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Sport-Stammtisch (vom 13. April)

Der Optimist sagt: Zum Glück muss kein deutscher Klub ausscheiden. Der Pessimist sagt … nichts. Hab ihm das Wort entzogen.
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Der helle BVB-Wahnsinn vom Dienstag, die kühle Bayern-Pracht am Mittwoch, das deutsch-spanische Halbfinale am Freitag – welch eine Fußball-Woche. Dazu der zweite Wahnsinn (Abseits), der den anderen (Nachspielzeit) erst ermöglichte: Dass der Fußball seine Schiedsrichter künstlich verdummt und so das Spiel verfälschen lässt, indem er ihnen die Video-Hilfe verweigert, ist ein aberwitziger Anachronismus. Aber mein uraltes Thema erwähne ich nur, weil ich in dieser Woche erstmals auch anderswo (in der SZ) »mein« Wort gelesen habe: Video-Hilfe und nicht Video-Beweis.
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Vom Fußball-Wahnsinn zum Doping-Unsinn: In der Berichterstattung über das Verfahren gegen den Radprofi Schumacher ist immer wieder von einem »Doping-Prozess« die Rede und gleichzeitig davon, dass es demnächst ein »Anti-Doping-Gesetz« geben müsse und werde. Ein hübsches Beispiel dafür, wie sich zwei scheinbar gleichartige Behauptungen aushebeln und logisch als Unfug entlarven, denn da es noch kein Anti-Doping-Gesetz gibt, kann das Schumacher-Verfahren auch kein Doping-Prozess sein.
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Einen auf Anti-Doping-Gesetzen beruhenden Doping-Prozess wird es auch nie geben, geben können, geben dürfen, denn das würde bedeuten, Sondergesetze für eine Volksgruppe einzuführen (okay, gab’s schon einmal, aber hoffentlich nie wieder) – oder aber den Besitz, die Weitergabe und das Einnehmen von, zum Beispiel, »Wick Medinait für Kinder« als Straftat zu werten (also, liebe Eltern: Ab in den Knast, oder die Kleinen röcheln lassen).
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Warum und wieso, das habe ich schon (zu) oft auseinanderklamüsert. Heute nur noch einmal der logische Hintergrund: Dopingregeln sind freie Vereinbarungen des Sports, sie werden laufend modifiziert, geändert und auch gekippt (Beispiel Koffein), und zwar alleine vom Sport, der daher auch alleine für sie zuständig ist.
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Das Verfahren gegen Schumacher ist kein Doping-, sondern ein simpler Betrugs-Prozess. Schumacher wird verurteilt, wenn das Gericht davon überzeugt ist, dass sein Vertragspartner, hier personifiziert durch Teamchef Holczer, nicht gewusst und klammheimlich gebilligt hat, dass der Radprofi entgegen seiner vertraglichen Verpflichtungserklärung gedopt hat. Was nach sportlicher Lebenserfahrung bedeuten würde, dass ein Fachmann wie der ehemalige Mathematiklehrer Holczer die Quadratur des Kreises für möglich hält.
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Um das Thema Doping herum wird auch getanzt. »Let’s dance!« In der Tele-Tanzschau tritt auch die ehemalige Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum an, die heute Balian heißt, und der gibt sich besonders männlich. Balian Buschbaum behauptet auch, jede Frau träume doch davon, »hinter einen Busch treten und im Stehen pinkeln zu können«. Stimmt das, liebste Zielgruppe?
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Dass bei und nach einer Geschlechtsumwandlung eine insgesamt vieltausendfach höhere Dosis zum Einsatz kommt als selbst beim skrupellosesten Doper, führt zu weiteren sehr heißen Eisen (Frauen-Sport, DDR-»Dopingopfer«), aber auch die habe ich zu oft angefasst. Schluss jetzt.
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Schluss auch für Dallas und Dirk Nowitzki. Der größte deutsche Sportler der Neuzeit sollte das Playoff-Aus nicht allzu sehr betrauern, auch nicht, dass er den Höhepunkt seiner Karriere hinter sich hat. Sie war glanzvoll, Nowitzki hat Sportgeschichte geschrieben. Mehr geht einfach nicht. »Jumping the shark« nennen es die Amis. Der Spruch geht auf eine US-Serie zurück, deren cooler Held an der Pazifikküste Wasserski fuhr (mit Lederjacke!) und einen ihm in die Quere kommenden Hai einfach übersprang. »Jumping the shark« – das war einfach zu viel. Von nun an ging’s bergab.
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Apropos Basketball: Bei Facebook bin ich auf zwei uralte Videos gestoßen, die alte Werfer dort eingestellt haben: Auf dem einen springt der frühere Hochsprung-Weltrekordler Valeri Brumel (kaum größer als 1,80 m) mit dem Fuß an den Korbring, auf dem anderen zeigt der Ex-Kugelstoßweltrekordler Brian Oldfield einen Dunking fast aus dem Stand – nicht mit dem Basketball, sondern mit einer 15 Pfund schweren Eisenkugel!
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Und da wäre noch Jürgen Klopp, der im Eifer des Gefechts gesagt hat, für den Wahnsinn vom Dienstag gibt er gerne ein Jahr seines Lebens her. Lieber Sensenmann, wenn Du irgendwann bei mir anklopfst, dann merke Dir: Ich übernehme das Jahr! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle