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Montagsthemen (vom 29. April)

Die eine B-Elf gewinnt gegen einen Europacup-Bewerber mit 1:0, die andere gegen einen Abstiegs-Kandidaten mit 2:1 – zweimal knapp an Wettbewerbsverzerrung vorbeigeschrammt? Arrogante Unsportlichkeit? Zumindest schlechter Stil? Überhaupt nicht. Denn unrealistisch, ja unsinnig ist die Forderung, bis zum letzten Spieltag mit jeweils bester Elf und höchstem Einsatz anzutreten, auch auf die Gefahr hin, das eigene Ziel zugunsten der Ziele anderer zu gefährden.
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Sportsozialdarwinistischer Neoliberalismus kaltherzigster Ausprägung? Nein. Leistungssport. Beispiel: Olympia-Halbfinale im 800-m-Lauf. Der Erste, der Zweite und vier Zeitschnellste kommen ins Finale. Die beiden Topfavoriten sparen Kraft und spazieren ins Finale. Aus ihrem Lauf kommt keiner außer ihnen weiter. Wären sie an ihre Leistungsgrenze gegangen, hätten in dem dadurch viel schnelleren Rennen vier ihrer Mitläufer ebenfalls das Finale erreicht. Fehlen den beiden dann dort die »Körner« und sie laufen medaillenlos hinterher – wäre das fairness- oder dummheitspreisverdächtig? Eben.
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Wer dennoch Spannung bis zum Schluss garantiert haben will, muss den Modus ändern. Mit Playoffs wie in NBA, NHL oder NFL. Oder wie in Belgiens Fußball-Liga: Dort nehmen die ersten Sechs die Hälfte ihrer Punkte mit in eine Endrunde, in der sie noch zweimal aufeinandertreffen. Auf Deutschland übertragen: Verlören die Bayern und gewännen die Dortmunder ihre letzten drei Spiele, läge der FCB (84 Punkte = 42) nur fünf Punkte vor dem BVB (73 = aufgerundete 37), der sogar noch aus eigener Kraft Meister werden könnte, da er unter anderen auch noch sechs Punkte gegen München holen könnte. – Irre Regel, aber wahr. Real und Barca würden sich freuen, wenn wir sie schon hätten.
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So aber haben die beiden DFB-Klubs Kräfte gespart und Verletzungen vermieden, ein »deutsches« Finale am 25. Mai rückt näher. Aber Vorsicht! Während die Bayern das Finale nur durch eine unrealistisch hohe Niederlage verpassen könnten, käme ein 3:0-Heimsieg von Real schon fast der Normalität nahe. Zumindest jener vor der deutschen 8:1-Gala.
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Nüchtern betrachtet: Das BVB-Risiko, im Halbfinale auszuscheiden, ist ungefähr so groß wie die Chance, das Finale gegen München zu gewinnen. Was wiederum, so Paul Breitner, die kaum steigerbar imposante Bayern-Saison »konterkarieren« würde.
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Stimmt. Dass dann sogar »imposant« bayerisch gesteigert werden müsste, diesen bärtigen Kalauer (»im Po Sand, im …) schenken wir uns. Nicht gesteigert werden kann jedenfalls die Spannung vor den kommenden und hoffentlich historischen Fußball-Tagen. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle