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DIES & DAS (Anstoß vom 6. Juni)

Was war das bloß für ein seltsamer Abschied? Im großen Rahmen feierlich inszeniert, verlässt Jupp Heynckes den FC Bayern durch ein lorbeerumkränztes Portal und öffnet gleichzeitig sperrangelweit die Hintertür.
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Wann geht er hindurch und wohin? »Wetten, dass er in der Liga bleibt?!«, tönte ich vor Monaten, als die offizielle Bayern-Doktrin verlautbarte, Heynckes ziehe sich so was von freiwillig aufs Altenteil zurück und sei kein bisschen verstimmt über den Guardiola-Hype.
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Damals dachte ich an Leverkusen, nicht als Cheftrainer, sondern als Chef des Trainers. Wohl getäuscht. Bayer ist für Triple-Jupp eine Nummer zu klein geworden. Also: Er bleibt in der Liga. Nur – in welcher?
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Bei Real Madrid … wurde jetzt Präsident Perez im Amt bestätigt. Alte Dankbarkeit. Mit dem Verkauf des Vereinsgeländes zum Mondpreis von 480 Millionen (nebst Teil-Zurückschenkung) hat er Real schon einmal vor der Pleite bewahrt.
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Perez’ Baukonzern ACS verbaute einst viele der 140 Milliarden Euro, die Spanien im Lauf der Jahre von der EU für infrastrukturelle Baumaßnahmen spendiert wurden. 2006 wurden in Spanien mehr Wohnungen gebaut als in Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammen.
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Spanien kriselt schwer, Griechenland beginnt sich zu berappeln. Geheimtipp unter Börsenzockern (Uli, aufgepasst!): griechische Aktien. Mein Spezial-Tipp: Fahrräder. Bomben-Mehrwert zum Herstellungspreis. Drei griechische Gemeinden haben 45 Einfach-Räder gekauft. Preis: 174 000 Euro, pro Rad 3867. Keine Verschwendung, sagt der Bürgermeister. Das Geld kam nicht aus dem eigenen Haushalt, sondern von der EU.
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Über Oscar Pistorius werden hässliche Dinge gesagt und geschrieben. Aber dass er einem überfahrenen Hund den Gnadenschuss gegeben hat, sollte nicht dazu gehören. Wer einmal solch ein zerquetschtes, dem Tod geweihtes Hundewesen gesehen hat, der weiß: Humaneres kann man mit einer Schusswaffe kaum tun.
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Prima Sache, der 3-D-Drucker, meinte ich vor vielen Monaten im Blog (eine der ersten urkundlichen Erwähnungen in Deutschland überhaupt – man gönnt sich ja sonst nix an Eigenlob). Mein Laien-Eindruck damals: Der 3-D-Drucker wird die Welt verändern. Aber sooo?? Dass ein US-Waffennarr weltweit Baupläne im Netz publik macht, mit denen jeder seine funktionsfähige und bei Sicherheitskontrollen nicht auffallende Plastikpistole drucken kann, überstieg selbst meine Fantasie. Die erschöpfte sich in der Frage: Ob der 3-D-Drucker auch Fußballer kann?
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Lügen in Zeiten der Werbung: »Borussia Dortmund ist stolz, mit Turkish Airlines zu fliegen.« Ehrlich wäre: »Turkish Airlines ist stolz, mit Borussia Dortmund zu werben.« – Nebenbei: TA hatte seine Stewardessen angewiesen, sich züchtig zu kleiden und nicht auffällig zu schminken. Nach Kritik, das sei Islamisierung der Luftfahrt, dementierte TA: Alles nicht so gemeint.
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Lange nicht mehr geflippert? Die WM in Echzell geriet zum medialen Ereignis und weckte Erinnerungen an längst verpubertierte Zeiten, als man im Frankfurter Hauptbahnhof absichtlich den Anschlusszug nach Hause zugunsten einer Flipperstube verpasste (und auf dem Weg dorthin in der Kaiserstraße große Augen machte).
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Dass Flippern im Gegensatz zum angesagten Pokern ein echter Leistungssport ist, weiß ich, seit ich nur eine Mark hatte, aber zwei Lateinstunden im Hinterzimmer einer schummrigen Wetzlarer (daher kommt übrigens das »w« von »gw«) Altstadtkneipe verflippern musste.
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Bevor ich nach der großen Pause mit irgendeiner faulen Ausrede zum Unterricht erschien, musste ich um jedes Freispiel wie um mein Leben kämpfen. Die Katastrophe hieß: TILT! TILT TILT (gw)

Baumhausbeichte - Novelle