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Sport-Stammtisch (vom 11. Mai)

Hoeneß und die Steuerhinterziehung, Borussia und die Bayern … spielen bei uns heute keine Rolle. Weil: Zur Sache selbst gibt es in beiden Fällen frühestens heute in zwei Wochen Neues zu berichten.
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Aber die Eintracht! Macht sie Europa klar, schon heute? Ich hab’s ja gewusst: »Diese Eintracht scheint sich zu einer hoffnungsvollen Mannschaft zu entwickeln, in der Filigranes und Brachiales ›funkelnd‹ harmonisieren könnten. Zwei Namen für ein Team: Meier und Kweuke.« – »Funke(lnd)« verrät: Das ist ein alter »Anstoß«-Hut, von 2009. Gut Ding (Meier!) will Weile haben.
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Kweuke? Wer ist das? Vorname Leonard, und in dieser Woche tauchte er aus der Versenkung auf: Leider unrühmlich. Er spielt jetzt bei Sparta Prag, das heißt, vorerst nicht mehr, denn nachdem er – mein »Brachiales« überinterpretierend – einem Gegenspieler Schien- und Wadenbein gebrochen hat, wurde er zur tschechischen Rekordstrafe von zwölf Spielen Sperre verurteilt.
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Kweuke, Typ aufgepumpter Yeboah, wurde der Eintracht damals von Werner Lorant mit den Worten aufs Auge gedrückt, er sei dreimal so gut wie Amanatidis und bald besser als Gomez und Podolski.
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Alte hessische Geschichten. Noch ein paar Jährchen älter ist der Fund, den Archäologen soeben entdeckten: »Julius Cäsar kam wohl schon bis Hessen«, lese ich in der »Welt«. Falsch, ganz falsch! Cäsar kam nicht SCHON bis Hessen, sondern NUR bis Hessen! An sturen Hessenschädeln holte er sich eine blutige Nase. Erst später ließen wir die Römer freiwillig rein, mussten dann aber einen Limes bauen, weil zu viele ins schöne Hessenland emigrieren wollten. So war’s gewesen. Oder so ähnlich.
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Auch Thomas Bach will rein, und da er ein vorsichtiger, gewiefter Mann ist, ein Taktierer vor dem Herrn, werden sie ihn wohl reinlassen ins Amt des IOC-Präsidenten. Gegner hat er fast nur im eigenen Land, auf höherer Medienebene zwischen SZ und FAZ, aber die haben kein Stimmrecht, und was ihm von dort ans Bein gepieselt werden könnte, hat er längst einkalkuliert und als ungefährlich abgeheftet.
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Nicht rein kommt Claudia Kohde-Kilsch. Oskar Lafontaine wollte die Ex-Tennisspielerin in den Bundestag hieven, doch die Linke verweigerte ihm die Gefolgschaft. Wieder eine Niederlage für die niederlagenerprobte Kohde-Kilsch. Steffi Graf unterstellte sie einmal, nach Einzel-Gold 1988 in Seoul anschließend im olympischen Doppelfinale absichtlich schlecht gespielt zu haben, damit sie, Claudia, nicht ebenfalls eine Goldmedaille bekäme. Auch Lafontaine hat schlecht gespielt. Aber nicht absichtlich. Sondern: verzockt.
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Ob sich auch Hans-Michael Holczer verzockt? Urteil abwarten. Er wehrt sich empört gegen die Behauptungen, im Betrugsprozess gegen Radprofi Schumacher den Unwissenden nur zu spielen. Wenn man sieht, welchen Teams Holczer vorstand und die Dopingfälle kennt, in die sie verwickelt waren, dann mag es dennoch möglich sein, nichts von alledem gewusst zu haben. Warum sollte es nicht einen noch reineren Toren geben als Parsifal?
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Während des parallel gelaufenen Fuentes-Prozesses las ich den Heinz-Strunk-Bestseller »Fleisch ist mein Gemüse«. Im Prozess ging es um Eigenblutaufbereitung, und dass dies nur im Sport ein Delikt ist, wusste ich zwar von manchen Promis und Promi-Kurkliniken, aber nicht, dass die gleiche Methode auch gegen hartnäckige Pubertätspickel wirken soll – gegen die kraterartige Akne des Heinz im Roman aber hülfen auch Fuentes’ Blutbeutel nichts.
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»Fleisch ist mein Gemüse« – zwar ein plakativer Spruch, der Titel aber hat mit dem Buch wenig zu tun hat. Dass es als bloßes Gag-Feuerwerk wahrgenommen wurde, macht mich ratlos, denn ich fand es todtraurig. Scherz treibt Strunk, ja, aber vor allem mit dem Entsetzen, dem eigenen.
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Das nennt man schwarzen Humor. Ein Hesse (Matthias Beltz) war darin unübertroffen, ein zugereister Hesse (»Michi« Herl) steht ihm kaum nach. In einer »FR«-Kolumne schreibt er über die Zweijährige, die von ihrem fünfjährigen Bruder erschossen wurde: »Wie konnten Gott und die Eltern nur zulassen, dass sie unbewaffnet war? So hatte die Kleine keine Chance.« – Springender Punkt beim schwarzen Humor: Herls »Scherz« ist reiner Schmerz.
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Springender Punkt? Geht auf Aristoteles zurück, der den pulsierenden kleinen Fleck im Eiweiß beschrieb, aus dem sich das Herz des Huhns entwickelt. Hab ich gelesen, in der »Griechenland-Zeitung«, von der ich auch den Kalenderspruch abkupfere, der für die nächsten Monate gilt: Mina pou then echei ro vane sto krasi nero. Auch meine Übersetzung reimt sich, bei richtiger Betonung: Wenn der Monat hat kein »r«, den Wein dann mische mit Wassèr.
Außer am 25. Mai. Da gibt’s puren Stoff. Fragt sich nur, für wen. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle