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Helga Reuhl: Als Fußball noch ein Spiel war

Seit meiner Kindheit (ist schon lange her) und auch heute noch bin ich ein Fußballfan. Mein Vater und ich waren absolute Schalke-Fans, obwohl zumindest ich nicht wusste, wo Schalke denn überhaupt lag. War ja auch kein Wunder, wenn man in Breslau groß geworden ist!
Damals war Fußball noch ein “Spiel”, bei dem 22 begeisterte junge Männer einem Ball nachliefen und meist eine Mannschaft gewann! Fußball begleitet mein Leben mehr oder weniger. Mein Mann spielte Fußball und ich war eine Weile Vorsitzende eines Fußballvereins in einem kleinen Ort im Kreis Gießen. Geld spielte keine große Rolle, denn man spielte hauptsächlich für die Ehre, für sein Dorf spielen zu dürfen. Benötigte der Tormann ein Paar neue Handschuhe, musste ich das als 1. Vorsitzende genehmigen. Das waren noch Zeiten! Heute sind Fußballspieler Sklaven, die verkauft werden für Beträge, von denen ich kaum weiß, wie viele Nullen sie hinter dem Komma haben!
Das schlimmste aber sind die Artikel in der Zeitung (egal welche). Heute wäre mir beim Lesen beinahe die Galle hoch gekommen (ich habe aber zum Glück keine mehr). Der Titel auf Seite 13 Ihrer Zeitung lautete: “Wer stoppt den “kippenden Schweini”? Mein Gott, was für ein Schwachsinn! (wie der ganze Artikel). Das musste ich mal los werden.
Inzwischen bin ich 87 Jahre alt, Ehrenmitglied meines Sportvereins und eifriger Leser Ihrer Kolumne. (Eigentlich lese ich sie immer).
Ich freue mich (trotz allem!) auf das Spiel heute Abend und hoffe, vor lauter Aufregung keinen Herzinfarkt zu bekommen. (Helga Reuhl/Grünberg)

Baumhausbeichte - Novelle