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Sonntag, 7. April, 6.15 Uhr

Schon die Nachrichtenlage gecheckt, gescheckt ist sie nicht, sondern einheitlich maugrau, was aber auch nicht schlecht ist: keine Katastrophen, keine nächtlichen Geisterfahrer, keine über Nacht explodierten politischen Verwicklungen. Im Gegenteil: Die USA verzichten auf Raketentests, um die Korea-Krise nicht eskalieren zu lassen.
Korea-Krise: Der erste Begriff aus dem politischen Weltgeschehen, den ich als Kind gehört habe. Zwei Frauen kamen mit einem Kasten voller Flaschen aus der „Stadt“ zurück in den Asterweg. Mutti, was tragen die da? – Öl. – Warum? – Wegen der Korea-Krise. – Ach so. — Nachgefragt habe ich nicht, glaube ich. War eben so eine Sache der Erwachsenen: Öl und Korea-Krise.
In der Nacht sendet dpa oft Hintergrundartikel, heute zum Beispiel diesen, der so beginnt: „Deutschlands Patienten werden im internationalen Vergleich so oft im Krankenhaus behandelt wie in fast keinem anderen Industrieland. Behandlungen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Einsetzen künstlicher Hüften kommen so oft pro Einwohner vor wie
nirgends sonst.“ Ich hüfthinke seit zwei, drei Monaten ein wenig. Will aber diese Statistik nicht unterstützen. War noch nicht einmal beim Arzt. Hoffe, dass es mit dem Frühling besser wird. Bin ja eigentlich gut dran: Von den Mitwerfern von früher, die ich kenne, hat kaum einer noch alle seine natürlichen Gelenke.
Politische Meldung: Gabriel fordert, die Justizministerin soll sich wegen der Plätze für den NSU-Prozess einschalten. NSU: auch ein Wort aus der Kindheit. War für mich ein Synonym für Motorrad. Stolpere immer wieder darüber. Was bedeutete es eigentlich? „NeckarsUlmer Motor“…dingsbums? Weiß nicht mehr, will auch nicht nachgoogeln, der Sonntagmorgenblog bleibt ins Unreine geschrieben, unüberprüft. Was bedeutet die Abkürzung der neuen NSU? „Nationalsozialistischer Untergrund“? Was die RAF? Ach so, ja. Rote Armee Fraktion. Haben sie sich selbst gegeben, diesen bescheuerten Namen. Im neuen „Stern“ einen sehr bemerkenswerten Artikel über Joschka Fischers Putztruppenzeit gelesen. War ja fast alles bekannt, aber in der Massierung der Fakten doch ein echtes Ding. Schon Matthias Beltz hatte immer seine gesellschaftspessimistische Freude daran, dass sein Exkumpel zum gravitätischen Politikerdarsteller mutieren konnte, als eine Art Vormarschierer durch die Institutionen für alle Gesinnungsgenossen, die nun bequem in und von der Gesellschaft leben, die sie einst bekämpfen wollten. Nun gilt der Kampf nur noch der korrekten Müllentsorgung, der korrekten Wortwahl, der korrekten antifaschistischen Gesinnung, der korrekten Selbst-Gerechtigkeit.
Was die Journalistenplätze beim Prozess angeht: Das wird von der Münchner Justiz ebenfalls sehr selbst-gerecht behandelt. Unfassbar instinktlos. Einen Prozess, dessen Ausgang nach juristischer Lage der unklaren Dinge sehr unbefriedigend zu werden droht und im Ausland auf Unverständnis stoßen dürfte, derart fingerspitzengefühllos schon vor Beginn zu belasten, ist als Meisterleistung der Bayern in etwa das Gegenteil zu der im Fußball.
Schriebe … schrübe? … schrübbte? …schrubbte? … ich dies in den Montagsthemen, wäre ich stolz auf diesen meisterleistungsreifen Übergang zum Sport. Aber den schreibe ich jetzt nicht, die Montagsthemen sind erst wieder am Nachmittag dran. Gleich geht’s wieder über die Sauerlandlinie nach Bergneustadt (konkret: Altenothe, ein Winzdorf) in die Hundegrundschule. Das heißt, mittlerweile ist es fast schon gymnasialreif, was die Nichtmehrwelpenweilschonjunghunde leisten müssen. Ich werde dann wieder die Gegend erkunden, mit dem Althund. Habe ich im Blog schon mal über das Geheimnis des Denkmals auf dem Berg über Altenöthe geschrieben? Mit der kryptischen Inschrift: „In stillem Gedenken für die Opfer der Zeit“? Was das wohl zu bedeuten hat? Sind wir nicht alle ein bisschen …. Opfer der Zeit? Dann bis später.