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Sonntag, 16. Juni, 6.00 Uhr

In der Mailbox die letzte Lösung eingetrudelt. Jetzt ist Einsendeschluss, nichts geht mehr (wollte “rien ne va plus”  schreiben, weiß aber nicht mehr und habe keine Lust nachzuschauen, ob es “va” oder “vas” heißen muss; “va” wäre italienisch, oder?). War schwierig für alle, die bei einem berühmten Platten-Cover nicht sofort auf St. Pepper kamen. Für die anderen, die die Platte – wie ich – zu Hause haben, war es recht einfach. Hatte lange überlegt, ob ich St. Pepper mit in die Tipps aufnehmen sollte. Weil: zu verräterisch. Habe es getan, weil ich meistens einen Nebeneffekt im Kopf habe, diesmal alte Gefühle wecken, wenn man die Platte noch einmal in die Hand nimmt und sich, vielleicht, wenn man sie noch einmal hört, alle Typen anschaut, die um die Beatles platziert sind.

Unter denen, die Liston fanden (um die 25), ist auch Klaus Pradella, HR-Reporter und sehr viel früher ein lieber alter Sportredaktions-Kollege. Seine und eine andere schöne Lösungsbeschreibung kommen in die Auflösungs-Kolumne, die am Mittwoch, Donnerstag oder Freitag im Blatt stehen wird. Den Text schreibe ich morgen vor, da dann drei Tage mit dem Rad unterwegs (mit zwei alten Klassenkameraden am Main). Da Sportchef ra krank und Freitags-Kolumnist mi in Urlaub ist, wird’s eng für die Redaktion.

Klaus Pradella ist erst seit einigen Wochen bei WBI dabei, einige von Anfang an, manche kommen, manche gehen, manche kommen nach Monaten wieder – die Namensliste ist immer für Zeitgefühle gut. Überhaupt: 40 Jahre Kolumnen schreiben, anfangs nur sporadisch, später regelmäßig, das bringt oft ins Sinnieren: Die mitkommentierenden, protestierenden oder lobend zustimmenden Leser (zum Glück die große Mehrzahl, Dankeschön) kommen und bleiben oder gehen und kommen wieder oder bleiben verschwunden, neue kommen und bleiben. Wohin sind die verschwundenen verschwunden und warum? Weggezogen, verärgert durch eine blöde Bemerkung von mir (da kommen im Lauf der Zeit ja einige zusammen) oder gar … manchmal und im Lauf der Jahre immer öfter gibt’s die Auflösung im Anzeigenteil, leider. Sehr schönes Gefühl aber: Die große Mehrzahl stimmt nicht nur zu (oder kritisiert freundlich und konstruktiv, das ist mir besonders angenehm), sondern kommt – und bleibt, oft jahrzehntelang. Ein Name für alle, vielleicht der gw-Leser der allerersten 70er-Stunde: Uwe Paulus.

Alte Freunde: Bin bei Facebook angemeldet, aber so gut wie inaktiv, gucke nur rein (eine sehr, sehr liebe Bekannte klickt manchmal unter meinem Namen rein). Ein Grund zum facebooken war, neugierig auf ein paar alte Werfer aus den USA zu sein. Jetzt habe ich einige “Freunde” dort (neben Al Feuerbach u.a. Brian Oldfield, Randy Barnes oder Mac Wilkins), aber die “posten”, was das Zeug hält, mit täglichen persönlichen Wasserstandsmeldungen und kalenderspruchphilosophischen “geteilten” Texten und Bildern. Facebook scheint dort drüben zur Obsession zu werden.

Keine Obsession wird für mich “geoguessr”. Ein Spiel mit Google Maps, ein Bild von irgendwo auf der Welt, man kann im 360-Grad-Winkel drumrumfahren und muss raten, wo das ist. Anfangs ganz nett, aber meistens sieht man eine Staubstraße in Wüstengegend oder einen frühostblockartigen Häuserblock, das zu lokalisieren ist reine Glücksache. Einmal aber bekam ich auf einen Schlag über 6000 Punkte: Frankfurt Hauptbahnhof, punktgenauer Treffer! Manchmal aber bekomme ich unter 100 Punkte – zum Beispiel, wenn ich auf Australien tippe und der Ort ist in Weißrussland oder so. Klar ist, sagt mein kleines altes Schulwissen: Um mehr als 20 000 Kilometer kann ich mich nicht irren. War aber schon nahe dran, dann gibt es Minipunkterekord (meiner: 24). Zu einer Raterunde gehören fünf Bilder. Mein Rekord: Knapp über 10 000. Wahrscheinlich ziemlich ärmlich. Wer bietet mehr?

Blick nach draußen: blauer Himmel. Warm soll’s werden, ab morgen heiß mit Gewittern (und ich mit dem Rad unterwegs, uiuiui). Grillwetter. Vielleicht nehme ich den “Brät Pitt” in die Montagsthemen. Vielleicht auch den Taksim-Platz im Istanbuler Stadtteil Galata (plus Galatasaray- und Fener-Fans und eigenes Erlebnis auf der  angesagten, quirligen, westmenschenproppenvollen Straße zwischen Taksim und Galata-Turm, den schlagartigen Atmosphärewechsel in den Nebensträßchen und die komplett andere, sehr islamische Szenerie in anderen Stadtteilen). Oder meine Primzahlen-Assoziation von der Goldbach-Vermutung zur Zikadenschwemme in den USA – mal sehen. Ganz sicher dabei: “einschläfernde” Sportart / Zabel-Interview / Osieck und der Frauenspruch / Gender, die angeborene Intelligenz und die starken Mädchen, die uns am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Vielleicht wird aber alles … ganz anders. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle