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Ohne weitere Worte (vom 4. April)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Wir sind wieder Deutscher Meister. Damit sind wir endgültig Deutscher Meister im Deutscher-Meister-Sein. (…) Ganz Deutschland stünde es gut zu Gesicht, wenn es mehr so würde wie mia san, beziehungsweise i bin. Bei mir ist der Menschenverstand noch gesund, der Durchblick glasklar, und ich habe ein persönliches Auge darauf, dass mir die Binsen nie ausgehen. Bei mir gibt es keinen heißen Brei zum Drumrumreden, bei mir gibt’s Wurst, Semmeln und Klartext. Probleme haben keine zwei Seiten, sondern meine. Wenn Deutschland mein Verein wäre, sähe es hier anders aus. Besser. (»Ghostwriter«-Kolumne von Ralf Husmann im KulturSpiegel: »Uli Hoeneß’ Rede an den Deutschen Meister«)
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Von Ihrem Haus ist es nur eine halbe Stunde nach Maranello. Reizte Sie in der Jugend da nicht eher eine Karriere bei Ferrari? – »Ich dachte mir: Statt bei Ferrari zu arbeiten, kann ich mir durch den Fußball später einen Ferrari kaufen. Das hat zum Glück geklappt.« (Luca Toni im Kicker-Interview)
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Hoeneß erzählte, wie Calmund ihn anrief und sagte: »Stell dir mal vor: Der Verrückte hat einen Wert – so was haben die überhaupt noch nicht gemessen.« (aus der SZ-Serie »50 Jahre Bundesliga« über das Ergebnis von Christoph Daums freiwilliger Haarprobe)
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Jetzt ist er da, als vorerst letzter Deutscher, von dem sich die Griechen noch gerne etwas sagen ließen. (…) Platten müssten aufgelegt werden, »von unserer wunderbaren Freundin, meiner Lieblingssängerin, der großartigen Nana Mouskouri«. Dann singt er, die Ministerin neben sich und die Presse vor der Nase, los: »Ich schau’ den weißen Wolken nach und fange an zu träumen!« Rehhagel darf das. Er darf alles, weil er bewundert wird. Und vielleicht auch, weil ihn die Griechen nicht ernst nehmen. Vielleicht ist es das: Da kommt ein Deutscher, den wir endlich einmal nicht ernst nehmen müssen. (Süddeutsche Zeitung über den »Sonderbotschafter«Otto Rehhagel in Griechenland)
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Ibrahimovic bekommt den Ball, läuft ein paar Meter, und statt abzugeben, was gut möglich wäre, rennt er lieber in einen der Verteidiger hinein. Der Angriff ist vorbei. Andere Stürmer würden jetzt aufspringen und möglichst schnell versuchen, den Fehler wieder gutzumachen. (…). Andere Stürmer. Ibrahimovic richtet sich erst mal die Stutzen und marschiert dann langsam bis zur Mittellinie. Sehr, sehr langsam, es gibt Menschen, die im Bademantel flotter Kippen holen gehen. Man muss als Fan viel Geduld mit Ibrahimovic haben. Die meiste Zeit hindurch steht er nur herum und ärgert sich, dass er nicht angespielt wird. (Spiegel)
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Beckham versucht einen Außenristpass an der Strafraumgrenze. Er misslingt komplett. Trotzdem landet der Ball bei einem Mitspieler, der ihn vors Tor zieht. Ibrahimovic bekommt irgendwie seinen Fuß dazwischen, das Ding ist wie durch ein Wunder im Tor. Wenn man Ibrahimovic nicht mag, möchte man sich jetzt am liebsten vor den Zug werfen. (Spiegel)
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»Es machte keinen Sinn (…) unter einem Trainer, der mich aufs Höchste verachtete. (…) Mir und anderen missfiel (…), wie unwürdig van Gaal mit einigen auf menschlicher Ebene umging.« (…) – Mit der Anekdote von van Gaals heruntergelassenen Hosen in der Kabine sorgten Sie für Aufsehen … – »… und Sie können mir glauben, dass es wahrlich kein schöner Anblick war.« (Luca Toni/Kicker) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle