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DIES & DAS (Anstoß vom 27. Juni)

Pep Guardiola: Höher kann man nicht in den Himmel gehoben werden. Verehrt wie »Gott Fußball«, und in »Bild« wird er auch so genannt. Jan Ullrich: Tiefer kann man nicht in die Verdammnis gestoßen werden. Er ist »der größte Betrüger, den der deutsche Sport jemals hervorgebracht hat« (»Spiegel«). Zwischen dem Verehrten und dem Verdammten kann, darf es keine Gemeinsamkeiten geben.
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Das anabole Steroid Nandrolon ist eine »Modedroge des Weltsports« (»Berliner Zeitung«). Des Dopings mit Nandrolon wurden schon so unterschiedliche Sportler überführt wie Dieter Baumann (»Zahnpasta«), die Welt-Sprintstars Christie und Ottey, der deutsche Hürdensprinter Balzer oder der deutsche Ringer Leipold. Und der spanische Fußballer Guardiola. 2001 in Italien. Zweimal kurz hintereinander positiv getestet. Sogar zu sieben Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wurde später aufgehoben.
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Also in der Tat keine Gemeinsamkeit mit Ullrich. Der bleibt auf ewig verurteilt. Randnotiz: Die schwer nachweisbaren Wachstumshormone, Dauer-Renner der Szene, erhöhen im Nebeneffekt die Nandrolon-Werte.
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»Mein Urlaub neigt sich dem Ende und ein neues Kapital in meiner Karriere steht vor mir.« So verabschiedet sich Mario Götze auf seiner Facebook-Seite von seinen Dortmunder Fans. Seinen ehemaligen Fans. Sie empfinden wie Mats Hummels im »Sport-Bild«-Interview: Es gab keinen sportlichen Grund zum Wechsel, die Enttäuschung ist und bleibt groß. Ausschlaggebend war nur das »Kapital«.
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Kapital statt Kapitel – ein selten schöner Freudscher Verschreiber. Zum »Gefällt mir«-Anklicken. Auch ich bin bei Facebook angemeldet, bleibe aber so gut wie inaktiv. War nur neugierig auf ein paar alte Werfer aus den USA. Jetzt habe ich einige »Freunde« dort, die »posten«, was das Zeug hält, mit täglichen persönlichen Wasserstandsmeldungen und kalenderspruchphilosophischen »geteilten« Texten und Bildern. Facebook scheint dort drüben eine Obsession zu sein.
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A. war einer der besten deutschen Werfer vergangener Zeiten. Er hat bei Facebook 1709 (!) Freunde, ist sehr aktiv und tauscht sich mit vielen aus. Am Dienstag postete er: »Freunde, ich habe ein Problem. Nach über einem Jahr ohne Beschwerden hat mich die Krebserkrankung wieder eingeholt. Ich muss in das Klinikum und werde am Mittwoch operiert.« Auf die Tragik der Nachricht reagierten einige von A.’s Facebook-Freunden, indem sie hilf- und wortlos den »Gefällt mir«-Button drückten.
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Facebook, Twitter, die fast schon altmodische Mail – kaum jemand schreibt noch echte Postkarten. So kamen auch alle Einsendungen zur letzten »Wer bin ich?«-Runde per Mail. Alle, bis auf zwei Postkarten. Und wie’s der moderne Teufel will, irrläuferte die ungewöhnliche Post erst spät zu mir, zu spät für die Erwähnung in der Auflösungs-Kolumne. Das wird hiermit nachgeholt: Auch Reinhold und Andreas Kreiling aus Gießen-Wieseck gehören zu der WBI-Elite, die auf Sonny Liston gekommen war. Respekt und Glückwunsch! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle