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Montagsthemen (vom 3. Juni)

Das Triple: Fußballerisch nur der Wurmfortsatz von frühem DM-Titel und einzigartigem CL-Triumph, an Wille, Energie und Konzentration aber eine nicht minder beeindruckende mentale Leistung. Respekt, FC Bayern!
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Aber bitte auch Respekt für andere. Siehe 1,8-Promille-Kalle. Der stellt sogar Brasilien in den Senkel. Dass Dante und Gustavo lieber beim CONFED-Cup spielen als für den FC Bayern im deutschen Pokalfinale, auch weil es Bedingung für ihre WM-Teilnahme ist, das erschließt sich Rummenigge nur durch menschenverachtende brasilianische Gehirnwäsche.
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Oder ist’s gar kreolischer Voodoo-Zauber? Das gleiche Muster wie beim Afrika-Cup: Als würden die Negerchen zu einem wochenlangen Stammestanz in den Dschungel fliegen. Dass der Afrika-Cup als kontinentaler Titelkampf mit der Fußball-EM auf einer Stufe steht und der CONFED-Cup für Brasilien als WM-Generalprobe genauso wichtig ist, will diesem dünkelhaften Rassismus auf Kolonialherrenart nicht in den weißen Kopf hinein.
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Sogar Hoeneß lässt trotz all seiner Agonie (wann ist Rücktritt?) wieder den alten Bayern-Uli tönen. Mario Götzes Verpflichtung sei die Erfüllung eines Wunsches des neuen Trainers, hieß es bisher, und so steht es auch in der in Kürze erscheinenden Biografie von Pep Guardiola. Doch Hoeneß verrät nun, dass Neymar der wahre Wunschspieler von Guardiola war, doch habe man wegen einschlägiger Erfahrungen (siehe Brand-Breno) abgelehnt und stattdessen mal kurz Götze als Ersatz verpflichtet.
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Sauber! Dreien auf einen Streich einen mitgegeben. Brasilien: Eure jungen Kicker machen nur Probleme. Barcelona: Den Neymar wollten wir nicht, den könnt ihr haben. BVB: Euer Super-Götze ist nur unsere zweite Wahl.
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Und Guardiola? Wird er Bayerns neuer Klinsmann? Was wird Hoeneß, wenn er dann noch etwas sagt, zu seinem Abschied sagen? Ähnliches wie zu Klinsmann? Komparistik-Professor und Sportfan Hans-Ulrich Gumbrecht in der »Zeit«: Nicht auszuschließen, »dass Guardiola nur in seinem Ursprungskontext funktionieren kann – was ihn zu einem potenziell neuen ›Fall Klinsmann‹ für die Bayern macht«. – Oder sollte man schreiben: »Für die Bayern-Macht«?
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Heute beginnt die sportliche Zukunft, die vorerst fußballlose. Keine Wehmut bitte. Kein trauriger Blick zurück auf diese glorreiche deutsche Fußball-Saison.
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In einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen: Wer stehend mit verbundenen Augen an die Zukunft denkt, neigt den Körper dabei leicht nach vorne.
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Warum, weiß die Studie nicht. Aber ich. Ein Pessimist beugt sich aus Angst vor dem befürchteten Gegenwind. Ein Optimist, weil er’s kaum erwarten kann. Der Zukunft zugewandt!
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Ja, ich weiß, die alte Becher-Hymne. Doch singen wir sie nicht alle nach diesem spätherbstlichen Frühling? Schließlich hofft selbst die neoliberalste kapitalistische Heuschrecke, in diesen Tagen inbrünstig zirpend, »dass die Sonne schön wie nie / über Deutschland scheint«. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle