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Montagsthemen (vom 21. Mai)

Dass Pfingsten nicht gut anpfing, diese Kalauertradition habe ich vor einem Jahr für beendet erklärt. Und diesmal fing Fingsten ja auch sehr gut an. Eintracht! Fest halte ich aber als Schreibwerktätiger an der Tradition, diese Kolumne an Ostern und Pfingsten auch dienstags Montagsthemen zu nennen. Schließlich leisten sich Fußwerktätige ebenfalls ihre Montagsstücke, mitunter an jedem Tag.
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»Als Montagsstück werden Werkstücke verstanden, die durch zumeist mehrere nicht erkennbar miteinander zusammenhängende Produktionsfehler auffallen« (Wikipedia).
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Am Samstag leistete sich Borussia Dortmund, wieder einmal, solch ein Montagsstück und bewies gleichzeitig die Chaostheorie: Eine verstolperte Chance im fremden Strafraum, noch eine, noch eine, noch eine; dazu ein und noch ein Verhakeln im eigenen Sechzehner – und schon wirbelt ein Tornado Hoppenheim nicht hinab in Liga zwei, sondern weckt Scheintote auf.
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Bei Montagsstücken haben »die Abläufe noch nicht wieder ihre gewohnte Routine, so dass die Genauigkeit der Arbeit leidet.« Genau. Im “Sport-Stammtisch” habe ich über die »zerbrechliche Beschwingtheit« geunkt, und schon spielte der BVB, als wolle er mich bestätigen. Und der FCB so, als wolle er seine Unzerbrechlichkeit beweisen.
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Gäbe es Hin- und Rückspiel, würde kaum jemand einen Cent auf Dortmund setzen. Aber in einem einzigen Spiel ist alles möglich (Binse, aber wahr). Weiterer Trost für den BVB: Dass man als Borussia drei Tore gegen scheinbar Unzerbrechliche schießen kann.
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Mats Hummels – idealtypischer Vertreter der praktizierten Dortmunder Chaos-Theorie. In seinen besten Momenten einer wie Beckenbauer, säbelt er in schlechten dappisch am Ball vorbei und den Gegenspieler um, leitet eine absurde Niederlage ein und verletzt sich umknickend so schwer, dass er seinen und des BVB größten Tag gefährdet.
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Chaos-Theorie: Als ihr Erfinder, Edward N. Lorenz, sie vor einem halben Jahrhundert vorstellte, wusste er noch keinen griffigen Vergleich. Erst als ein Zuhörer anmerkte, das sei ja, als ob der Flügelschlag einer Möwe eine ganze Wetterkonstellation ändern könne, machte es bei Lorenz »Klick«, er setzte mit einem Schmetterling der Möwe noch einen drauf, und schon wurde die Chaos-Theorie zum buchstäblich geflügelten Wort: Der Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas kann einen Wirbelsturm über Texas auslösen.
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In welches Sauwetter Uli Hoeneß geraten ist, nachdem sich seine Reputation fast in Helmut-Schmidt-Altheldenverklärung klimaschöngewandelt hatte, um das hinzukriegen, mussten sehr, sehr viele Millionen Schweizer Schmetterlinge ganz heftig mit den Flügeln schlagen.
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Oder? Ist alles nur ein Fake? Ein abgekartetes Spiel mit Wolfgang Schäuble, dem Bayern-Fan? Hat Hoeneß schon das Bundesverdienstkreuz? Wenn nicht, sollte er es schleunigst bekommen. Denn seit Bekanntwerden seines Falles ertrinken Anwälte und Steuerbehörden in spontanen Selbstanzeigen, die hunderte Millionen in die Steuerkassen spülen.
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Auch den Topfirmen im Bayern-Aufsichtsrat geschieht Unrecht. Sie verstießen, heißt es, durch ihr 8:0-Votum pro Hoeneß gegen die in den eigenen Unternehmen rigoros durchgezogene Compliance. Stimmt nicht. Um das Wort zu kennen, muss man kein Englisch können, sondern nur »Komplizenschaft« so zusammennuscheln wie manche Redner die »Bundesplik«. Und schon stimmen Wort und Tat überein.
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Zurück zum Fußball. Wie schön, dass Augsburg sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel gezogen hat. Weniger schön: Der dadurch begonnene unaufhaltsame Vormarsch des Islamismus in Norddeutschland. Bekanntlich verspricht der Koran 72 Jungfrauen als Paradiespämie, »großäugige Houris mit schwellenden Brüsten«. Nachdem Augsburgs Präsident angekündigt hat, im Falle eines Sieges über Düsseldorf 20 Jungfrauen nach Hannover zu schicken, fehlen dort nur noch 52 Jungfrauen zum Paradies. Ich hab’s ja gewusst: Hannover leuchtet! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle