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Dienstag, 30. April, 17.40 Uhr

“Nun, ICH habe heute meine (denk-)sportliche Höchstleistung gebracht. Nun ist meine Borussia dran! (Habe mich sehr über Ihre Anstösse der letzten Tage gefreut!) Zittern Sie mit?”, fragt Dr. Joachim Bille. Na klar, und wie. Vorstartfieber. Noch drei Stunden.
Dr. Billes Mail kommt nicht in die Mailbox, weil sie primär sein Lösungsversuch zur Wer-bin-ich-Runde ist. Am Samstag Einsendeschluss für drei Punkte, nächste Woche (falls Anstoß-Platz frei ist; haben wir nicht wieder einen Feiertag?) kommt der Ein-Punkt-Nachschlag, mit sehr kurzfristiger Einsendefrist, und dann kann ich das Rätsel endlich auflösen. Wie mich das schon seit Tagen juckt!
Vor ein paar Tagen Abendessen, zu Hause, vor dem schönen Panorama, das von der Landstraße ins Hinterland durchschnitten wird. Tagüber hat der Frühling fleißig versucht, Versäumtes nachzuholen. Jetzt ist es schon dunkel. Hinten, an der Straße, kurz vor der Kurve in den Wald, leuchtet ein Blaulicht auf. Es blinkt während des Essens und auch noch danach. Ich vermute: kleine Baustelle, Absperrung. Aber warum mit Blaulicht? Gesperrt ist die Straße jedenfalls nicht, normaler Tröpfelverkehr für diese Uhrzeit. Wir sitzen gemütlich hier oben, essen, trinken, schauen in die Gegend, lassen es uns gutgehen.
Am nächsten Tag in der Zeitung: In der Kurve ist ein 23jähriger aus dem Ort mit dem Motorrad verunglückt. Beim Überholen. Tot.
Und wir ließen es uns gutgehen, während um sein Leben gekämpft wurde.
Der Gedanke lässt sich auch Tage danach nicht abschütteln.

Baumhausbeichte - Novelle