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Montagsthemen (vom 6. Mai)

Es ging ja nicht einmal ums Prestige, denn selbst ein krachendes Ergebnis brächte kein solches, wenn es am 25. Mai, dem einzigen echten Prestige-Tag, andersrum kracht. Aber es hat ja nicht gekracht. Nur gekrächelt zwischen Klopp und Sammer, der einiges von der Sympathie absorbiert, die sich Heynckes und seine Spieler in dieser Saison redlich und glanzvoll verdient haben.
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Aufschlüsse für das Finale kann es also keine geben. Oder doch? Auch bei den besseren B-Teams schimmerten Stärken und Schwächen ihrer A-Teams durch. Bayern: Kompakte Dominanz, Bewusstsein des größeren Potenzials, aber gleichzeitig erkennbare Ängstlichkeit vor der Unberechenbarkeit dieses seltsamen Gegners, dem irgendwie alles zuzutrauen ist. Borussia: Zwischen Genie und Wahnsinn, Perfektion und Schlampigkeit, heißem Herzen und permanenter Gefahr, kalt erwischt zu werden.
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Auch Basketball-Uli hat ein heißes Herz und könnte kalt erwischt werden. Muss die deutsche Geschichte um ein zweites Kapitulations-Datum im frühen Mai ergänzt werden? Heute Bayern-Aufsichtsratssitzung. Übermorgen Tag der Befreiung. Nein, schlechter Vergleich. Sehr unterschiedliche Schuhe, keinesfalls ein Paar. Nur Gestrige bestreiten die Befreiung, Heutige ahnen: Wenn Kapitulation, dann erst nach dem 25. Mai.
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Und erst am »35. Mai« reitet Konrad in die Südsee, wissen wir seit Erich Kästner. Jürgen Klopp redet manchmal so verschmitzt wie Kästner schreibt. Als der Boss der Turkish Airlines (neuer BVB-Partner) auf der Pressekonferenz dröhnte, »wir wollen die nächsten hundert Jahre die beste Airline der Welt sein, und ich habe gehört, dass meine Geschäftspartner das gleiche Ziel haben«, reagierte Klopp aus dem Stand: »Ich bin sehr froh, dass wir einen so bescheidenen CEO haben, der nichts weiter als die Weltherrschaft anstrebt.«
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Apropos Klopp: Was dem Beckenbauer sein Berti und dem Klinsmann sein Yogi war, ist dem Kloppo jener Mann neben ihm auf der Bank, der aussieht wie Bayerns Müller-Wohlfahrt in jung und schön, genannt »das Gehirn«: Zeljko Buvac. Ein Name, den man sich schlecht merken kann, den man sich aber merken sollte.
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CEO? Grassierendes Neudeutsch (»Chief Executive Officer«) für Bosse vom Geschäftsführer bis zum Vorstand eines Großunternehmens. In der Politik gibt es keinen CEO, dort heißen sie noch treudeutsch Staatssekretär, Minister oder Fraktionsvorstand, und in der Haut eines von ihnen möchte man nicht stecken: Desjenigen, der dem Focus Hoeneß’ Selbstanzeige gesteckt haben soll. Denn das ist eine Straftat, der Focus kennt nun den straffällig Gewordenen, und da der Informantenschutz zwar zur Pressefreiheit gehört, aber kein Muss, sondern ein Kann ist, liegt das Schicksal eines bayerischen Politikers, wer immer das sein mag, in der Hand des Focus – keine schöne Vorstellung, weder für ihn noch für die Gesellschaft.
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Und sonst? Die Eintracht auf dem Weg nach Europa, immer noch eine ebenso betörende wie seltsame Vorstellung. Alex Meiers Tor zum 3:1: großer Fußball. Ähnlich wie Lewandowskis 3:1 im Real-Hinspiel kein Glückstreffer, sondern reifes Können.
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Das Fuentes-Urteil: Auftrag erfüllt, alle Blutbeutel werden beseitigt, alle Computerdaten gelöscht. Das war der einzige Sinn der Sache. Spaniens Fußball-Asse können durchatmen, es bleibt wie gewohnt alles an den radfahrenden Sündenböcken hängen. Weitere Worte so zweck- wie sinnlos.
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Und wieder eine der üblichen Klitschko-Eventinszenierungen. Sein Gegner – nach dem Lesen einiger Interviews hatte ich dem offenbar angenehmen Kerl wider besseres Wissen die Daumen gedrückt – hat den größten öffentlichen Tag seines Lebens schon hinter sich. Wird er aber verkraften, nach allem, was er im Leben schon verkraften musste.
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Gegen Klitschko hat er immerhin Glück gehabt, denn solche Kämpfe können auch anders enden. Und leider allzu selten schreiben wir den 35. Mai, an dem Konrad – auf seinem schwarzen Pferd Negro Caballo (Kästner! Nie was von Rassismus gehört?) – in die Südsee reitet, wo die Maschinen in der vollautomatischen Stadt Elektropolis falsch gepolt werden und plötzlich aus Milch und Leder wieder lebendige Kühe machen.
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Halten Sie beim Frühstück mal bitte das Ohr an Ihren Milchkaffee wie früher an die mitgebringselte Nordseemuschel oder lauschen Sie Ihrem Ledergürtel. Hören Sie das sanft muhende Flehen? »Lass uns in die Südsee fahren!« Refrain eines Liedes der Gruppe »Abfluss«, dessen Text hier aber viel zu weit geht (ist nachgoogelbar) und sowieso ein ganz anderes Thema ist, das mit Sport nicht mehr allzu viel … Sie wissen schon. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle