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“Rotschwarzer Rauch”

Liebes Eintracht-Tagebuch, manchmal stimmt es vorne und hinten nicht und trotzdem ist unterm Strich alles in Ordnung! Wie ich das meine? Ich gebe dir ein Beispiel: einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler ist Jeff Bridges. Ein charismatischer, eigenwilliger Typ, der eine Menge guter Filme gedreht hat und in Hollywood zu Recht hoch angesehen ist.

Jahrelang habe ich immer wieder gedacht, dass er jetzt doch endlich mal für diesen oder jenen Film den Oscar bekommen müsste … was aber lange nicht passierte. Bis man ihm dann 2010 für die Darstellung eines runtergekommenen Country-Stars im Film »Crazy Heart« endlich einen verlieh. Eine allein schon vom Drehbuch her eher mittelmäßige Rolle, und definitiv nicht seine stärkste.

Aber auch wenn das viele andere Leute auch so empfanden, und die Filmexperten gerade in diesem Jahr die begehrte goldene Statue eher einem der anderen Nominierten wie zum Beispiel Morgan Freeman oder George Clooney verliehen hätten, regte sich letztendlich niemand wirklich auf. Weil er vorher für viele gute Leistungen zwar immer viel Publikumszuspruch, nie aber die höchste aller Auszeichnungen bekommen hatte, obwohl er das mehrmals verdient gehabt hätte.

Ausgleichende Gerechtigkeit eben. Natürlich weiß ich auch, dass man ein 3:2 in Fürth beim Tabellenletzten nicht unbedingt mit einer Oscar-Verleihung vergleichen sollte, und auch, dass Platz fünf nichts ist, was man sich in die eigene Glasvitrine stellen kann. Aber auch hier hat sich nach einem erzitterten Sieg in einem zerfahrenen Spiel niemand wirklich über deren Ausgang beschwert. Weil die Eintracht nach durchaus besseren Spielen in den letzten Wochen oft leer ausgegangen war.

Ausgleichende Gerechtigkeit eben. Und mit diesem durchaus angemessenen und ausgesprochen bescheidenen Hollywood-Vergleich sei dieses komische Spiel gegen vollkommen übermotivierte Ecstasy-Franken auf holprigem Acker auch schon abgehakt. Lass mich also noch mal einen kurzen Blick auf das wichtigste Ereignis der letzten Tage werfen. Ich glaube, wenn man alle Steine aufgesammelt hätte, die den Eintracht-Fans letzte Woche vom Herzen gefallen sind, als sie von Armin Vehs Verlängerung erfahren haben, könnte man damit locker die Chinesische Mauer nachbauen. Plus Anbau! SMS-Nachrichten auf meinem Handy wie »Es ist rotschwarzer Rauch!« oder »Er bleibt!« zeigten, wie groß die Erleichterung und Freude allein schon in meinem privaten Umfeld war.

Das diesbezüglich schönste Erlebnis hatte ich am Tag drauf, als ich bei meinem Bäcker Brötchen kaufen wollte und der sich dafür entschuldigte, dass diese diesmal alle ziemlich salzig schmecken würden. »Weil ich die ganze Nacht beim Backe vor lauter Rührung weschen dem Veh durchgeflennt hab. Und dabei sind natürlich meine Tränen immer widder in de Teisch nei. Aber dadefür geb ich sie Ihne auch zum halbe Preis.« »Hm«, überlegte ich, »und wenn Sie heute alles, was Sie letzte Nacht gebacken haben, einfach als Laugengebäck verkaufen?« »Des is die Idee! Und von Ihne krieg ich jetzt noch 2 Euro 50! Laugengebäck is ja teurer!«

Natürlich habe ich bezahlt. Allerdings nur unter der Bedingung, dass er, wenn die Eintracht am Ende der Saison einen der europäischen Plätze erreicht, seinen Laden mindestens eine Woche lang dichtmacht! In diesem Sinne  Hendrik Nachtsheim

Baumhausbeichte - Novelle