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Beste Reste (Anstoß vom 21. Juni)

Beim Zusammenstellen der dienstäglichen »Ohne weitere Worte«-Kolumne bleibt einiges von dem gesammelten Material unberücksichtigt, meist aus Platzgründen. Bevor der große Stapel entsorgt wird, präsentieren wir heute das Beste vom Rest des letzten halben Jahres.
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»Ich geriet ins Schleudern, und der Kanadier Alex Tagliani bohrte sich mit Tempo 320 in meinen Wagen. Mir riss es beide Beine aus, eins oberhalb des Knies, eins unterhalb. Noch an der Strecke bekam ich 60 Infusionen, und ein Priester gab mir die letzte Ölung, mit Motorenöl. (…) Ich hatte nur noch einen Liter Blut im Körper, mein Herz blieb siebenmal stehen. Dass es mich noch gibt, ist rational nicht zu erklären.« (Ex-Formel-1-Fahrer Alessandro Zanardi im Spiegel-Interview über seinen Horror-Unfall auf dem Lausitzring)
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»Nur weil ich den Unfall hatte, bin ich ja nicht verletzlicher als vorher. Im Gegenteil. Ich kann mir die Beine nicht mehr brechen. Und selbst wenn, dann nehme ich einen Schraubendreher und repariere sie in fünf Minuten.« (Zanardi/Spiegel)
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Hoeneß, so scheint mir, wurde abgesprengt wie eine ausgebrannte Stufe der CSU-Rakete auf dem Flug zur Wahl, der man in rasender Nervosität entgegenzittert. Ballast weg! Höhe gewinnen! (Hans-Ulrich Jörges spekuliert in seiner Stern-Kolumne: »Wer hat Uli Hoeneß öffentlich hochgehen lassen? Vieles spricht für jemanden im Machtapparat der CSU«)
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»Jeder Profi des FC Barcelona durfte sich nach dem Champions-League-Sieg 2009 bei einem der Sponsoren ein Auto aussuchen. Ein Spieler nahm sich eines für 200 000 Euro und fuhr damit auf dem Clubgelände vor. Xavi sagte zu ihm: Weiß du, dass das ein Geschenk ist? Xavi wiederholte: Es ist ein Geschenk, sie haben dir das Auto geschenkt. Xavi hatte auch eines bekommen, sich aber das kleinste ausgesucht. Großartig.« (Freiburgs Trainer Christian Streich im Spiegel-Interview)
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Ihr früherer Mitspieler Gerald Asamoah behauptet in seiner Autobiographie, er wäre fast Ihr Berater geworden. – »Als ich sehr jung war, dachte er, aus dem Neuer könnte was werden. Beim Stretching vor dem Parkstadion fragte er mich dann, ob er mich beraten könne. Ich dachte, der will mich mal wieder veräppeln. Also sagte ich: Klar, berate mich. Gegenfrage: Und wie machen wir das finanziell? Ich sage: Ganz einfach, du gibst mir das Vermögen, das du bisher erspielt hast, und dafür kriegst du, was ich in der Zukunft erspielen werde. Und da hat er sich nicht getraut.« (Manuel Neuer im FAZ-Interview)
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»Ich würde auch gerne auf der Playstation mal gegen Mario Götze Fußball spielen. Doch ich bevorzuge ›Fifa 13‹ und er besteht auf ›Pro Evolution Soccer‹. So kommen wir leider nicht zusammen. Wahrscheinlich hat er auch Angst. Kürzlich haben wir Tischtennis gespielt. Da führt er 7:6, ich dachte: Gleich hab ich ihn. Und was macht er? Er legt seinen Schläger auf den Tisch und geht.« (Marco Reus im WamS-Interview)
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Haben Sie die Mallorca-Sendung von »Wetten, dass …?« gesehen? Wie fanden Sie die? – (…) »Ich werde mich aus verständlichen Gründen einer Gesamtwertung enthalten. Nur so viel: Barack Obama käme nie darauf, einen Taliban-Häuptling auf sein Sommerfest einzuladen. Wer hat um Himmels Willen die Schnapsidee gehabt, den Duschkopf-Terroristen Stefan Raab als Gast (…) zu holen?« – Thomas Gottschalk in »Fragen Sie Gottschalk« der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Ich möchte immer die Seite derjenigen vertreten, die die Minorität sind. (…) Die Mehrheit ist ja eh in der Mehrheit.« (Klaus Maria Brandauer im SZ-Interview)
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»Gelegentlich, gebe ich zu, denke ich, ich muss vorher fürchterlich gewirkt haben.« (Bilfinger-Boss Roland Koch über seine Zeit als CDU-Hardliner, zitiert in der SZ)
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Zum Beispiel wurde beschlossen, dass Ferkel nicht mehr ohne Erlaubnis kastriert werden dürfen. Dieses Verbot tritt allerdings erst 2019 in Kraft. Das Sodomieverbot dagegen könnte noch 2013 in Kraft treten. Von 2013 bis 2019 darf dann jeder Deutsche einem Ferkel ohne Betäubung die Hoden abschneiden. Wenn er aber dem Ferkel in sexueller Absicht an den Schwanz fasst, ist dies verboten. (Harald Martenstein in seiner Zeit-Kolumne)
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Die »Sun«, das aggressivste Kampfblatt unter den britischen Zeitungen, titelte: »Pfoten weg von den Titten unserer Barfrauen.« Gemeint war eine EU-Richtlinie, die Arbeitnehmer davor schützen sollte, zu lange ohne geeigneten Sonnenschutz im Freien zu arbeiten. (Spiegel) (gw)

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