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Sonntag, 12. Mai, 6.25 Uhr

Draußen nur Kännchen? Kannen! Wie aus Kannen gießt es. An solch einem Tag bleibt man gerne im Bett. Oder wie ich am Computer. Hat der Regen etwas damit zu tun, dass ich viel schneller schreibe (obwohl genauso schnell bzw. langsam mit meinen flinken zwei Fingern wie immer), als der Computer die getippten Buchstaben auf die Reihe bringen kann? Einen Satz geschrieben, aufgeblickt, und auf dem Bildschirm materialisiert sich erst das zweite oder dritte Wort. Nervt.
Ist mein Computer schuld oder der Tunnel in die Redaktion? Das Problem jedenfalls kenne ich, ist meistens ein Alarmsignal, dass alles in die Knie geht. “Neu laden” heißt das Zauberwort. Ich mach’s heute anders, schreibe nur einen kurzen Blog und gehe dann an die “haptische” Arbeit (“haptisch” war auf dem Weg zu einem Modewort, muss sich dann aber in eine Sackgasse verirrt haben, es taucht jedenfalls kaum noch auf) mit Zeitungen, Zeitungsausschnitten, Notizen, Wer-bin-ich?-Auswertung usw. … ha, beim Blick auf dem Bildschirm: Das System hat sich selbst geheilt, beim Aufblicken sehe ich wieder den letzten Buchstaben des zuletzt geschriebenen Wortes.
Also weiter ohne Kniegang-Angst. Zwei-Finger-System: Damit bin ich zwar nach jahrzehntelangem Training schneller als mancher SMS-Profi auf dem Handy, doch dass Zwei-Finger-Hacken mit starrem Blick auf die Tastatur hat einen blöden Nachteil: Manchmal blicke ich auf und sehe, dass alles seit dem letzten AUFBLICKEN IN gRO?- UND kLEINSCHREIBUNG AUF DEM bILDSCHIRM STEHT; WEIL ICH WOHL VERSEHENTLICH NEBEN DAS a GETIPPT HABE:
So, umgeschaltet. Frage an meine Leser, von denen erfahrungsgemäß immer mindestens einer weiß, was ich nicht weiß, aber wissen möchte: In diesem Jahr, beginnend schon im Winter, wurde überall in der Landschaft, vorwiegend neben Straßen und an Bachläufen, kilometerlang alles abgeholzt, was viele Jahre gewachsen war. Also nicht die übliche jährliche Gebüschwucherungswegrodung … oh, schönes Wort, gefällt mir, kam aus der Lameng, dafür will ich einen Preis … sondern eine Totalflächenoperation, die nur alle etwa zwei Jahrzehnte in dieser Radikalität möglich ist. Wie kommt’s? Ist es das, eine lagzeitturnusgemäße Ordnungsmaßnahme, oder, da es fast immer gemeindliche, städtische oder Bundes- und Landesflächen sind, eine radikale Ad-hoc-Maßnahme, um mal schnell mit Biomasse ein paar Zusatzeuros zu machen? Als fixer Redakteur findet man das schnell heraus, aber ich bin weder fix noch noch Redakteur. Außerdem habe ich meine Leser, oder?
In den Meldungen der Nacht finde ich nichts hier Erwähnenswertes, das heißt nichts, was so wenig erwähnenswert ist und dennoch vermeldet wird, dass ich es zum Besten geben kann. “Etwas zum Besten geben” – wer so etwas sagt oder schreibt, sagt und schreibt auch etwas über sein Geburtsdatum. Und das ist so früh, dass der Klick in die Online-Nachrichten nur ratlos macht: “Nina Dobrev und Ian Somerhalder trennen sich”. Mit Ausschlussverfahren käme ich der Sache näher (keine Sportler, die Namen würde ich kennen; keine Politiker; keine Schriftsteller; keine Rock- oder Popstars früherer Jahre usw.), aber will ich wissen, wer das ist? Gegoogelt wär’s blitzschnell. Soll ich? Nee, zu uninteressant.
Zu googeln war die Wer-bin-ich?-Lösung nicht. Boris Becker ist übrigens voll daneben. Also, wie man’s nimmt, ist ja doppeldeutig. Daher ergänzt: Boris Becker wurde am häufigsten getippt, ist aber knapp daneben. Sechs Richtige! Nicht im Lotto, sondern bei WBI. Mehr dazu in den nächsten Tagen.

Baumhausbeichte - Novelle