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Montagsthemen (vom 8. April)

Eine wahre Meisterleistung. Glückwunsch. Vor allem an Jupp Heynckes. Sammer latent an der Gurgel, Guardiola im Nacken, strahlt er dennoch jene gelassene großmeisterliche Reife aus, die ihm einst zwischen Scylla und Charybdis noch fehlte, fehlen musste.
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Denn unbestätigten Gerüchten zufolge langweilten sich die beiden Meerungeheuer Ende des letzten Jahrtausends in der Straße von Messina und tobten sich als Mainungeheuer aus – zwischen den Ohms’ und Cohn-Bendits ging so mancher unter. Und Heynckes war nicht Odysseus.
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Heute ist er aber verbal fast schon so listig-witzig wie der alte Grieche. Die übliche Floskel »Ich bin schon einige Male Meister geworden, aber es war noch nie …« beendet er nicht mit einer erwartbaren Phrase (wie »so emotional«), sondern: »… so kalt wie heute.«
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Glückwunsch stellvertretend auch an Bastian Schweinsteiger, den hierzulande immer noch Unterschätzten, obwohl international niemand an seiner echten Weltklasse zweifelt. Sein als Geniestreich gefeiertes Tor allein belegt das allerdings nicht. Solche Flanken sind oft per Hacke am besten zu verwerten und fallen so oder so ähnlich auch in unteren Klassen an jedem Wochenende irgendwo in Deutschland. Schweinsteigers große Klasse ist das Gesamtwerk, sein Kunsthand- und -fußwerk.
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Hat ein nicht gegebener Elfmeter den Frankfurter Prestigepunktgewinn verhindert? Ansichtssache, aber eher nein. Die DFB-Regel 12 unterscheidet nur zwischen absichtlichem (Hand zum Ball) und unabsichtlichem (Ball zur Hand) Handspiel. Dantes Hand lag zwar nicht am Körper, sondern weit ab, aber in einer natürlichen, koordinierten Körperbewegung. Auf Befragen des Schiedsrichters beteuerte er: kein absichtliches Handspiel. Was keine Lüge war.
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Aber »Absicht« bleibt eben immer Ansichtssache und die Szene daher umstritten. Logisch, dass Eintracht-Fans gallig im ursprünglichen Sinn des Wortes reagierten.
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Moment bitte. Breaking News: Beim Grand National in Aintree gab es diesmal keine Toten. Dass nicht nur die Pferde, sondern auch alle ihnen physiognomisch oft sehr nahestehenden Zuschauerinnen überlebt haben und nicht unter der Last ihrer zentnerschweren Huträder zusammengebrochen sind, ist ebenfalls eine Eilmeldung wert.
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Ein echt galliger Gag. Die von Fußballern geforderte »Galligkeit« geht zurück auf Matthias Sammer, der mit diesem Wort die Sportsprache verärmert hat, obwohl sie bereichert werden müsste. Auch Leverkusens halber Trainer Sascha Lewandowski tönt jetzt: »Wir fürchten gar nichts, sondern wir sind gallig darauf, etwas zu erreichen.«
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Sammer & Co. missverstehen »gallig« als engagiert-energisch-aggressiv, aber was das Wort wirklich bedeutet, zeigen seine Synonyme wie »verbittert«, »beißend«, »bitter«, »boshaft«, »ätzend«, »höhnisch«, »bitterböse« oder »übel gesinnt«. Jedes einzelne davon kann einem die ganze Woche verderben. – Eine total ungallige Woche wünscht daher: (gw)

Baumhausbeichte - Novelle