Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (vom 14. Mai)

»Bei Arsenal ist auch das Training abgeschirmt. (…) In Köln habe ich mein Auto geparkt und erst mal 500 Autogramme geschrieben. Dann haben 1000 Leute jeden Schuss kommentiert. Das war nicht für jeden Spieler leistungsfördernd. Wenn bei einem Automechaniker jeden Tag zwanzig Leute in der Werkstatt stehen und sagen ›Ey, die Schraube muss aber da rein‹, ist der auch irgendwann genervt.« (Lukas Podolski in der Zeit)
*
Natürlich hatten auch die Spanier herausgefunden (…), dass die deutschen Fußballer keine Panzer mehr seien – »sondern Porsches«, wie das Blatt El Pais notierte. (Spiegel)
*
Rummenigge (…) hat dieser Tage angekündigt, »mit einem Schuss Demut« ins Champions-League-Endspiel gegen Dortmund zu gehen. Womöglich hat er Demut gesagt und Demütigung gemeint. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
*
»Theoretisch gesprochen, gilt Sammer als konstruktiv verbissener Aggressionstyp. Dieser Typ ist auf den Sieg fixiert, er ist darauf angelegt, Respekt durch Angsterzeugung zu fördern. In Sammer steckt ein Stachel der Verantwortung, der ihn treibt und ihn dazu bringt, jeden wie eine Sau durchs Dorf zu treiben.« (Prof. Jens Weidner, Erziehungswissenschaftler, im Interview der Frankf. Allg. Sonntagszeitung)
*
Glatzkopf an Designerbrille zeterten sie sich vor großem Publikum an, als ginge es um existentielle Dinge wie das Lieblingsförmchen im Sandkasten. (Süddeutsche Zeitung zur Szene Sammer vs. Klopp)
*
»Ich schaue viel Fußball im TV – allerdings immer ohne Ton. Es wird mir einfach vieles total übertrieben dargestellt. Wenn ich früher aus drei, vier Metern einen Ball auf den Mann bekommen habe, war das normal. (…) Heute jubeln die Reporter: ›Weltklasse!‹” (Ex-Nationaltorwart Norbert Nigbur im Kicker-Interview)
*
Natürlich will keiner der großen Geschäftspartner die Verbindung mit dem deutschen Vorzeigeklub gefährden. Sie positionieren sich dabei bereits für den Übergang von den Hoeneß-Bayern zu den Ohne-Hoeneß-Bayern. Weil aber noch niemand weiß, wie man diesen Übergang ohne größeren Schaden hinbekommt, vertagte man ihn eben. (Frankfurter Allgemeine Zeitung über die 8:0-Abstimmung im Aufsichtsrat)
*
Die Auswertung von Festplatten und Steuer-CDs ist, auch bei fragwürdiger Herkunft, ein Akt der Notwehr gegen parasitären Reichtum. (Süddeutsche Zeitung)
*
»Heidi Klum ist Gesicht und Seele einer kaltherzigen, ekelerregenden Produktion. Niemand braucht sich entsetzt zu fragen, wie Mobbing auf Schulhöfe oder ins Netz gelangt. Frau Klum ist die Trainerin in Gehässigkeit und Herablassung.« (Cordula Stratmann, früher Familientherapeutin, im SZ-Ressort »Geld«)
*
Sind Sie eigentlich ein politischer Mensch? Treiben Sie Menschheitsprobleme wie die Erderwärmung um? – “(…) Die Erderwärmung bekämpfe ich mit der Klimaanlage. (…) Ein paar solcher Nichtsnutze muss unsere Solidargemeinschaft aushalten, dafür achte ich im Gegenzug peinlichst darauf, meinen finanziellen Beitrag zu ihrem Erhalt zu leisten.« (»Fragen Sie Thomas Gottschalk« in der FAS)
*
Der Mount Everest wurde heute wegen Überfüllung geschlossen. (…) Die Kletterer atmen sich gegenseitig die sowieso schon sehr dünne Luft weg. (…) Problematisch sind auch die vielen Rekordjäger, der älteste und der dickste Kletterer sind gerade unterwegs, der laktoseintoleranteste hat gestern den Gipfel erreicht. (»Zippert zappt« in der Welt)
*
Ich möchte nicht mehr die winterweißen Füße von Männern in Flip-Flops sehen. Vorgestern pellten sie wieder ihre Mauken aus. Wie albinotische Lemminge watschelten sie zu Tausenden durch die Stadt. Widerlich! Ich will das nicht sehen! (Michael Herl in der FR- »Kolumne«)
*
Auch ich kenne alte Männer, neben denen man nicht Platz nehmen sollte (…), nicht mal in der Oper, was nicht der Ort ist, wo sich Penner treffen, aber doch Männer eingelassen werden, die in hanseatischem Zwirn Körper ausführen, die olfaktorisch in klebrige Einfahrten öffentlicher Garagen gehören. (Susanne Mayer in ihrer Zeit-Kolumne »Männer!«) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle