Archiv für Juni 2013

Sonntag, 30. Juni, 18.25 Uhr

Auf einer neuen, thronartigen Bank (Stifter-Inschrift: „Für Heidi“) auf einem Hügel oberhalb von Altenothe im tiefsten, nein höchsten Bergischen Wald die „Montagsthemen“ endbearbeitet. Hatte viel Zeit. Der Ausdruck sah danach aus wie ein korrigierter Schüleraufsatz mit Note sechs. Bin dennoch sicher, dass ich bei einer weiteren Korrektur-Runde noch ein paar Fehler finden oder stilistische Änderungen versuchen würde. So ist’s immer, und mindestens einmal, wenn ich das Geschriebene tags darauf im Blatt lese, schreie ich: o nein, so ein Scheiß! Der steht nun schon online. Wer blöde Fehler findet: Bitte melden! Dann kann ich’s fürs Blatt noch korrigieren.

Während die zwei- und vierbeinige Restfamilie ihren Pflichten nachging, konnte ich noch einen Stapel herausgerissener Zeitungsartikel sichten, die für Materialsammlung und/oder „Ohne weitere Worte“ in Betracht kommen könnten. Dabei die Idee: Die OWW-Kolumne könnte ich diesmal als Tour extra zusammenstellen. Ein wunderbarer Artikel von Helmer Boelsen in der FAZ, ein starkes Interview mit Rolf Aldag in der FAS, und zum Ärgern „Ralf Husmann schreibt Lance Armstrong ein Grußwort zur 100. Tour de France“ im „Kultur-Spiegel“. Husmann, ein „Stromberg“-Drehbuchautor, ätzt auf die üblich böswitzige Art. Wahrscheinlich suche ich jeweils zwei Zitate raus, und zum letzten  von Boelsen, der mir aus dem Sportlerherzen schreibt (Jan Ullrich gehört in die Hall of Fame), forsche ich dann noch im Archiv, da ich glaube, schon mal  haargenau das Gleiche geschrieben zu haben.

Und wieder das mysteriöse Denkmal oben auf dem Berg: „In stillem Gedenken den Opfern der Zeit“. Sind wir nicht alle …?

Veröffentlicht von gw am 30. Juni 2013 .
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Sonntag, 30. Juni, 6.25 Uhr

Draußen hell, sonnig. Durchbruch des Sommers? Meldungen der Nacht nicht umwerfend. Unter den sportlichen am hessisch interessantesten: Halil Altintop kündigt seinen Vertrag bei Trabzon. Mensch, Junge, komm doch zurück zur Eintracht! Verletzungs-Bulletin des Pechvogels Tony Martin: „Tiefe Schnittwunde am Ellenbogen, die fast bis auf den Muskel geht. Gehirnerschütterung, Quetschung des linken Lungenflügels sowie diverse Prellungen und Abschürfungen.“ Dennoch will er heute an den Start gehen. „Gehen“? Rollen? Gerollt werden?

Marcel Kittels Coup könnte kurz die Montagsthemen einleiten, dann ein bisschen was über unterschiedliche Transfers, zum Schluss die sportliche Leistung einer Marathon-Rednerin. Wohl nichts über die Brustmuskelzerrung von David Storl: zu speziell. Der Brustmuskel (pectoralis maior) ist der vielleicht heilungssensibelste Muskel eines Werfers. Dazu der etwas enttäuschende Auftakt und das Munkeln von Insidern über Storls Einstellung und Verhalten – das Sensations-Talent steht vor einem entscheidenden Punkt seiner Laufbahn. Hoffentlich kein Wendepunkt, wie ihn der viel jüngere Jacko Gill schon hinter sich zu haben scheint. Von ihm hört und liest und sieht man gar nichts mehr. Zuletzt 21,43 mit der Jugendkugel, was schon viel fassbarer klingt als seine früheren Fast-25-Meter-Weiten mit der Fünfer. Aber eben: zu speziell für die Montagsthemen.

Ein echter Hammer, gestern in der Frankfurter Rundschau gelesen: Das berühmte Foto vom Ende des 2. Weltkrieges mit dem heulenden Jungen in der zu großen Wehrmachtsuniform soll in Rechtenbach gemacht worden sein. In Rechtenbach! Zwischen Gießen und Wetzlar, mitten im mittelhessischen Handball-Gebiet, jeweils am Rande der Verbreitungsgebiete von unserer Gießener Allgemeinen und unserer Wetterauer Zeitung und der Wetzlarer Neuen Zeitung, für die ich als Jugendlicher die ersten Sportberichte schrieb. Dort und bei uns steht nichts davon. Schöner Coup der FR. Der Junge auf dem Foto hieß Hans-Georg Henke, machte später in der DDR Karriere und verlegte, wohl aus Staatsräsongründen, die Aufnahme in die Ostzone/SBZ/“DDR“ (die drei West-Schreibweisen der DDR).

Montagsthemen werden heute erst spät geschrieben. Zuvor der Ritt über die Sauerlandlinie.

 

Veröffentlicht von gw am 30. Juni 2013 .
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Freitag, 28. Juni, 22.35 Uhr

Paul-Ulrich Lenz, in Schotten wohnender Pfarrer und langjähriger „Anstoß“-Leser, schreibt seit kurzem einen Blog, der es in sich hat. Mehr dazu in der „Mailbox“.

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Freitag, 28. Juni, 15.05 Uhr

Doppelschlag mit Pipi und Ping-Pong: „Sport-Stammtisch“ und „Nach-Lese“. Online unter „gw-Beiträge Anstoß“ und „gw-Beiträge Kultur“. Danke auch für freundliche Mails, die – ich glaube, das ist bekannt – längst nicht alle in die „Mailbox“ sollen bzw. wollen. Dank zum Beispiel an Walther Roeber, der mir nach meinem Lamento mit dem aufgeblähten Bildschirm, aus dem ich nicht mehr herauskam, die Zaubertaste mailte: F11.

Während ich die Kolumne schrieb, lief die Meldung vom Armstrong-Interview ein, dass man ungedopt die Tour nicht gewinnen könne. Wasser auf meine Mühlen? Nein: Quatsch. Hämische Realisten und frömmlerische Hexenjäger gleichermaßen neigen dazu, Armstrongs Aussage aus unterschiedlichen Gründen spontan zu bestätigen. Wendige Sportpolitiker dagegen bestreiten es im Brustton selbstgerechter Empörung. Aber alle nur, weil sie in ihrem eindimensionalen Doping-Denken feststecken. Kaum jemand geht nüchtern, logisch und dennoch kreativ an die Sache heran: Armstrongs Aussage ist logischer Quatsch, weil: Wenn niemand dopen würde, gewänne ein Ungedopter. Dass niemand dopt, ist aber unrealistisch, solange die bestehenden Dopingregeln und die bestehenden Kontrollmechanismen nicht bzw. nur zufällig greifen, so dass, was am schlimmsten ist, bei X Prozent gedopter und Y Prozent ungedopter Sportler niemand mehr die sportliche Leistung einschätzen und beurteilen kann (anders als im hundertprozentigen Anabolika-Zeitalter um 1980 und im hundertprozentigen Epo-Zeitalter um 2000, als immer die Besten siegten und Jan Ullrichs Spruch, niemanden betrogen zu haben, die reine Wahrheit war). Über Doping wird viel schwadroniert, weil kaum jemand die Kerndefinition (Doping ist, was auf der Dopingliste steht) verinnerlicht hat. Dabei ist dieser nur scheinbar primitive Ansatz der einzige Hebel, um das Problem in der real existierenden Welt zu lösen (also auf den Prozentsatz von, sagen wir, räuberischen Überfall zu senken). Es wird leider übersehen, oder man will übersehen, dass Doping „nur“ ein Regelkonstrukt ist wie die Fehlstartregel, die Dreiversucheregel, die Festlegung der Wurfgewichte, die Torhöhen und -breiten usw., Hilfsmaßnahmen also, die den Leistungsvergleich ermöglichen und ohne die es diesen und damit den gesamten Leistungssport nicht gäbe. Alle Wettkampfbestimmungen, inklusive der Unterabteilung Dopingregeln, müssen aber exakt definiert und das Übertreten der Regeln eindeutig und schnell feststellbar sein (z.B. beim Fehlstart). Das aber ist die Crux bei den Dopingregeln, was zu dem absurden Theater führt, dass die Siegerlisten von Olympia 2004 in Athen Jahr für neu geschrieben werden müssen. Dass dies geändert werden könnte und wie, habe ich schon des öfteren darzulegen versucht, in größerem Umfang in einem Dreiteiler im Jahr 2006 („Nicht der Doper ist pervers, sondern die Welt, in der er lebt“). Falls gewünscht, stelle ich ihn demnächst mal in den Blog. Und das heute nur so Dahingeschriebene arbeite ich vielleicht in die kommenden „Montagsthemen“ ein. Ma gucke. Bis dann.

Nachtrag 17.15 Uhr:

Aktuelle Berichtigung der Agenturen: Im Interview sei unterschlagen worden, dass Armstrong „zu seiner Zeit“ gesagt habe. Dagegen ist natürlich vernünftig nichts einzuwenden.

Veröffentlicht von gw am 28. Juni 2013 .
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Sonntag, 23. Juni, 6.10 Uhr

Eine Viertelstunde gebraucht, um aus dem Modus rauszukommen, in den mich wieder ein Fehltipp gebracht hat: Bildschirmbild plötzlich komplett ausgefüllt, ohne Leiste oben, mit der ich navigieren kann. Hin und her probiert, plötzlich ging’s wieder, und ich weiß nicht warum. Ich weiß aber: Wenn es wieder passiert, und es wird wieder passieren, werde ich genauso hilflos mit rechter und linker Maustaste herumfuhrwerken. Ich weiß auch: Diese Probleme hat weder ein Senior nach der ersten Einführung noch ein Kleinkind. Das kriegt es sogar ohne Einführung hin. Beziehungsweise tatscht erst gar nicht daneben.

Meldungen der Nacht: Nichts annähend Erwähnenswertes. CDU stellt Wahlprogramm vor, SPD meckert, zu Recht, wie auch CDU gemeckert hat, als die SPD ihr Wahlprogramm vorgestellt hat. Dazu die Wahlprogramme von Grünen, FDP und Linken: Zusammen kosten sie mehr als alle Rettungsschirme, jeder weiß, dass es Wahlversprechen sind, die niemand ernst nehmen muss. Und als Alternative gibt es nur die gleichnamige der schlauschlauen Professoren, die so gar nicht weise wirken, sondern nur naseweis. Gerade gelesen, dass ihr Initiator sie ursprünglich „Adieu“ nennen wollte, aber damit nicht durchkam. Schade. Der Name passt besser, sie sind keine Alternative, sondern Professoren Seltsam, die ihr Euro-Bömbchen lieben und nach der Wahl Adieu sagen bzw. gesagt kriegen, möglicherweise aber erst, nachdem sie sie entschieden haben.

Gestern wieder ein Tag ohne Lesetätigkeit (Warum ist es am Rhein so schön? Die Familie weiß es, die Hunde auch. Der Muppet-Grantler … ). Folgendes ist aufgelaufen und muss lesend abgearbeitet werden: Einige Spiegel-Artikel (z.B. Interview mit Klima-Storch), Zeit-Magazin (nicht mal Martenstein ist gelesen), komplette Samstags-Süddeutsche, dazu die vorausgewählten und rausgerissenen Artikel der Woche: Veronica Campbell-Brown (SZ), Behrenbruch (SZ und FAZ), Interview mit brasilianischem Sportjournalisten (SZ), Meineidsprozess gegen finnische Langläufer (SZ), Ashton-Eaton-Artikel (FAZ), Jan-Ullrich-Riemen (FAZ), Steinbrecher-Interview (FAZ), Interview mit RTL-Programmchef (SZ), Ulrich Enzensberger/RAF (Welt), Wehrmacht-Feldwebel als Juden-Retter (Seite 3 der SZ), Brasilien (Seite 3 der SZ), Interview mit Suchtmediziner (SZ), Obama/Merkel (Seite 3 SZ), Mitschuld bei Unfall, weil keinen Radhelm getragen? (SZ), Die irre Liebe der Deutschen zur Natur (Welt, will ich besonders aufmerksam lesen und nachschauen, was ich selbst darüber schon mal geschrieben habe, Mittelalter, italienische Städte usw.), die komplette Literarische Welt (Welt) … das war’s. Oh, gar nichts von der FR dabei? Auch ein Indiz. Zu verwenden gegen die FR. Oder gegen mich.

Und gleich kommt noch die Sonntags-FAZ, mittlerweile meine Lieblingszeitung. Womit beginnen? Schau ich mal. Montagsthemen sind auch noch sehr vage (Ullrich, Brasilien, Balotelli, Cäsar, 100 m Hürden, Sommerserie, Transfer, Primzahlen, Achselschweiß). Und irgendwann und irgendwo muss ich auch noch die beiden Leser aus Gießen unterbringen, die bei „Wer bin ich?“ als einzige mit echter Postkarte (und richtig) abgestimmt haben, die aber zu spät bei mir eintrafen (unsere, nicht ihre Schuld). Auf geht’s. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 23. Juni 2013 .
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