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Wolfram Jäger: Nur brave Unterhäuptlinge (zum „Anstoß“ vom 28. März)

Es wird – zumindest in der Vorrunde der Fußball-WM 2014 und wahrscheinlich auch im Achtelfinale – viele Mannschaften geben, die gegen technisch starke Teams wie Deutschland nur ihren Strafraum verbarrikadieren werden (Ballbesitzfußball ./. Raumbesetzungsfußball).
Das kann dann so ausgehen wie gegen Kasachstan, oder so wie das Spiel der Spanier gegen die Finnen … insofern ist Kasachstan eine gute und erfolgreiche Übung gewesen.
Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie schnell die deutsche Elf den Faden verliert, wenn etwas schief geht (wie nach Neuers grobem Schnitzer gegen die Kasachen). Und Herr Löw ist dann auch kein bisschen in der Lage, daran was zu ändern, wenn er nicht eine Halbzeitpause für Analyse und Neuaufbau zur Verfügung hat.
Das erinnert an klassische Computer-Fußballmanagerspiele, wo mit dem Anpfiff der Partie jegliche Einflussnahme des Managers unmöglich ist … blöd nur für Fußball-Deutschland, dass andere Trainer da sehr wohl eingreifen können, wie z.B. Italiens Coach Prandelli, der auf Löws Halbzeitumstellung im EM-Halbfinale 2012 einmal klug wechselte und umstellte, womit der deutsche Angriffszauber im italienischen Defensivgeflecht verpuffte.
Dazu sind auf dem Feld nur brave „Unterhäuptlinge“ und „Indianer“ unterwegs, die alle mit Freuden jegliche Verantwortung für das Gelingen ihres Spiels an den Chefcoach delegieren. Der einzige mit unbedingten Siegeswillen ist Thomas Müller, und es wird noch einige Jahre dauern, bis der die Kapitänsrolle übernimmt (wenn überhaupt).
Aber das Fußballspiel ist schön und sehenswert. Wie bei den Spaniern früher, in ihrer langen, titellosen Zeit …
Immerhin: ich mag schönen Fußball! (Wolfram Jäger)

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