Archiv für April 2013

Dienstag, 30. April, 17.40 Uhr

„Nun, ICH habe heute meine (denk-)sportliche Höchstleistung gebracht. Nun ist meine Borussia dran! (Habe mich sehr über Ihre Anstösse der letzten Tage gefreut!) Zittern Sie mit?“, fragt Dr. Joachim Bille. Na klar, und wie. Vorstartfieber. Noch drei Stunden.
Dr. Billes Mail kommt nicht in die Mailbox, weil sie primär sein Lösungsversuch zur Wer-bin-ich-Runde ist. Am Samstag Einsendeschluss für drei Punkte, nächste Woche (falls Anstoß-Platz frei ist; haben wir nicht wieder einen Feiertag?) kommt der Ein-Punkt-Nachschlag, mit sehr kurzfristiger Einsendefrist, und dann kann ich das Rätsel endlich auflösen. Wie mich das schon seit Tagen juckt!
Vor ein paar Tagen Abendessen, zu Hause, vor dem schönen Panorama, das von der Landstraße ins Hinterland durchschnitten wird. Tagüber hat der Frühling fleißig versucht, Versäumtes nachzuholen. Jetzt ist es schon dunkel. Hinten, an der Straße, kurz vor der Kurve in den Wald, leuchtet ein Blaulicht auf. Es blinkt während des Essens und auch noch danach. Ich vermute: kleine Baustelle, Absperrung. Aber warum mit Blaulicht? Gesperrt ist die Straße jedenfalls nicht, normaler Tröpfelverkehr für diese Uhrzeit. Wir sitzen gemütlich hier oben, essen, trinken, schauen in die Gegend, lassen es uns gutgehen.
Am nächsten Tag in der Zeitung: In der Kurve ist ein 23jähriger aus dem Ort mit dem Motorrad verunglückt. Beim Überholen. Tot.
Und wir ließen es uns gutgehen, während um sein Leben gekämpft wurde.
Der Gedanke lässt sich auch Tage danach nicht abschütteln.

Veröffentlicht von gw am 30. April 2013 .
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Sonntag, 28. April, 6.15 Uhr

Schon halb hell, daher kann ich auf der Straße das erste Opfer der Krötenwanderung sehen, das den Weg in den Teich nicht geschafft hat. Sehr platt, das arme Ding. Nie werde ich vergessen, wie ich eines Nachts nach langem Redaktionsspätdienst nach Hause fuhr und kurz vor der Einfahrt in die Parknische aufschreckte: Eine Kröte stand mitten auf der Straße vor mir, auf zwei Beinen, den Körper hoch aufgereckt, die beiden kurzen Ärmchen mir flehend entgegengestreckt: Überfahr mich bitte nicht! Ich umkurvte sie, stieg aus, wollte sie retten – sie stand immer noch in ihrer flehenden Haltung. Mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Sehr fest, sehr flach, sehr groß. Überfahren und plattgewalzt, ein Teil der Gliedermasse in den Oberkörper gepresst, der daher aufrecht stand, mit seinen flehenden Stummelhändchen.
Von überall her hoppsen sie Richtung Teich. Allerdings sehr viel weniger Kröten als in früheren Jahren. Aber das wird wieder, denn die Nasen (Karpfenart), die vor Jahren zur Algenvernichtung eingesetzt wurden, jedoch vor allem Krötenlaich fraßen, habe ich im Herbst mit großem Aufwand (Wasser abgelassen, im Matsch rumgefischt) rausgeholt und im Bieberbach ausgewildert.
Na ja, wen interessiert’s? Mehr Interesse besteht an der neuen Wer-bin-ich-Runde. Ich würde so gerne etwas dazu schreiben, aber ich muss es mir unbedingt verkneifen, bis zum Einsendeschluss von Teil zwei, wenn es (für nur noch einen statt drei Punkte) ein paar weitere Hinweise gibt. Jedenfalls gibt es schon herrliche … nein, nein, nein. Mund zu, Finger weg von den Tasten.
Stattdessen der übliche Blick in die Meldungen der Nacht. Keine Katastrophen, keine Sensationen. Auch das ist ja wohl keine: „Millionen Menschen in Deutschland verfolgen gespannt Fußballspiele.
Für den Wahlkampf begeistern sich dagegen nur wenige. Was macht der Fußball besser als die Politik? Berlin (dpa) – Medien bejubeln die Leistung von Schwarz-Gelb und spekulieren über einen baldigen Machtwechsel – allerdings nicht im Kanzleramt, sondern auf dem Fußballfeld. «Politik erregt die Öffentlichkeit nicht», sagt der Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der Freien Universität Berlin, Gunter Gebauer“ … schon höre ich auf zu lesen. Der unvermeidliche „Professor für Philosophie und Sportsoziologie“. Omnipräsent wie der „Molekularbiologe aus Heidelberg“, wenn es um Doping geht. Oder der „Parteienforscher“, dem Gebauer ins Handwerk pfuscht. Franke, Falter, Gebauer & Co. – wenn sie zu Wort kommen, weiß man, dass dem Redakteur nichts einfällt und er es sich leicht machen will. Welch ein Gaga-Thema: Warum begeistern sich die meisten Menschen mehr für Fußball als für Wahlkampf? Na, darum eben.
Mal Meldungen der Nacht im Internet bei AOL angeklickt (statt im Redaktionssystem bei dpa & Co.). Die ersten vier: „Chris Martin will in England bleiben“ / „Haben One Direction auf Tour Heimweh?“ / „Britney: Frieden mit Kevin Federline?“ / Vince Vaughn wird zum zweiten Mal Vater“. —Britney, na gut, das mag B. Spears sein. Aber Chris Martin, One Direction, Kevin Federline, Vince Vaugn???? Nie gehört. Wie weit weg bin ich schon von dem, was die Welt bewegt? Kennen Sie die Typen?
Genug warmgeschrieben, die Montagsthemen rufen. Und vorher die lange Fahrt zum Schwimmunterricht für eine Wasserscheue. Für wen, verrate ich nicht. Ist mir ein bisschen peinlich. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 28. April 2013 .
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Donnerstag, 25. April, 22.10 Uhr

Jetzt, eben, gerade in dieser Minute soll der Mond eine Delle bekommen. Ich gucke raus, gehe raus – nichts. Sternklarer Himmel, soeben ist ein Komet mit erstaunlichem Schweif vorübergezogen, aber kein Mond zu sehen. Wahrscheinlich versteckt er sich hinter der Burg. Ich könnte ja hoch gehen und vor dort oben gucken, bin aber zu faul.
Erstaunliches zur soeben gestarteten WBI-Runde wäre zu berichten, aber ich verkneife es mir. Schon zwei richtige Lösungen! Ich verstehe es einfach nicht. Wie machen Sie das bloß?
Wie mache ich bloß meine Sportstammtisch-Kolumne für morgen? Selbst wer Superlative nicht mag, muss zugeben: Unfassbar, was in dieser Woche los war! Hoeneß zeigt sich an wg. Steuerhinterziehung, Haftbefehl, Bayern 4:0 gegen Barca, Götze zu den Bayern, BVB 4:1 gegen Real, Lewandowski so gut wie weg, Deutschland – Spanien 8:1. Noch mal: Unfassbar! Der erste Themenzettel für die Kolumne ist schon vollgekritzelt. Ich versuche, zu entziffern: Zocker, Schlucksee / Managerspiel mit sportlicher Komponente / Vergleich Ibrahimovic- und Lewandowski-Tor / Kalte Pracht und heißes Herz / Gute Nachrichten: Football (aus kleinen Verhältnissen, will Familie unterstützen) und Rad (Berhane, Türkei-Rundfahrt) – wahrer Sport (?) / Europas Fußball funktioniert wie auf dem Bolzplatz: Für die Mannschaft, in die ich reingewählt werde, gebe ich alles; und morgen für die andere, in die ich gewählt werde. Hauptsache: Ich werde gewählt / Multimillionäre ohne Steuerprobleme – gibt‘ die? / Wie bei Wulff. Nicht die Tat ist das Schlimme, sondern das Verhalten davor, dabei und danach / Neues Gesetz: Straffreiheit nur bei Champions-League-Sieg / „Offizielles“ WM-Musikinstrument / Götze mit Hoeneß‘ Spielgeld bezahlt? / Wie wird man reich Tipp: Nach Sotschi gehen, Hunde und Katzen vergiften im Olympiapark / Hoeneß: Wollte reinen Tisch machen, bevor er wieder an Merkels Tisch Platz nimmt. Ach, Uli, da werden Sie nie mehr sitzen / Dass jemand (Adidas-Dreyfus/Schreibweise nachgucken) einem „Freund“ mal kurz 5/15/20 Millionen als Spielgeld zum Zocken über den Tisch schiebt, ich glaube es. Ich ziehe mir ja auch die Hose mit der Kneifzange an (nachgucken, ob ich den Gag schon mal gebracht habe) / Frankreich toppt das alles. Hier der CSU-Freund, da die Sozialisten – beim (eigenen) Geld sind und handeln alle gleich / Bayern/Dortmund, Götze/Lewandowski ist im Großen das, was Eintracht/Freiburg, Rosenthal/Flum /(Namen nachgucken) im Kleinen sind; siehe Managerspiel; bei Fans der jeweils eigenen Mannschaft gibt’s nur Applaus (siehe Reus/Gladbach) / Steuerhinterziehung ein „Reichensport“ (Stern). Wir Arme sind fein raus und können unseren proletarisch-moralischen Zeigefinger heben / Dortmunds größtes Pfund heißt nicht Götze oder Lewandowski (siehe Sahin, Kagawa), sondern Klopp / Hoeneß der typische Absolutist (siehe Spiegel-Story in anderem Zusammenhang über erfolgreiche Psychopathen; bzw. das als Thema für die nächste Nach-Lese zubereiten/Datum: 11. Mai), der sich nicht an die Spielregeln der Mediokren hält (also der anderen), sondern sich eigene Regeln macht. Motto: Ich bin sozial, wenn, wann, wie und wo ich will und mit einem Bruchteil des Geldes, das ich dem Sozialstaat vorenthalte. Wenn’s klappt, baue ich mir damit mein Denkmal als guter Mensch. Es hat schon oft geklappt. Denk mal!
Alleine diese ersten Stichworte würden die Kolumne mehr als füllen. Was schmeiß ich raus? Eine Nacht drüber schlafen. Gute Nacht (hatte Ihr Mond eine Delle?).

Veröffentlicht von gw am 25. April 2013 .
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Sonntag, 22. April, 8.45 Uhr

Wieder da. Eine Woche Kolumnenpause, die erste seit … ja, seit wann eigentlich? Seit mindestens einem Jahr. Darf man sich als Rentner ja wohl mal erlauben (zumal mehr als die Hälfte meiner Texte für Gotteslohn geschrieben werden). Als Vielschreiber aber hat man ein Problem: Während mindestens ebenso fleißige (und kompetente) Redakteure, die vor allem als Blattmacher, Seitengestalter, Recherchierer usw. tätig sind, oft auch nach Wochen der Absenz nicht von den Lesern vermisst werden (von den Kollegen schon!), weil sie ihrer Arbeit nicht das eigene Kürzel voranstellen (können), fällt bei einem, der hinter jede seiner Arbeiten ein »gw« setzt (setzen muss), schon eine Fehlwoche auf. »Ist doch hoffentlich nichts passiert?«, wird in Mails besorgt nachgefragt. Schön, wenn man vermisst wird. Aber auch ganz schön fordernd. Früher hatte ich Urlaubspausen meistens angekündigt, aber auch das hat seine Tücken: Fühlt der Kerl sich so wichtig, dass er seinen Urlaub ankündigen zu müssen glaubt? Daher hab ich’s dann gelassen. Lieber besorgt vermisst werden, als als eingebildeter Wichtigwichtigtuer zu gelten.
Heute also wieder da, aber später als sonntagsfrüh üblich. Weil: Heute schreibe ich den Blog-Text vor und stelle ihn erst online, wenn er fertig ist. Soll wieder einmal ein echter Stein(es)bruch für die Montagsthemen werden. Auf geht’s, ohne Netz und doppelten Boden drauflos geschrieben:
Eine Woche Blavand. Wie schon so oft. Fast immer passieren dort oder auf der Rückfahrt sehr merkwürdige Dinge. Klick ins eigene Archiv. Erster Fund: »Im Ferienhausgebiet rund um Blavand, das aparterweise direkt an einem Truppenübungsgelände liegt. Umgestürzter Panzer auf der Straße. Davor ein Soldat, auf dem Boden, bewegungslos, blutüberströmt. Schreckensbleich ausgestiegen, hingegangen. Da richtet sich der Tote auf, unwirsch: ›Übung, Übung, weg, weg.‹ Nach dem Erlebnis mit dem Ketchup-Soldaten ein paar Kilometer weiter darauf verzichtet, Überlebende aus einem mit Einschusslöchern gesprenkelten ausgebrannten Reisebus zu bergen.« Zweiter Fund: »Als ich jetzt, nach zehn oder mehr Urlauben in Blavand, hörte, dass die dänischen Behörden dort den schönsten Strand des Landes sperren, weil er voller Weltkriegs-Minen ist, wunderte ich mich, dass erst jetzt gesperrt wird, obwohl die Gefahr von Anfang an bekannt war. Doch das Militär ließ die Minen liegen, weil die Gegend früher dänenmenschenleer war. Und wenn doch jemand käme? Ein Ex-Rekrut bekannte: ›Der Lagerkommandeur sagte, es könne sich höchstens um deutsche Touristen handeln, daher war es egal.‹« – Jau, herrlich, das kommt noch mal in die Montagsthemen!
Gut erinnere ich mich auch, dass Christoph Daum zweimal eine »Das gibt’s doch nicht!«-Rolle gespielt hat. Beim erstenmal hörte ich auf der Heimfahrt, dass Daums Haarprobe positiv ausgefallen ist. Das zweite Mal war vor fast genau zwei Jahren, also auch im April: »Dänischer Nordseestrand. Schön kalt, schön windig. Draußen auf dem Horns Rev vor Blavand blinken die Rotoren des größten Offshore-Windparks der Welt. Auch die Gedanken kreisen. Um Windkraft, Kernenergie, die sehr deutschen Befindlichkeiten … beeb, beeb, eine SMS macht sich bemerkbar. Poch, poch, das Herz schlägt schneller, als der schnellste Rotor drehen kann. Diese Nummer kennen nur die engsten Familienangehörigen, und die simsen erst gar nicht, weil sie wissen, dass dieses Handy nur für Notfälle mitgeführt wird. Was ist bloß geschehen? ›Hi Papa, Daum ist neuer Eintracht-Trainer. Ansonsten geht’s mir gut. Reg dich nicht auf.‹« Der Bub hatte gut simsen! Gestern war er im Stadion, als mindestens so heißer Eintracht-Fan wie Henni N. Ich freue mich über seine Freude.
Auf der Fahrt hin und zurück komme ich immer an der Abfahrt zum Former-known-as-Volksparkstadion vorbei. Danach hieß es AOL-Arena, dann HSH-Nordbank-Arena, nun umbenannt in Imtech-Arena. Die nächste Namensänderung wirft schon ihre Skandale voraus: Ein Imtech-Boss wurde entlassen, »weil er in Polen rund 100 Millionen Euro versenkt hat« (Quelle: Welt). Hanseatisch sachlich gehen die Verkehrsbehörden mit der Namensspielerei um: Früher hieß die Autobahnabfahrt »Volksparkstadion«, als AOL dran war, hieß sie kurzfristig »AOL-Arena«, dann hatte man’s satt, und seitdem heißt die Abfahrt lakonisch nur noch »Arena«.
Blavand, Daums Haarprobe – jetzt dort gelesen: Klopp »gesteht« (Frankfurter Rundschau) »seine Haartransplantation. Er »gesteht«! Aber warum tut er sich das überhaupt an? Passt doch gar nicht zu ihm, jedenfalls nicht zu seinem Image (mehr als das Image kennen wir von ihm und anderen Promis sowieso nicht). Und dann auf der Heimfahrt ein fast Daum-mäßiger Hammer: Uli Hoeneß zeigt sich selbst an, geheimes Konto in der Schweiz. Steuerhinterziehung? (Das Fragezeichen nur, weil ein Ausrufezeichen der juristischen Verifizierung bedarf). Lassen wir mal die Schadenfreude der Hoeneß- und Bayern-Gegner außen vor, auch die aufgeplusterte Empörung aus der anderen politischen Ecke (deutsche Sozis, schaut nicht auf Hoeneß’ Bayernland, schaut auf eure Kumpel in Frankreich!). Was mich, trotz Hoeneß‘ bekannter Chuzpe, verblüfft: Dass er, obwohl er sich schon im Januar selbst angezeigt hat, weiterhin öffentlich den Rechtschaffenen gab und auf alles und alle schimpfte, die nicht ehrlich und anständig ihren Beitrag für Recht und Ordnung, Anstand und Moral und für unser Vaterland leisten. Auch dass er jahrelang still vergnügt auf das prall gefüllte Festgeldkonto verwies, wird ihm noch einige Häme einbringen: »Ach wie gut, dass niemand weiß, meins in Schweizland, das ist heiß.«
Langsam quillt selbst der Steinesbruch über (falls Steine quellen können). Noch ein paar Brocken: In der schnellen Übersichts-Nachlese finde ich auf ein und derselben FAZ-Seite einen Prozess-Zwischenbericht zur causa Schumacher/Holczer und einen großen Artikel »Jenseits von Afrika« über das »Oregon-Project«. Beide Artikel zusammen ergeben ein apartes Bild der hoffnungslosen Doping-Lage in Deutschland und in der Welt. Zu Holczers Nichtwissen (siehe Hoeneß) nur soviel: Ich glaube ihm. Ich ziehe meine Hose mit der Kneifzange an. Zum Oregon-Project habe ich schon vor Jahren einiges geschrieben, als Mo Farah noch völlig unbekannt war. Jetzt in der FAZ, ohne kritische Untertöne: »Sogenannte Anti-Schwerkraft-Laufbänder, bei denen eine Luftkammer mit Überdruck den Stützapparat des Läufers entlastet, Unterwasser-Laufbänder, Rüttelplatte, Kältekammer, Höhenzelt und ganze Wohnungen, deren Atmosphäre durch den Entzug von Sauerstoff der in einigen tausend Metern Höhe entspricht« … usw. Mal nachklicken, was ich damals zum noch unbekannten Nike-Projekt geschrieben habe. Ah ja, vom August 2010: »Für die Langläufer des High-Tech-Leistungsförderprogramms ›Nike Oregon Project‹ (NOP) hat der US-Sportmulti Nike ein Höhenhaus gebaut, in dem ständig ein Luftdruck wie auf 3600 Metern über dem Meer herrscht. In dieser Saison verblüfft der beste NOP-Läufer, der weiße und vergleichsweise schwergewichtige Chris Solinsky, mit Zeiten, die nur ganz wenige der weltbesten Schwarzafrikaner laufen können. Doping? Ach was! Jedenfalls sind laut Welt-Anti-Doping-Agentur Wada die Höhenhäuser sportmoralisch nicht zu beanstanden. Alles nur eine Frage der Dialektik. Mit der kann man ja, Hegel sei Dank, fast alles logisch auf einen Nenner bringen.«
Aber Holczer und NOP kriege ich wohl kaum in den Montagsthemen unter. Das FAZ-Zitat soll dann aber wenigstens in »Ohne weitere Worte« auftauchen.
Zur letzten Schreibhandlung vor Blavand gehörte »Jumping the shark« (Stammtisch vom 13. April). Nachtrag: Ähnlich wie Nowitzki ergeht es Miro Klose, was auch bei ihm nicht böse, sondern in bewundernder Würdigung einer großen Karriere gemeint ist. Ach ja: Auch Hoeneß könnte über den Hai gesprungen sein, bei ihm passt die US-Redensart sogar noch besser, da seine Bayern auf dem Höhepunkt sind. Nein, kurz vor ihm. Fehlt der Champions-League-Triumph. Mit ohne wäre alles nichts.
Nur ein Blavand-Hämmerchen: Santana nach Schalke! Sachen gibt’s. Wie werden die Fans von beiden Seiten reagieren? Santana, der Brasilianer mit den maltesischen Füßen, den ein gnädiges Schicksal vom leicht belächelten BVB-Liebling zu einem der größten Fan-Helden der Borussen-Neuzeit gemacht hat, wechselt auf dem Höhepunkt seines BVB-Standings zum Erzfeind. Santana! Sein Namensgleicher, der mit der unverwechselbaren Gitarre, sang einst (»Oje como va«), was heute die BVB-Fans fassungslos rufen: Santana zu Schalke? »O je, komm, oh, watt!?«
Was nicht in die Montagsthemen kommt: Der neue Papst kann die Aufstellung seines Heimatvereins San Lorenzo de Almagro aus den fünfziger Jahren auswendig aufsagen. Mhhmm. Das konnte auch Walter Jens mit Eimsbüttel. Den Gag dazu … lass ich lieber, dann kann ich’s vielleicht doch in die Montagsthemen bringen. Mit dem Zusatz, dass nach der Jens-Runde von »Wer bin ich?« in den nächsten Tagen die neue folgt, eine – Achtung, zum mitschreiben: ABSOLUT UNGOOGELBARE!
Aus lokalpatriotischer Loyalität oder Solidarität verzichte ich wohl auch auf einen Schwenk zur großen »Spiegel«-Story über den 50jährigen Gießener Boxprofi Andreas Sidon. Der Mann hat eine Kalkablagerung in der Halsschlagader. Das erinnert mich an ein sehr frühes Kolumnen-Thema, das uns jahrelang begleitet hat. Auch hier mal nachklicken. Oje, komm, oh watt! Zum letzten Mal tauchte es 1996 auf! Greise, wie die Zeit vergeht! »Schnieders boxt wieder. Der lange Schwergewichtler hat eine Zyste im Hirn. Spötter behaupten, das sei doch wenigstens etwas. Aber im Ernst: Das Nichtaufhörenkönnen von Sportlern, die aus Vernunftgründen aufhören müssten, gehört zu den eher tragischen Seiten des Sports und betrifft auch Sportler, die viel Grips und keine Zysten im Hirn haben.«
Oder nehme ich auch das noch in die Montagsthemen? Mal sehen. Bis dann.

Nachtrag, 9.10 Uhr:
Habe bei Wikipedia nachgeschaut: Es gibt ihn noch, den Andreas Schnieders. Hat eine Frau und zwei Kinder, arbeitet im Werksschutz eines Kernkraftwerks (das bisschen Strahlung steckt er auch noch locker weg), und seine Karriere hat er nicht wegen der Zyste und vieler Knockouts beenden müssen, sondern, wie er selbst sagt, „aus orthopädischen Gründen“. Wahrscheinlich hatte er nur Senk-Spreiz-Knick-Füße. Wie ich.
Beim Nachtrag einige Fehlerchen der Drauflosschreiberei korrigiert und festgestellt: Der Stein(es)bruch ist schon montagsthemenreif, muss nur, wie Michelangelo mit seinen Riesenbrocken aus Carrara, das Unwesentliche weghauen.
Hab’s gerade gemacht. Oje, komm, oh watt! Ist ja nichts mehr da! Muss also Unwesentliches stehenlassen. Same procedure …

Veröffentlicht von gw am 21. April 2013 .
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Sonntag, 7. April, 18.40 Uhr

Schulstunden genutzt, um unterdessen auf einer Bank in der kalten Sonne des Bergischen Landes die gestern aus den Zeitungen gesammelten Artikel zu lesen, die mich interessieren könnten. Zum Beispiel, während Althund Pipi macht, in der SZ über die „Pariser Cliquenwirtschaft“ von „Hollandes Schattenarmee“: „Frappierend viele Schüler eines Jahrgangs der Elitehochschule Ena sitzen heute an Schaltstellen der Macht in Paris. (…) Ihr Einfluss trägt zum Gefühl vieler Franzosen bei, in Paris schiebe sich eine abgehobene Clique Macht und Posten zu.“ Wie bekannt uns das vorkommt, und wie nahtlos es meinen Morgenblog ergänzt und fortsetzt über den „Vormarschierer durch die Institutionen“ und „alle Gesinnungsgenossen, die nun bequem in und von der Gesellschaft leben, die sie einst bekämpfen wollten“.
Den „Sport-Stammtisch“ vom Samstag habe ich mühsam erkämpft, die „Montagsthemen“ flogen fast von alleine zu. Hoffentlich ein gutes Zeichen. Da einige sehr eigene Ansichten über Heynckes, Schweinsteiger und Dantes Hand im Text, den Eintracht-hochkompetenten Bub und Superfan angerufen. Hat alles gnädig durchgewinkt, trotz natürlich kontroverser Sicht des Handspiels. Er hat auch einen doofen Fehler entdeckt (fürs Blatt schon korrigiert, steht noch online, muss ich dort noch verbessern), einen jener Art, über den ich bei anderen kichere: „nahe stehend“ statt „nahestehend“.
Bei Sichtung des über die Woche gesammelten Materials für die nächste Kolumnen-Aufgabe („Ohne weitere Worte“) festgestellt, dass diesmal fast nur SZ und Zeit vertreten sind. Zufall. Soll ich’s so einseitig lassen oder lasche Proporz-Zitate suchen? Schaun mer mal, wie Mitrentner Franz sagt. Würde er, wenn er meine Kolumne läse, sagen, ich schreibe so, wie Buffon hält?

Veröffentlicht von gw am 7. April 2013 .
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