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Sport-Stammtisch vom 30. März

Wenn die Bayern heute schon als Meister feststehen sollten, wäre selbst beim besten Anti-Feier-Willen ein leistungsmindernder Spannungsabfall vor dem Juve-Spiel nicht zu verhindern. Aber sollen sie etwa freiwillig gegen den HSV verlieren? Quark. Es liegt also wieder mal am BVB, diesem Stachel im Bayern-Fleisch.
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Ein Stachel. Wie am Dienstag. Vier Dortmunder, vier Münchner in der Startelf. Vier Dortmunder Tore, ein von München verschuldetes Gegentor. Arme Bayern. Da spielen sie eine grandiose Saison, aber wer wird geliebt? Die Klopp-Jungs. Dazu die Schlappe im Basketball-Pokal – Uli Hoeneß, der Basketball zur Chefsache erklärt hat, fuchst dies besonders.
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Die blöden Pfiffe gegen Manuel Neuer haben nicht nur Hoeneß gefuchst, und viele fuchst auch, dass Sebastian Vettel weltweit Schimpfe kriegt, weil er das tut, was Sinn der Sache in der Formel 1 ist: Überholen. Am meisten aber fuchst uns alle das Wetter. Und das an Ostern, das nicht im Zeichen des Fuchsens, sondern des Hasen stehen sollte. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche? Von wegen! Wir müssen schon weiter im »Faust« blättern, um Goethes Ostergedicht 2013 zu finden: »Ach neige, / Du Schmerzensreiche, / Dein Antlitz gnädig meiner Not!«
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Was hat Gretchens Gebet mit Osterschnee zu tun? Das sehr hessische Geheimnis lüfte ich gleich. Zunächst enttarne ich den Schuldigen am Wetter, das zu dieser Jahreszeit normalerweise nur in Breitengraden anzutreffen ist, wo sich Fuchs und Hase bibbernd gute Nacht sagen: Ich bin es, der durch jahrelanges Mosern nun auch die anderen Sommersportler angestiftet hat, in dieser Woche gegen die Tele-Dominanz von Bi- und sonstigen Eis-und-Schnee-Athleten zu protestieren. Unser Oster-Wetter – die sehr kalte Rache der Wintersportler.
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»Ach neige, Schmerzensreiche …« – Mensch, Goethe, das reimt sich ja gar nicht! Jedenfalls nicht, wenn es sich um den Oster-»nääsch« dreht, das französische Wort für Schnee. Kennen Sie das wunderbare alte Lied »Les neiges du Kilimandjaro« von Pascal Danel? Hab mir’s gerade noch mal bei YouTube angehört. Soo schön.
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Aber das nur am Rande. Natürlich reimt sich »neige« auf »…reiche«. Nur für echte Hessen allerdings, und dass Goethe einer von uns ist, hat die Germanistik auch an diesem »Faust«-Reim erkannt: »Ach neische / Du Schmerzensreische …«.
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Aua! Tut’s sehr weh? Sorry. Auf schmerzensreich reimt sich halt auch scherzensreich. Kein genialer Gag. Nur albern (obwohl Goethes hessisches Reimpaar »neische/reische« wirklich wahr sein soll!).
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Genial ist sowieso ein Wort mit vielen »F«. Dazu ein Experiment, das ich vor einem Dutzend Jahren zu Ostern mit den »Anstoß«-Lesern gemacht habe. Es folgt die 2013-Probe aufs Exempel. Wichtige Bedingung: Spontan, ohne Bedenkzeit zügig lesen und gleichzeitig zählen. Wie viele »F« kommen im folgenden Text vor? Schnell, schnell. Auf geht’s:

FINISHED FILES ARE THE RE-
SULT OF YEARS OF SCIENTIF-
IC STUDY COMBINED WITH THE
EXPERIENCE OF YEARS

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Wie viele »F« haben Sie gezählt? Bei mir waren es im ersten Versuch drei. Angeblich kann das Gehirn das Wort »OF« nicht spontan verarbeiten, so dass es normal ist, wenn man drei »F« zählt. Wer auf Anhieb alle sechs »F« findet, gilt als Genie. Wer sieben »F« zählt, hat geschummelt oder muss das kleine Einmaleins wiederholen.
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Und sonst? Im »Spiegel« lese ich, dass bei der Lufthansa ein Topjob neu vergeben wird. »Wer im obersten Führungsgremium künftig Personalfragen vertritt, entscheidet sich zwischen dem Tarifexperten Peter Gerber und der ehemaligen Bahnmanagerin Bettina Volkens.« Peter Gerber! Unser langjähriger Schachmitarbeiter früherer Jahrzehnte, mit dem ich in der Redaktion oft Blitzschach gespielt habe. Vorgabe: Er musste mich in weniger als 20 Zügen Matt setzen. Immer schaffte er es schon nach 17, 18 Zügen. Im Lufthansa-Duell hat er allerdings ein Gender-Handicap, als müsste er ohne Dame spielen. Weil seine Konkurrentin eine ist.
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Zu guter oder schlechter Letzt, je nach Ihrer Laune, noch eine Oster-Aufgabe: Vor einigen Jahren habe ich mal den indischen Fakir erwähnt, der seit 1978 seinen rechten Arm nicht mehr bewegt hat. Der Arm verharrt in einer in Deutschland streng verbotenen Position. Unglaublich! Im Sinne von: muskelphysiologisch unmöglich. Versuchen Sie’s mal. Sie schaffen nicht mal eine Stunde. Schon gar nicht, wenn Sie Ihren Rekordversuch in der Öffentlichkeit starten.
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Dass der alte Inder seit 1978 auch seine Fingernägel nicht mehr geschnitten hat, ist nur logisch. Wie denn auch? Schöne Ostern! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle