Archiv für Juli 2013

Sportgeschichte(n): Es ist halt so (Sport und Sprache 2/2 – Anstoß vom 1. August)

Im Sport gibt es kein Sommerloch mehr, aber unsere Sommerserie »Sportgeschichte(n)« mit »gw«-Texten aus fünf »Anstoß«-Jahrzehnten. In diesem Sommer drehen sich die »Sportgeschichte(n)« um eher Randseitiges. Heute geht es noch einmal um Sport und Sprache – über all die Jahre ein Lieblingsthema des Kolumnisten.
*****
Halt: Das Wörtchen »halt« wollte ich mir verkneifen, seit ich erfahren habe, dass der Verein Deutsche Sprache damit »bescheidene Intelligenz« und »spärlich vermittelte Bildung« verbindet: »Je unbeholfener der Sprechende und je hohler sein Geschwätz ist, desto dichter ist das bedeutungsfreie Unwort vertreten.« – Ist halt so. Ich müsste halt mal meinen übervielen »Halts« Einhalt gebieten. (August 2005)
*

Homonym und Homophon: Mäht man überhaupt? Tun das nicht Schafe? Leicht verunsichert, schlage ich im Duden nach. Ja, klar, beide mähen. »Mähen« gehört zu den Homonymen: Gleichnamigkeit bei unterschiedlicher Bedeutung (wie bei »Bauer« = Landmann/Vogelkäfig). Aber was ist der Unterschied zwischen Homonym (gleicher Name) und Homophon (gleicher Ton)? Wenn ich in der Diskussion über Manager-Gehälter jetzt immer öfter vom sportlichen Vorbild des »Sellerie-Cups« höre und mich darüber wundere, bis ich’s geschrieben (»Salary-Cap« = Gehaltsobergrenze) sehe – ist das nun homonym, homophon – oder nur dumm? Ah, hab’s kapiert: Als Heinz Mägerlein einst bei einer Ski-Übertragung die legendäre Behauptung wagte, die »Zuschauer standen an den Hängen und Pisten«, war dies ein Homophon und kein Homonym, denn die mutwillige Verwechslung ist nur durch gleichen Ton, nicht durch gleiche Schreibweise möglich. (März 2009)
*
Lupenreiner Hattrick: Es gibt laut Wörterbuch sechs Bedeutungen und 100 Synonyme für »lupenrein«, aber das ist längst noch nicht alles, denn »Hattrick« oder »Putin« kommen darin nicht einmal vor. Das Besondere des lupenreinen Hattricks ist, dass es nur lupenreine Hattricks gibt, ein lupenreiner Hattrick also ein doppelt gemoppelter weißer Schimmel ist. Brillanten dagegen können durchaus nicht lupenrein sein, es mindert aber ihren Wert. Ein »lupenreiner Demokrat« jedoch … ach, ich weiß nicht, da müssen Sie schon Schröder fragen. (Mai 2009)
*
Kamel und Nadelöhr: »Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt« (Matthäus 19, 24) »oder Kuranyi wieder in die Nationalelf.« (Löw, 11. 11., 2008). Warum bestraft Löw kindlichen Trotz bei Kuranyi unerbittlich, lässt aber Podolski ungestraft den DFB-Kapitän ohrfeigen? Wir stellen die Frage in den Raum und lassen sie dort stehen, für Psychologen. – Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, denn es ist gar kein Kamel, sondern eine Fehlübersetzung von Luther, der aus »kamilion« (Schiffstau) ein lautmalerisches Kamel gemacht hat. Das war unser Beitrag zum Reformationstag. (November 2009)
*

Public Viewing: Hab ich schon mal erwähnt, dass »public viewing« im englisch-amerikanischen Sprachgebrauch »Aufbahrung« (um öffentlich noch einmal gesehen werden zu können?) bedeutet und sich der deutsche Ausdruck »Rudelgucken« leider nicht durchsetzt? Und dass »pubic viewing« ein Schreibfehler ist, der hier besser nicht übersetzt wird? (Juni 2010)
*
Rivale: Öffentlich spekuliert man, ob Frentzen den einen oder Irvine den anderen Titelanwärter »abschießen« wird, oder ob Schumacher und Villeneuve ihr Duell Mann gegen Mann austragen können. (…) Champagner wird nur bei einem der beiden Rivalen fließen. Obwohl bei Rivalen fließendes Nass immer eine Rolle spielt. Womit wir bei unserer heutigen bildungsbürgerlichen Kleinlektion angelangt sind: Das Wort Rivale kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet ursprünglich einen Bauern, der sich mit einem anderen ein fließendes Gewässer (rivus) geteilt hat. Da es dabei oft zum Streit kam, nannte man die Streithähne Rivalen. (Oktober 1997)
*
Rolle: Echt von der Rolle kann nur ein Steher sein, in jener aus der Mode gekommenen Bahnraddisziplin, in der hinter Motorrädern hergefahren wird. An den Motorrädern ist hinten eine Rolle befestigt, an der man ganz eng dranbleiben muss, um den Windschatten des stehenden Motorradfahrers, des Schrittmachers, zu nutzen. Wer »von der Rolle« gerät, verliert sofort an Geschwindigkeit und hat schon verloren. (März 2005)
*
Schlitzohr: Gomez ist auch ein Schlitzohr. Er habe sich, sagt er, bis Saisonende nie mit einem Wechsel beschäftigt. Was nicht gelogen ist, denn der Wechsel zu Bayern stand vermutlich schon vor einem Jahr fest, damit musste er sich also nicht mehr beschäftigen. – Schlitzohr, was ist ein Schlitzohr? Das Wort kommt aus dem Mittelalter, als wandernden Gesellen, die betrogen oder gestohlen hatten, der Zunft-ohrring ausgerissen wurde, so dass die Gesellschaft vor dem üblen Gesellen gewarnt war. Allerdings galt damals und gilt heute: Ein Schlitzohr, das man am Schlitzohr erkennt, ist kein echtes Schlitzohr. (Mai 2009)
*
Trumm: Ab Februar gehört der Ball (und die Aufmerksamkeit) wieder den Fußwerkern und nicht diesen Trumms von Kerlen. – »Trumms«? Ist das wirklich die Mehrzahl von »Trumm«? Mal nachschauen. Ah, hier: Der Plural von »Trumm« heißt . . . »Trümmer«! Ach, und »Trumm« ist gar keine Umgangssprache, sondern die Einzahl des Wortes, das wir nur in seiner Mehrzahl gebrauchen. Kommt vom mittelhochdeutschen »drum«. Ewwe drum! Man deutschlernt nie aus. (Januar 2009)
*
Zapfenstreich für Schröder: Wieder so ein Wort. Nachgeguckt in Grimms Wörterbuch: Der Z. ist der Schlag auf den Zapfen, wodurch das Schankfass geschlossen wurde. Zum Beispiel in Wallensteins Lager, »um den zechgelagen der soldaten einhalt zu thun.« Im »Grimm« steht sogar ein Z.-Gedicht für alle Altersmilden von Olli bis »gw«: »dir kommt an milde blosz die sonne gleich, die täglich leuchtet bis zum zapfenstreich.« (November 2005) (gw)

Veröffentlicht von gw am 31. Juli 2013 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Sportgeschichte(n): Geil, gierig und gallig (Sport & Sprache 1/2 / Anstoß vom 31. Juli)

Im Sport gibt es kein Sommerloch mehr, aber wieder unsere Sommerserie »Sportgeschichte(n)« mit »gw«-Texten aus fünf »Anstoß«-Jahrzehnten. In diesem Sommer drehen sich die »Sportgeschichte(n)« um eher Randseitiges. Heute geht es um Sport und Sprache – über all die Jahre ein Lieblingsthema, daher morgen mehr davon.
*****
Abängstende Machmänner: Warum plusterte sich Balotelli auf? Was bei den Bodybuildern Posing und Bestandteil des Wettkampfs ist, heißt in der Lebensszene der Balotellis »Pimping«, das von »pimp« (Zuhälter) abgeleitet ist und am besten mit »aufmotzen« übersetzt werden kann, was eigene Coolness ausdrücken und andere einschüchtern soll. Aber was signalisiert es wirklich? »Ich habe Angst!« In Sten Nadolnys neuem Roman »Weitlings Sommerfrische« steht der Satz dazu: »Nur wer Angst hat, will gefährlich aussehen.« Dazu kennt Grimms Wörterbuch wunderschöne Wörter, zum Beispiel den »Machmann«, das ist »einer, der einen Mann macht, nur vorstellt, ohne es zu sein«, eine »Scheinfigur«. Oder das herrliche Verb »abängsten« (= durch Angst ermatten). Wenn wir mit diesem Wissen den Balotellis zusehen, würden wir sie am liebsten tröstend in den Arm nehmen, und wahrscheinlich würden sie, erleichtert vom Pimping-Zwang, schluchzend an unsere Brust sinken. Dann streicheln wir den Irokesen-Kopf, tätscheln den Tattoo-Arm und flüstern ihnen zu: Sind wir nicht alle bloß abängstende Machmänner? (Juli 2012).
*
Aussprache: Deutsche Zungen verrenken sich fast dieselbigen, um jeden Namen jedes ausländischen Fahrers korrekt auszusprechen, nehmen es aber wie selbstverständlich hin und empfinden es als exotisches Flair, wenn Ausländer die deutschen Namen so undeutsch wie möglich aussprechen. Aber wehe, ein Deutscher spricht ausländische Namen deutsch aus, der gilt gleich als Neonazi oder zumindest als Volltrottel. Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies schreibt jemand, für den Neonazis zumindest Volltrottel sind. (Juli 1997)
*
Benchmarking: Hätte Klopp den Bayern statt billigen Abkupferns das irgendwie bedeutender klingende Benchmarking unterstellt, wäre der beleidigte Aufschrei ausgeblieben. Benchmarking, das ist der neudeutsche Ausdruck für den ökonomischen Vergleich von Leistungsmerkmalen. Ursprung des Wortes: An seiner Werkbank (bench) brachte der Schreiner früher eine Markierung (mark) an und konnte so auf einfache Art identisch lange Stuhlbeine absägen. In der Wirtschaft wurde das Benchmarking durch die Firma Xerox eingeführt, die ein billigeres und besseres Modell von Canon in alle Einzelteile zerlegte, mit dem eigenen Kopierer verglich, die besseren Teile des Konkurrenten abkupferte und danach wieder Marktführer wurde. Und sind die Bayern wieder Marktführer oder etwa nicht? (März 2013)
*
Derselbe: Unser Bild des Jahres tauchte in den diversen Rückblicken, wenn überhaupt, nur als optische Randnotiz auf: Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, beflügelt, also mit pinguinartig wackelnden Armen auf der grünen Wiese seiner Gräfin entgegenschwebend. Unschlagbar. Seit er die Gräfin liebt, sei er nicht mehr derselbe, sagt man. Derselbe? Der gleiche? Die Liebe lehrt uns auch diesen Unterschied: Fritz Walter hat sein ganzes Leben lang immer dieselbe Frau geliebt, Boris Becker immer die gleiche. (Januar 2002)
*
Dominanz: Selbst Bochum hat in Mainz »Dominanz ausgeübt« (Koller) und war auch für Kollege Klopp anfangs »dominanter«, was jedoch nicht nur wegen der Bochumer Niederlage am Sinn des neuen Modewortes zweifeln lässt, sondern auch wegen Kloppos relativer Steigerung eines absolut unsteigerbaren Begriffs. Dominanz kommt von »dominus« (Herr) und wird traditionell schon im Kindergottesdienst missverstanden, wenn »dominus vobiscum« als »Dominus wo bist Du« ankommt, was aber nur beweist, dass Kindermund der Frage aller Fragen noch am nächsten kommt. (August 2006)
*
Geil und geile F.: Wer im Gnaden-Stande der frühen Pubertät lebt, dem bereiten gewisse Ausdrücke immer noch das leichte Prickeln des Pfui-Wortes, das man bzw. bub nicht sagen oder gar schreiben darf. Es begann mit »geil«, einem Wörtchen, das im Mittelhochdeutschen »üppig, froh« bedeutete, im Mittelbundesrepublikanischen aber ausschließlich zur verschwörerisch geflüsterten Kennzeichnung der sexuellen Attraktivität der weiblichen Subjekte der Begierde benutzt wurde. Und heute? Ist alles geil. – Zum F.-Wort in »hinterfotzig«: Der Süddeutschen Zeitung verdanken wir die erste wichtige neue Erkenntnis des Jahres: Die »F.« ist nicht das, wofür wir sie immer hielten, sondern »ein grober Ausdruck für das Gesicht«. Da staunt der alte Bub, guckt im Wörterbuch nach, und tatsächlich: Die »F.« stammt wahrscheinlich ab von »facies« (lat. Gesicht), so dass theoretisch sogar eine »g. F.« auszuschreiben erlaubt ist. Aber nicht in dieser anständigen Sport-Kolumne! (Januar 2006)
*
Gier und Galligkeit: FCK-Boss Stefan Kuntz analysiert im neuen Jargon der Zeit: »Da fehlt die Gier.« Gier, das ist das Wort, das die einst von Matthias Sammer ins Phrasen-Wörterbuch geschriebene »Galligkeit« abgelöst hat, wobei der damalige BVB-Coach »gallig« als engagiert-energisch-aggressiv missverstand, denn die »Galligkeit« als bittere, verbitterte Wesensart ist ja nicht nur menschlich, sondern auch sportlich eine liebend gern zu vermissende Eigenschaft. Wie auch die Gier. Ein Blick in Grimms Wörterbuch lohnt sich immer. Beim Stichwort »Gier« reimt uns Justus Georg Schottellius ins Gewissen: »Der geilheit giermacht blindlings zwingt, bis sie uns zum verderben bringt.« Hübsch auch ein weiteres Schottelius-Zitat im Grimm: »Liebet einer die zerschnellende wollust, so giebt eine augenblickliche gierliebe und lüstlein zu einer ewigwährenden unlust sofort ursach.« Die Lauterer brauchen keine Gier, sondern eher die originäre Kraft deutscher Sprache. »Zerschnellende wollust« oder »augenblickliche gierliebe«, solche wunderbaren Worte geben zu einem ewigwährenden Lüstlein sofort Anlass. (Oktober 2010).
(gw)

Veröffentlicht von gw am 30. Juli 2013 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Ohne weitere Worte (vom 30. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
*****
Erik Zabel und Jan Ullrich haben mit Epo gedopt, das hat man nach dem Öffnen von prähistorischen Urinproben aus der Zeit vor Angela Merkel festgestellt. Kaum jemand weiß heute, dass es damals überhaupt Fahrräder gab, mit denen man Rennen fahren konnte, und dass diese Rennen nachmittags live im Gebührenfernsehen übertragen wurden. Da saßen Kinder davor! (»Zippert zappt« in der Welt)
*
In München allerdings haben sie derzeit eh andere Sorgen: Pep Guardiola entwickelt sich gerade zum größten Reformator seit Martin Luther. Und schon der kam bei den Katholiken nur halbgut an. (Kabarettist Hans Werner Olm in der Kicker-Kolumne »Abpfiff«)
*
Jeder Einwohner von Wacken darf einen Tag lang kostenlos auf das Open Air. (…) Und Jensen sagt: Wir haben hier weniger Gewalt als bei einem B-Jugend-Kreisklasse-Spiel. (Zeit über »Schwermetaller« Thomas Jensen, Veranstalter des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt)
*
Man kann in Berlin seinen Abend in einer Sporthalle verbringen, in der Rollschuhpartys stattfinden. Man holt sich an der Bar einen Drink und fährt auf seinen Rollschuhen die ganze Nacht im Kreis. Ich persönlich finde es interessanter, zu trinken, ohne dabei Rollschuh zu laufen. (Elisabeth Raether in der Zeit-Kolumne »Die trinkende Frau«
*
Die Werbe-Industrie (…) hat die Formel-1-Veranstalter gebeten, die Rennen abwechslungsreicher zu gestalten, worauf man dort die Idee hatte, Rennautos mit Reifen auszustatten, die (…) kein ganzes Rennen halten. (…) Wenn sich das Leben aber mit simplen Eingriffen offensichtlich aufregender gestalten lässt – warum beschränken wir uns dann auf die Formel 1? Müssen zum Beispiel Bastian Schweinsteigers Schuhe ein ganzes Match halten? (»Das Beste aus aller Welt« von Axel Hacke im SZ-Magazin)
*
Man kann da natürlich auf die ganz großen Lösungen setzen – und jedem Hilfsbedürftigen das Almosen verwehren. (…) Man kann auch nach Quoten verlangen: nicht mehr als 30 Prozent Ausländer in Putzkolonnen oder nicht mehr als 50 Prozent Schwarze in Hundert-Meter-Endläufen (um sie nicht auf ihre Körperlichkeit zu reduzieren). (FAS-Leitartikel zur Aufgabe eines Beschäftigungsprojektes für Asylbewerber am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd)
*
Die Deutschen haben sich die Grünen zugelegt, sowie ein Abonnement der Landlust und ein Hybridauto, nur um sich selbst vormachen zu können, dass der Konflikt zwischen der Zivilität des Lebens und der Brutalität seiner Nebenfolgen in allen westlichen Ländern tobt – außer bei uns. (Bernd Ulrich, stellv. Chefredakteur der Zeit und ehemaliger Mitarbeiter im Fraktionsvorstand der Grünen, in einem Zeit-Leitartikel über »Die Allzuguten«).
*
Richards wird am 18. Dezember 70. Fünf Tage später, am 23. Dezember, wird Helmut Schmidt 95, so Gott will. Schmidt hat zwar länger geraucht als Richards, aber Jagger war für die Geschichte des 20. Jahrhunderts eindeutig wichtiger als Schmidt (…), der stes einem deutschen Archetyp, dem des Frontoffiziers, entsprach. (…) Jagger ist der Archetyp des Rockmusikers, der übrigens ganz eindeutig weniger Unheil über die Welt gebracht hat als die Frontoffiziere. (Chefredakteur Kurt Kister in der SZ zu Mick Jaggers 70. Geburtstag)
*
Mick Jagger hat einen winzigen Pimmel. Diese interessante Information, gezielt gestreute Nachrede aus der Autobiographie seines Kollegen Keith Richards, machte 2010 die Runde. (…) Dabei ist das eigentlich Erstaunliche an Mick Jagger, dass es ihn überhaupt noch gibt (…), Pimmel hin oder her. (taz)  (gw)

Veröffentlicht von gw am 29. Juli 2013 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Was ist konservativ?

Ich bin sicherlich nicht berufen, die Frage, ob Sie „konservativ“ sind oder nicht, letztgültig zu beantworten. Jedoch, vielleicht erinnern Sie sich, dass ich Sie schon einmal gefragt habe, warum man sich davor fürchten muss, als konservativ eingeschätzt zu werden. Ich stelle diese Frage erläuternd erneut.

Allerdings muss man schon deshalb sich diesem Thema unterziehen, weil Sie und Ihr Anstoß doch sehr viele sehr unterschiedliche Menschen (um es zurückgenommen zu formulieren) anzieht. Sie haben neuerdings die Frage nach dem Konservativen verbunden mit einem für mich deshalb etwas nebulösen Zitat, weil ich die Quelle nicht finde. Ob an der kaum als Definition gemeinten Wendung: Neigung zum Schlechten unterstellen oder so ähnlich  etwas dauerhaft Brauchbares ist, kann ich nur vermuten.

Versuchsweise nähere ich mich dem Scheitern des Sozialismus, einem systembedingten und menschenbildabhängigen Scheitern, Der Sozialismus kann – ebenso mit christliche Ansätze – nur gut gehen, wenn die beteiligten Menschen sich ihres Egoismus begeben, also gemeinnützig, gemeinwirtschaftlich, ganzheitlich denken. Das jedoch tun Menschen, fast per definitionem,  nicht. Insofern ist die Vermutung, dass der Mensch eine heftige Neigung zum Bösen hat, richtig. Dies kann jedoch nur als konservativ betrachtet werden, wenn man es gegen ein Weltbild absetzt, das beim Menschen irgendetwas Gemeinnützliches vermutet. Der Liberalismus von Adam Smith hatte es besser: dieser rechnet mit dem Schlechtesten, das Menschen haben können: die Selbstbezogenheit und feierte damit im Kapitalismus höchst erfolgreiche Entwicklungen. Freilich, die Hoffnung, dass der Mensch nicht nur böse sei, sondern irgendetwas vom Egoismus für andere abfalle, kann ich nicht als verwirklicht sehen. Die „unsichtbare Hand“ des Wirtschaftsliberalismus ist eben nicht wirklich ethisch, sondern allenfalls utilitaristisch, was für mein Verständnis nichts mit Moral zu tun hat. 

Ich versuche es ein weiteres Mal: durch negative Abgrenzung. Nicht konservativ, also vermutete dauerhafte (gesinnungsethische) Werte als überholt, nicht existent, überflüssig, schädlich betrachtend, sind: Kapitalisten (also im heutigen Definitionsumfeld: Neo-neo – Liberale), Freie Demokraten, zynische Idealisten, Menschen, die alles verachten, was nicht „cool“ ist, die Gleichgültigen, also die meisten. Nicht konservativ waren: die führenden Mitglieder der NSDAP und ihrer schrecklichen Unterorganisationen,  deshalb nicht, weil sie ihr Geschäft ohne Inhalt, ohne Orientierung, einfach eben als Geschäft wie jedes andere, betrieben haben. Nicht konservativ sind Menschen und Denker in deren Vorstellungshorizont nur das Pragmatische, das Funktionieren vorkommt, also etwa Regierungsfunktionäre im 21. Jahrhundert, mehr sage ich dazu nicht.

Ein konservativer Mensch, also auch ich, hat jene Werte, die die Würde des Einzelmenschen gegen jede funktionale Vereinnahmung aufrecht erhalten wollen, die Würde des Einzelnen achten auch im Sinne einer Interpretation der Verfassung also Teilhaberecht; den Staat also verpflichtet, diese Grundrechte, also auch die Würde, allererst herstellen zu müssen. Dies tun Neo-Neo-Liberale nicht. Kurz: ein konservativer Mensch, also ich, verbindet die Bewahrung menschen- und naturrechtlicher Werte, wozu auch die Unversehrtheit des Einzelnen gegenüber kriminellen Attacken im Alltag gehört(Sicherheit und Freiheit lassen sich nicht gegeneinander ausspielen) konsequent mit einer gemeinwohlorientierten Ökonomie, um es nicht noch deutlicher zu formulieren. Freilich, der Begriff der Freiheit darf weder der unseres Bundespräsidenten sein noch der von Herrn Olaf Henkel oder des Herrn Brüderle.

Schließlich: Neo-neo-liberal. Was soll das? Die Neoliberalen Anfang der 50er drehten den Begriff des Wirtschaftsliberalen der 30er Jahre in Richtung auf soziale Bremsen der Marktradikalität; dazu gehörte Bundeskanzler Ludwig Erhard. Die Neo-Neo-Liberalen drehten den Begriff zurück auf Radikalität. Deshalb ist das als kritischer Begriff gemeinte Wort „neoliberal“ falsch, denn unsere Wirtschaftsführer, Banker, Lobbyisten sind nicht neoliberal, sondern eben progressiv (also nicht konservativ) neo-neo-liberal. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Veröffentlicht von gw am 29. Juli 2013 .
Abgelegt unter: Mailbox | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 28. Juli, 17.45 Uhr

Endlich ist alles erledigt. Zum Schluss schnurrte der Tunnel wie am Schnürchen. Oder schnurrte das Schnürchen wie im Tunnel? Tunnelte schnurrend das Schnürchen? Schnürte das Schnurchen? Sorry, nachdem Sonntagmorgenblog und Montagsthemen  geschrieben und in Blatt und/oder Blog untergebracht sind, bricht sich Erleichterung die Bahn, den Bann brechend, die Bahn erleichternd, den Bann … jetzt aber Schluss mit albernlustig.

Für die nächste Kolumne, die “Ohne weitere Worte”-Zitate, schon einiges vorbereitet. Zum Beispiel aus einem “Zeit”-Titelblattthema: “Die Allzuguten – Den Grünen steht beim Umgang mit den Pädophilie-Vorwürfen die Selbstgerechtigkeit im Weg” (Autor: Bernd Ulrich). Ein Zitat daraus werde ich “ohne weitere Worte” übernehmen, ein anderes hat mich verblüfft: “Der wahre Konservative nämlich ist zutiefst überzeugt vom Talent des Menschen zum Schlechten, auch vom eigenen.” Nie hätte ich gedacht, dass ich ein wahrer Konservativer bin, doch wenn diese Definition zu Recht auf der Schublade steht, dann bin ich tatsächlich einer und lass mich dort reinstecken. Was mich an den Grünen stört, trotz mancher sympathischer Ansätze und Personen: Dass sie bzw. unverhältnismäßig viele von ihnen sich für das Schlechte für vollkommen untalentiert halten und den Gesinnungsgegner vollkommen untalentiert für das Gute – eine unangenehm wirkende Haltung,  idealtypisch personifiziert im derzeitigen Obermacker (nicht in seinem weiblichen… wie heißt das Wort? Widerpart? Nee, seiner  Führungspartnerin). In Sachen Pädophilie zitiert Ulrich, wie Roth oder Künast die katholische Kirche angriffen, wie die Grünen aber ihr eigenes ekliges Problem aussitzen, verschweigen, wenn sie nicht schweigen, dann kleinreden und als lässliche Jugendsünden verschleiern.

So gewinnt ihr meine Stimme nicht. Aber wer gewinnt sie schon?

Veröffentlicht von gw am 28. Juli 2013 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert

Baumhausbeichte - Novelle