zur
Unbesiegbarkeit erhobenen Bayern mitgehalten hat. Wer hätte gedacht,
dass Guardiola nachher, was sensationell kleinlaut klingt, sagt, dass
Dortmund “nicht viel besser” war.

Guardiola. Er hatte den Fußball in Barcelona nicht neu erfunden, sondern
dort Messi, Xavi und Iniesta vorgefunden sowie den Barca-Stil von
Cruyff.

Sylvia Neid. Sie macht eine gute Figur, nicht nur altväter- und
brüderlelich buchstäblich gemeint, sondern vor allem im übertragenen
Sinn. Fast schon von den Medien abserviert, dann wieder über den grünen
Klee gelobt, und sie stand über beiden Extremen. In der Ungnade des
frühen Abgabetermins für die Montagsthemen werde ich auch nachher nicht
wissen, wie das Endspiel ausging, an meinem Respekt für Neid wird das
Ergebnis aber nichts ändern.

Noch mal zum Wetter: Das bringt es an den Tag. Etwas, das man, das ich
nicht unbedingt sehen wollte. An welchen Stellen selbst reife und
anscheinend tief bürgerliche Muttis Tätowierungen haben! Und wie sich
die jungen Dinger verschandeln! Vollarmtätowierungen, Trend der
Tattoo-Saison? Ein Trend fürs Leben, denn diese Mode vergeht nicht. Bei
den Golden Oldies in Krofdorf-Gleiberg kamen viele Frauen und Mädchen im
Retro-Look mit Petticoat und Co., aber fast alle mit dem Stilbruch der
Tattoos auf Schulter Armen, Beinen und auch einigen, die aus intimeren
Gegenden in Sichthautnähe hervorlugten. Liebe Mädchen, verehrte Frauen:
In den Zeiten, als man eure Petticoats trug und euer Retro-Look der
letzte Schrei war, da gab es keine einzige Petticoatträgerin mit auch
nur dem winzigsten Tattoo, so etwas sah man nur bei Leichtmatrosen,
Zuhältern und im Knast.

Meinem Röntgenblick fiel auf, dass bei den Anti-Ausspäh-Demonstrationen
am Samstag kaum Tattoos zu sehen waren. Ein Pluspunkt. Allerdings (und
damit mache ich mich gerne angreifbar) standen diese Demos unter
dem Zeichen des medialen Götz-George-Syndroms: Wie viele Interviews der
Mann gegeben hat! Wie hochgepusht der Fernsehfilm über den alten George
mit dem Sohn George wurde! Mir war dennoch klar, dass nicht allzu viele
Menschen zuschauen würden, und zwar nur aus dem Grund, dass sie das
Thema nicht übermäßig interessierte, jedenfalls viel weniger, als die
Vorveröffentlichungen glauben machen wollten. Jetzt, die Quote lag unter
zwei Millionen, heißt es, der Sommer- und Abendtermin sei schuld. Was
Quatsch ist, denn im anderen öffentlich-rechtlichen Programm schauten
gleichzeitig über acht Millionen ein Fußballspiel.

Ein Frauen-Fußballspiel! Was mein Vorstellungsvermögen überschreitet.

Ja, ja, auch dafür lasse ich mich lustvoll geißeln. Und ebenfalls dafür: “In mehr
als 30 Städten demonstrierten insgesamt fast 10 000 Menschen” (dpa).
Auch so kann man ein Mediendesaster schönschreiben. Rechnen Sie mal aus,
wie viele Protestierer das pro Anti-Ausspäh-Demo sind. Und wie viele Badende pro
Schwimmbad und Badesee. Obwohl die Demos wegen des Wetters verkürzt
wurden (auch ein Symptom für die innere Dringlichkeit des Anlasses).
Dass die Leute einfach nicht akzeptieren wollen, was wichtig für sie zu
sein hat!

Ende eines natürlich hoch empörten FR-Kommentars: “Es reicht. Es wird
hier kein kommentierendes Wort mehr über Jan Ullrich geben.” Schön
wär’s. Nicht nur in der FR. Auch in SZ, FAZ, FAS, Spiegel, Stern, Welt
und wie sie alle heißen. Und dann gleichzeitig keine
Anti-Empörungs-Kommentare mehr in meiner Kolumne. Ach, wie schön wär’s.

Endlich darf ich auch die Namen nennen. Erinnern Sie sich an meine etwas
nebulösen Hinweise, der erste schon vor vielen Jahren, ein berühmter
Fußballer und ein berühmter Sänger hätten sich vor Jahren zwecks
gemeinsamer Blutwäsche a la Ulle und Rad-Co. in eine Schweizer
Wellness-Klinik begeben? Dazu das aktuelle Zitat aus der Süddeutschen
Zeitung: “Später erzählte der französische Rock-Barde Johnny Halliday,
Zidane habe ihm eine gute Schweizer Klinik zur Blutauffrischung
empfohlen.”

Nicht deswegen ist “erfrischend” mein Mode-Unwort der Zeit.
“Erfrischend” sind Kommentare, Meinungen, Haltungen, einfach alles – nur
kalte Duschen und ähnlich echt Erfrischendes nicht mehr. Für
mich hat “erfrischend” schon längst die “Nachhaltigkeit” abgelöst, von
der sich jetzt sogar die “taz” verabschiedet (“Das elende N-Wort, die
nichtsnutzige Nachhaltigkeit“).

Uli Hoeneß. Wie geht’s weiter? Ich verteidige ihn nicht, ich greife ihn
nicht an (eins von beiden tut fast jeder, er polarisiert halt), aber ich
lese auch zwischen den Zeilen. Zum Beispiel über den verstorbenen
Robert Louis-Dreyfus, den Ex-Adidas-Chef, der Hoeneß, einfach so, zig
Millionen Spielgeld schenkte, das nichts mit dem Bayern-Adidas-Vertrag
zu tun habe, zumal Dreyfus damals schon nichts mehr mit Adidas zu tun
gehabt haben soll. Nun steht aber zur Zeit in Frankreich ein anderer
Ex-Adidas-Boss vor Gericht, Bernard Tapie, in einer undurchsichtigen
Sache (die mit Adidas, Sarkozy und Lagarde zu tun hat), es geht um einen
“Geheimbund” Tapie/Dreyfus, und dabei erfahre ich, dass Dreyfus noch im Jahr 1995
Adidas an die Börse gebracht hat, also recht zeitnah zu anderen Dingen.
Aber das nur am Rande.

Auch nur am Rande, was ich in einem WamS-Interview mit dem
Fußballrichter Hans E. Lorenz erfahre: “Es gibt auch bei uns Standards
wie im Bußgeldkatalog für Verkehrssünder. Ein Beispiel: Notbremse,
folgender Elfmeter geht rein, ein Spiel Sperre. Folgender Elfmeter geht
nicht rein: zwei Spiele Sperre.” – Hätten Sie’s gewusst? Ich nicht.
Und jetzt versuche ich, den Tunnel auszugraben. Danach auf die
Sauerlandlinie, anschließend Montagsthemen. Bis dann.

Nachtrag 14.30 Uhr: Tunnel-Ausgraben hatte morgens nicht mehr geklappt, sorry, liebe Sonntagmorgen-Blogliebhaber.

Veröffentlicht von gw am 28. Juli 2013 .
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Mittwoch, 24. Juli, 17.00 Uhr

Im „Anstoß“ vom 3. September 2007 geschrieben:

„Zabel: Wenn er tatsächlich nur das getan hätte, was er weinend zugab (hihi), wäre er wahrscheinlich der sauberste Radprofi dieses Jahrtausends.“

Die Sportredaktion übernimmt es für morgen als „Zwischenruf“. Nur für den Blog „Sport, Gott & die Welt“:  mein „aktueller“ Kommentar, vom Juli 2007 (als es noch keine Tränen-Pressekonferenz gab), aber als IWT (immer wiederkehrender Text) auch heute verwendbar:

 

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemals ein Tour-de-France-Sieger nach den heute gültigen Regeln nicht gedopt gewesen wäre, tendiert gegen null. Diese realistische Erkenntnis galt in Fachkreisen schon immer als Axiom, als grundsätzliche Erkenntnis also, deren Beweis weder nötig noch möglich ist. Die Erkenntnis ist nun in den Köpfen aller angelangt und erschüttert den Sport. Die Naiven sind erschüttert, weil sie völlig überrascht sind, die besorgten Sportfreunde, weil ihre vage Ahnung vom flächendeckenden Doping bestätigt wird, und die realistische Fachwelt, weil eine Binsenweisheit derart erschütternd wirken kann. Die Armstrongs und Ullrichs, Aldags und Zabels sind sportmoralisch nicht besser oder schlechter als die großen Heroen und kleinen Helden früherer Jahrzehnte. Dass die heutigen Doping»sünder« (eine verräterisch pharisäerische Wortschöpfung) zutiefst verachtet werden, verrät mehr über die Verachter als über die Verachteten. Die Verachter verachten mittlerweile den gesamten Sport, insbesondere jene Grundsportarten, in denen Kraft, Ausdauer oder Schnelligkeit die Hauptrolle spielen. Doch was hat sich geändert gegenüber früheren Jahrzehnten, als die Verachter noch Verehrer waren? Nur die im Grunde sehr erfreuliche Tatsache, dass der Sport versucht, sein im gesellschaftlichen Leistungsleben einzigartiges Regelwerk zu optimieren, indem er Medikamenten- und Drogenmissbrauch, im Sport Doping genannt, noch strenger unter Strafe stellt und die Einhaltung der Regeln noch rigoroser überwacht. Dafür verdient der Sport, verdienen seine Sportler Respekt statt Verachtung. Leider hat diese positive Seite der aktuellen Dopingbekämpfung zwei Schattenseiten, denn sie begünstigt das Vordringen krimineller Elemente und zerstört die Chancengleichheit. Zunehmend kriminell wird es, weil das früher leicht mögliche, meist von medizinischen Fachleuten überwachte und allenfalls als Kavaliersdelikt empfundene Doping nur noch in mafiösen Strukturen praktiziert werden kann. Das ist aber noch das geringere Problem, denn das vorhandene Strafrecht hat genügend Hebel, um gegen jede Kriminalität vorzugehen, man muss die Hebel nur kraftvoll und energisch anfassen (nicht nur in Sachen Doping, aber das nur am Rande). Das eigentliche Dilemma aber ist der Automatismus, dass die Basis des Sports, die Chancengleichheit, umso mehr beschädigt wird, je weniger flächendeckend gedopt wird. Pervers wirkt es zu behaupten, dass, wenn alle dopen, wenigstens der wirklich Beste gewinnt. Pervers ist es, wenn die empört-erregte und oft genug schamlos heuchlerische Doping-Hexenjagd dazu führt, dass die sauberen Sportler nur noch die Staffage für clevere, skrupellose und hightechkriminelle Doper bilden, die der Konkurrenz und der Nachweisbarkeit immer mindestens eine Nasenlänge voraus sind. Diese Bestandsaufnahme hat den Nachteil, keine Lösung des Problems zu kennen. Vielleicht gibt es auch keine, und der Leistungssport geht als Phänomen des 20. und Selbstmörder des 21. Jahrhunderts in die Geschichte ein. Wenn es aber überhaupt, statt der moralinekligen Schlagzeilen-Empörung, Chancen zu einer echten Katharsis, einer reinigenden Läuterung, geben soll, die zu einem weitgehend dopingfreien und gleichzeitig chancengleichen Sport führt, dann müssen zunächst einmal alle »gestehen«, nicht nur die jetzt an den Pranger Gestellten, sondern auch diejenigen, die sich unter Pfui-Rufen aus ihrer Verantwortung stehlen wollen. Stellungnahme in einer öffentlichen Anhörung zum Thema »Leistungsbeeinflussende und leistungsfördernde Maßnahmen im Hochleistungssport«: »Wir wollen solche Mittel unter absolut verantwortlicher Kontrolle der Sportmediziner einsetzen, weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen ohne Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann.« Datum: 28. September 1977. Zitiert aus der Rede des Staatssekretärs im Bundesinnenministerium. Name: Wolfgang Schäuble. Dem deutschen Sport wäre viel erspart geblieben, wenn lange vor den Aldags die Schäubles ein Geständnis abgelegt hätten.

 

Damals musste ich mich ein paar Tage später in einem kleinen Detail berichtigen. Vorab: Der angesprochene Fall von einem Esel war der meinige, in Griechenland, mit Rippenbruch als Folge und danach ein Selbstverarschungs-Runninggag in der Kolumne. Jetzt aber der zweite 2007-Text:

 

Apropos Schäuble-Zitat vom Dienstag: »Ich bin ebenso süchtig nach dem Anstoß wie viele Leser. Der Anstoß ist an vielen Tagen der gedankliche Anstoß für meinen Tag, also irgendwie ja auch Doping. Deswegen ist der Fall von einem Esel auch unverzeihlich, da er uns Leser darin behindert, Topleistungen zu erbringen, wenn die Hoffnung nach einem gelbunterlegtem gw im roten Kasten so schwer enttäuscht wird.« Sehr nette Worte von Thomas Koch, aber nun ertappt er mich: »Dass man sich oft freut, oft ärgert über die Gedanken gw’s, ist logisch und wohl auch erwünscht.« Mein Kalkül der gezielten Provokatiönchen sollte eigentlich nicht durchschaut werden . . . Doch nun zu Schäuble: »Deswegen habe ich mich auch noch nie gemeldet, obwohl es schon oft gejuckt hat. Aber bin ich der erste, der kritisch anfragt, ob Wolfgang Schäuble zu Zeiten der sozial-liberalen Koalition in Bonn am 28. September 1977 als Staatssekretär eine Rede gehalten haben kann? War er überhaupt je Staatssekretär?« – Lieber Herr Koch, das ist natürlich nur eine rhetorische Frage aus dem Hessischen Innenministerium, in das Sie von Gießen aus Ihr politischer Weg geführt hat. Ich habe nachgeforscht und gestehe schuldbewusst, Zabeltränen nahe: Matthias Altenburg, unser alter Anstoß-Mitkolumnist, hatte das Zitat im Internet bei Zeit online gefunden, in einem dort zitierten taz-Interview mit dem Heidelberger GröDaZ Werner Franke. Doch Schäuble war nie Staatssekretär, sondern 1977 Vorsitzender des CDU-Bundestagsfachausschusses Sport. Das Zitat selbst stimmt, die falsche Amtszuordnung aber habe ich ungeprüft übernommen vom GröDaZ, dem größten Dopingexperten aller Zeiten, dessen Worten man also nicht immer vertrauen sollte.

 

Noch dies: Während des Schreibens beschlossen, den Blog-Text auch bei Facebook zu „posten“ (was ich nun gelernt habe, aber selten tue), weil dort ein paar alte Kameraden mitlesen. Und das Allerletzte: Auf seinen Satz angesprochen, sagte Schäuble einmal:

»Man sollte niemanden an Sprüchen messen, die er vor 30 Jahren getan hat; das fällt auf den zurück, der es tut.«

So? Warum denn? Apodiktisch, mit Schäuble-Autorität dahingesagt, die viele kuschen lässt, drehte er den Spieß einfach um, und damit hatte es sich.

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 24. Juli 2013 .
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Sonntag, 21. Juli, 6.05 Uhr

Hundstage haben mit Hunden nichts zu tun, sondern mit dem Sternbild „Großer Hund“, sie beginnen kalendarisch auch erst morgen, aber wenn unsere zwei lieber im kühlen großen Keller bleiben wollen als draußen hecheln zu müssen, sind Hundstage eben Hundstage, Kalender hin, „Canis maior“ her.

Sie blieben gestern natürlich im Keller, als wir mit dem Fahrrad durch den Krofdorfer Forst ins Kirchverser Waldschwimmbad fuhren. Ein hübsch hergerichtetes kleines Freibad, an der Stelle, wo ich vor mehr als einem halben Jahrhundert in meiner ersten Ferienfreizeit im Zeltlager war, aber glaubte und fühlte, eine Million Meilen weit weg von zu Hause zu sein (Luftlinie ca. 10 km). Schon damals gab es dort ein Waldschwimmbad, meiner Erinnerung nach ein etwas düsteres, verschmiertes Naturbecken mit vermoderndem Beton am Rand. Abends am Lagerfeuer wurde gesungen. Als einer der Großen statt „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ „Wildsäue rauschen durch die Nacht“ sang, bewunderte ich ihn maßlos: Sooo frech, sooo witzig! Ist mein Humor auf diesem Niveau stecken geblieben?

Das neue Bad ist kein gemeindliches, sondern wird von Bürgern betrieben und unterhalten. Sehr liebevoll gemacht, ein schönes Beispiel für Gemein- und Gemeinschaftssinn (oder ist das das Gleiche?). Auffällig: Keine Migranten im Bad. Gibt es hier keine, so weit vom Schuss bzw. von der Stadt? Dafür viele dicke deutsche Landkinder. Manche Zehnjährige stampfen wie Sumoringer  durch die Gegend.

Auf der Rückfahrt großen Bogen gefahren, in der Hitze, die mir nichts ausmacht. Die Liebste hat tapfer durchgehalten. Abends dann wieder kühler Wind auf der Terrasse – diese Art Hundstage hat den großen Vorteil, nicht schwül zu sein und abends und nachts angenehm frisch. So viel zum Wetter.

Montagsthemen kommen heute wieder später. Noch keine Ahnung, was reinkommt. Doch, Froome und das Motorrad müssen rein, auch mein altes Lieblingscomic („Ist das noch Fußball?“), das jetzt im FAZ-Feuilleton auftauchte, als Illustration zu einer Rezension und bierernst als „sportkritisches Bild“ überzeichnet. Dabei ist’s die nackte Albernheit, aber manche müssen eben selbst im herrlichsten Blödsinn einen wichtigen Klugsinn entdecken. Noch witziger wäre nur, wenn Heynckes Trainer bei Barca und die Champions League gewinnen würde, was beides nicht ganz aus der Sportwelt scheint. Vielleicht noch der logische Fehlschluss  des Theatermachers von Hartz, der die Berliner Festspiele leitete mit dem Schwerpunktthema „Wette“, im „Zeit“-Interview“ aber bewies, dass er keine Ahnung davon hat, denn Zocker, nein, die, die Zocker spielen lassen, lachen sich ins Fäustchen über ihre Opfer, die wie von Hartz scheinbar logisch überzeugend glauben: „Auch beim Roulette gibt es Tricks, die heute von Brokern benutzt werden. Du musst immer das Doppelte von dem, was du gerade verloren hast, noch mal auf das Gleiche setzen. Wenn du unbegrenzte Ressourcen hast, kannst du nicht verlieren.“ – Kannst du doch, wirst du doch. „Rot“ oder „Schwarz“ kommen nicht fünf-, sechs-, siebenmal hintereinander? Doch. Auch acht- oder neunmal. Und dann ist das Geld weg, zumal es Höchsteinsätze gibt. Unbegrenzte Ressourcen hat nur die Bank, und zwar durch Zocker, die an diesen tollen „Trick“ glauben. Und dass Broker ähnlich handeln, also den Verlust beim nächsten Mal mit verdoppeltem Einsatz wieder rausholen wollen, wäre eine allzu simple Erklärung für den Crash.

Das tapfere Fahrradmädel steht auf. Gleich gibt’s Knicks und Kaffee. Das ist sicher, lieber Herr von Hartz (ha, heißt er er wirklich so?), darauf können Sie setzen!

Und ich kann darauf setzen, merke ich beim Nachlesen, den jetzt drittletzten Absatz als Stein(es)bruch für die „Montagsthemen“ auszubeuten. Bis dann.

 

Nachtrag 9.15 Uhr:

Das ging ja schwupps. Montagsthemen stehen schon online. Erste Leser mögen bitte die Fehler melden, zwecks Korrektur fürs Blatt. Danke.

Veröffentlicht von gw am 21. Juli 2013 .
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Freitag, 19. Juli, 18.45 Uhr

Soeben melden die Agenturen, dass Barca-Trainer Villanova zurücktritt. Grund sei ein erneuter Ausbruch seiner Krebserkrankung. Zuvor hatte Villanova geklagt, Guardiola, der doch sein Freund sei, habe ihn nicht besucht, als er wegen einer Krebsbehandlung einige Wochen in New York war (wo Guardiola sein Sabbat-Jahr verlebte).

Kein Sabbat-Jahr, sondern ein erlebnisreiches Arbeitsjahr verbringt Marc Schäfer (mac) von unserer Gießener Sportredaktion derzeit in London. Er arbeitet dort für dpa, zuletzt, ganz frisch, schrieb er einen prima Insiderreport (über Rooney und mehr). Zeit hat der Lump dennoch, um mir eine Geoguess-Zahl von knapp 15000 vorzulegen, die ich einfach nicht knacken kann.

Geoguess? Nie gehört? Dann mal ein paar Blog-Einträge zurückscrollen.

Den Blog von heute morgen hatte ich mit „Samstag“ überschrieben, Walther Roeber hat’s gemerkt, ich konnte es schnell ändern. Im Sport-Stammtisch habe ich „wahr“ statt „war“ geschrieben, auch das hat Walther Roeber gemerkt. Paul-Ulrich Lenz ebenfalls, der dazu noch ein paar Anmerkungen hat (siehe Mailbox). Eine dazu von mir: Dass man früher Leistungen besser einschätzen konnte, lag nicht daran, dass keiner, sondern (nur fast?)  alle dopten, so dass immerhin Chancengleichheit herrschte. Was Paul-Ulrich Lenz zu Lasse Viren anmerkt, ist zu ergänzen mit der mehr als nur Munkelei vom ersten Blutdoper.

Wie wahr? Wie war das schön, dass ich den Fehler noch fürs Blatt korrigieren konnte. Diese Hoffnung auf aufmerksame Korrektur-Leser ist ja auch der Hauptgrund, warum ich die Kolumnen frühzeitig online stelle. Danke. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 19. Juli 2013 .
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