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Ohne weitere Worte (vom 11. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Jahrhundertflut! Ach was: Jahrtausendflut! Und das nach der Jahrtausendsaison des FC Bayern! (…) Es ist ein wohliger Schauer, mit dem Deutschland zurzeit das Wirken der Naturgewalten verfolgt und sich mal erschrocken, mal ergriffen und dann wieder fast entzückt darin spiegelt. (…) Lächerlich wird es aber, wenn man sich an der eigenen Mitmenschlichkeit und an der unseres Landes allzu sehr berauscht. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Am Dienstag hat die Stadt Halle an der Saale die Händel-Festspiele abgesagt, die Stadt Leipzig hingegen tut alles, um die Austragung der Ballack-Festspiele zu gewährleisten. Für Michael Ballack dürfte das ein letzter, kleiner Trost sein. Heißt das nicht, dass er bedeutender ist als dieser Händel, der ja offenbar auch kein Schlechter war und vielleicht sogar ein Führungsspieler? (Süddeutsche Zeitung)
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Wilfried Daniels (…) war bis 2009 Leichtathletik-Nationaltrainer in Südafrika, vor acht Jahren hat er Pistorius kennengelernt. »Was mich an Oscar immer beeindruckt hat: sein Selbstvertrauen. Aber die Grenze zwischen Selbstvertrauen und Arroganz ist schmal. Und Oscar hat sie überschritten«, sagt er. »Oscar dachte irgendwann, die Sonne gehe nicht auf, bevor er aus dem Bett steigt.« (Spiegel)
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Wenn ich mal in Frankfurt im Fußballstadion bin und die Leute fragen mich nach einem Autogramm oder Foto, sag’ ich meistens freundlich: Sorry, ich bin hier, um das Spiel zu gucken. Manche Leute verstehen das, aber manche sagen, Mann, ist doch kein Ding, mal ein Bild zu machen. Klar, aber das Problem ist: Wo fängt man an, wo hört man auf? Wenn du mit einem anfängst, kommt die ganze Tribüne, und dann hast du vom Spiel nix.« (Sebastian Vettel im SZ-Interview)
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Philipp Lahm war es dann um 22.54 Uhr vorbehalten, den riesigen Pokal mit den Ohren hochzustemmen. (aus dem Kölner Express, zitiert im Spiegel-»Hohlspiegel«)
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Peter Sloterdijk (…) sprach (…) von einem »Zwischenfall in amerikanischen Hochhäusern«, als wäre irgendwo kurz die Klimaanlage ausgefallen, und buchte den 11. September unter den »schwer wahrnehmbaren Kleinzwischenfällen« ab. (…) Ich finde es unsäglich und unerträglich, dass Sloterdijk am 16. Juni in der Frankfurter Paulskirche mit dem Ludwig-Börne-Preis geehrt wird. (Henryk M. Broder in einem Welt-Essay, warum er seinen Börne-Preis zurückgibt)
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»Ich wollte mich nie verkaufen. (…) Es gibt genug Leute, die braune Nasen vor lauter Arschkriechen gekriegt haben. (Schauspielerin Julie Delpy im Stern-Interview)
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Das Feindbild der meisten Genderforscherinnen sind die Naturwissenschaften. Da ähneln sie den Kreationisten, die Darwin für einen Agenten des Satans und die Bibel für ein historisches Nachschlagewerk halten. (Harald Martenstein im Zeit-Magazin)
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Ist Gott tot oder riecht er nur komisch? (Schlagzeile in der Frankfurter Rundschau zum Black-Sabbath-Comeback)
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Genderforscher glauben, dass »Männer« und »Frauen« nicht eine Idee der Natur sind, sondern eine Art Konvention, ungefähr wie die Mode oder der Herrentag. (…) Sogar hinter die Existenz des Penis – in diesem Punkt bin ich mir bis dahin völlig sicher gewesen – muss im Licht der Genderforschung zumindest ein Fragezeichen gesetzt werden. (Martenstein/Zeit) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle