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Montagsthemen (vom 2. April)

Montagsthemen gibt’s nach Ostern immer dienstags, das klingt zwar paradox und nach trotzigem Widerspruch – aber so sind wir sturen Hessen nun mal. Daher streckten wir gestern auch schnell und unverdrossen das Gesicht in die Sonne, als sie ein paar ihrer eiskalten Strahlen zu uns herunter schickte.
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Auch kalte Strahlen können das winterdauergeschädigte Herz erwärmen, was ebenfalls nur scheinbar ein Widerspruch ist. Nehmen wir mal die Schlagzeile zum Frankfurter Sieg in Fürth: »Glanzlos« sei er gewesen, berichten die Reporter, aber genau das ist das Glanzvolle an dieser – Achtung, sensationelles Wortspiel! – veh-ementen Eintracht …
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Kurze Unterbrechung. »Veh-ement«, ein Namens-Gag für Arme und als »sensationelles Wortspiel« daher nur selbstironische Alberei. Selbstironie aber ist in diesen postironischen Zeiten so was von out, dass sie kaum noch erkannt wird, und wenn meine »Veh-emenz« unironisch ankäme, wäre mir sie extrem peinlich, daher die kurze Unterbrechung. Weiter geht’s.
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…, dass ein Auswärtssieg gegen einen mit ähnlicher Ausgangslage gestarteten Klub gegen Ende einer glanzvollen Saison schon wieder als glanzlos eingeordnet wird.
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Kleist schrieb einst einen Essay »Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden«, was nun auch für mein Schreiben gilt, denn soeben stelle ich fest, dass wir in Hessen auch dem ironiefreien Trend der Zeit trotzen: Noch nie hatte die Eintracht einen Hochironiker wie Armin Veh zum Trainer, und der ist so was von in. Dass seine Mannschaft ihr Saisonziel früher erreicht habe als die Bayern, ist ein hübsches Beispiel.
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Dass München auch am nächsten Spieltag sein Ziel noch nicht erreicht haben möge, das hoffen in diesen Tagen nicht nur Eintracht-Freunde und Bayern-Gegner, sondern sogar manch ein FCB-Fan, damit auch vor dem Juve-Rückspiel kein leistungsmindernder Spannungsabfall eintritt. Zumal die coolen Calcio-Kicker sich nicht von der »9« der HSV-Vernichtung schocken lassen, sondern ihre Chancen in der »2« suchen werden.
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Scheiden die Bayern aus, wäre der DM-Titel nur Trostpreis und der Pokal unwesentliche Zugabe. Unterschied zum BVB: Scheidet er gegen Malaga aus, bliebe ihm nicht einmal ein echter Trostpreis (CL-Teilnahme ist »nur« Pflicht). Aber an beides wollen wir erst gar nicht unkend denken sondern lieber hoffend an ein weiteres Duell. Im CL-Finale.
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Die Bayern können heute fit und munter antreten, doch den Borussen wird die Stuttgarter Abnutzungsschlacht noch morgen buchstäblich in den Knochen stecken. Schmelzers Nasenbeinbruch war zwar nur ein fahrlässig, aber unbeabsichtigt verursachter Unfall, aber manche andere Aktion grenzte an versuchte Körperverletzung. Sie gipfelte in dem Versuch, Niedermeiers Attacke gegen Götze als »Männersport« zu verharmlosen (dazu noch die miese Schauspielerei, die dem gefoulten Götze eine gelbe Karte einbrachte!). Wenn das Männersport ist, dann wechselt lieber zum »Ultimate Fighting«!
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Na ja, das gibt Ärger. Gebt’s mir ruhig, liebe Vaueffbeer. Wer austeilt, muss auch einstecken, weiß die Binse und binst der Weise. Ich hätte es ja verdient, im Gegensatz zu Angela Merkel, die zwar austeilt, aber keine Bösartigkeiten, sondern Geld. Zum Undank würden Griechen und andere Südländer sie am liebsten mit Hitlerbärtchen verunstaltet und gefesselt in einen »Ultimate Fighting«-Käfig stecken. Ihr und unser Image sollte nun Otto Rehhagel verbessern, als er dieser Tage im Regierungsauftrag zur Charmeoffensive nach Griechenland geschickt wurde. Charme à la Otto, denn in Athen verkündete der EM-Held von 2004: »Als ich damals hier war, hat es keine Krise gegeben, nur eine Fußball-Krise. Und die habe ich gelöst.« So isser halt.
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Die letzte Krise, die Rehhagel lösen sollte, war eine in Berlin. Die Hertha-Krise. Krachend gescheitert. Diese Krise löst nun ein gewisser Jos Luhukay. Im Vergleich zu Rehhagel ein Name, den kaum einer schreiben, kaum einer sich merken kann, ein Mann, der nicht viele Worte macht, keinen Glamour verbreitet, der aber weiß, was zu tun ist. Ein Typus also auch für andere Krisenfälle – aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle