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Karfreitag, 29. März, 6,20 Uhr

Schon gestern Abend die Rohfassung der Kolumne für Samstag geschrieben. Nachts aufgewacht und mir eingehämmert: Ja nicht vergessen, den harten Burschen Mario Götze einzubauen! Der Junge ist nicht nur ein begnadeter Techniker, sondern auch ein echter Haudegen: Lässt sich die klaffende Wunde an der Unterlippe ohne Betäubung und ohne jede Gemütsregung mitten auf dem Platz nähen! Aus lauter Angst, es zu vergessen, lange nicht mehr einschlafen können. Danach noch ähnlichen Quatsch geträumt.
Was bisher noch nicht im “Sport-Stammtisch” steht: Im “Spiegel” gelesen, dass bei der Lufthansa ein “Topjob neu vergeben” wird. “Wer im obersten Führungsgremium künftig Personalfragen vertritt, entscheidet sich zwischen dem Tarifexperten Peter Gerber und der ehemaligen Bahnmanagerin Bettina Volkens.” Peter Gerber! Unser Schachmitarbeiter früherer Jahrzehnte, mit dem ich in der Redaktion oft Blitzschach gespielt habe. Vorgabe: Er musste mich in weniger als 20 Zügen echt Matt setzen (also mich nicht nur so weit haben, dass jeder andere Schachspieler aufgeben würde). Immer schaffte er es schon nach 17, 18 Zügen. Im Lufthansa-Duell hat er ein Gender-Handicap, als müsste er ohne Dame spielen. Weil seine Kontrahentin eine ist.
Außerdem wieder interessante Informationen in meiner “Griechenland-Zeitung”: “Die anfängliche Abmachung mit der Eurogruppe, die eine relativ milde Zwangsabgabe auf die Einlagen vorsah, warfen sie mit Pauken und Trompeten aus dem Fenster. Wohlgemerkt: Die ursprünglich vorgesehene Steuer auf die Konten von 6,75 Prozent bzw. zehn Prozent entspricht auf Zypern Zinserträgen von lediglich zwei Jahren – ganz davon zu schweigen, dass diese bislang praktisch steuerfrei waren.” Passt gut zur Nachricht, die merkwürdigerweise nur kleine Schlagzeilen gemacht hat (gesteuert? Um die Verärgerung in Deutschland nicht zu steigern?), dass die privaten Vermögen in den quasibankrotten Südländern deutlich höher sind als in Deutschland.
Ebenfalls in der “Griechenland-Zeitung” erfahren, dass der einzige Arzt von Patmos gekündigt hat. Schöne Insel, hab ja fast auf jeder schon mindestens einmal geschlafen. Schlimmes Alarmzeichen. Nein, nicht dass ich schon mal dort geschlafen habe, sondern dass dies immer weniger Touristen tun werden, wenn sie wissen, dass sie mitten in der Ägäis ohne Arzt sind.
Diese alte Schote harrt ebenfalls der Wiederbelebung: Vor einigen Jahren habe ich mal den indischen Fakir erwähnt, der seit 1978 seinen rechten Arm nicht mehr bewegt hat. Der Arm verharrt in einer in Deutschland streng verbotenen Position. Unglaublich! Im Sinne von: muskelphysiologisch unmöglich. Versuchen Sie’s mal. Sie schaffen nicht mal eine Stunde. Schon gar nicht, wenn Sie Ihren Rekordversuch in der Öffentlichkeit starten.
Ach, einfach zu hübsch. Muss ich unbedingt einbauen. Mit dem Satz, dass der alte Junge auch seit 1978 seine Nägel nicht mehr geschnitten hat. Wie denn auch?
Zu guter Letzt die Meldung der Nacht von dpa: “An Ostermärschen nehmen die Menschen nach Ansicht des Konfliktforschers Johannes M. Becker vor allem zur Beruhigung des eigenen Gewissens teil. Sie seien vor allem für sich selbst dabei und nicht, um wirklich etwas zu bewegen.” Sagt ein Marburger Wissenschaftler. So ändern sich die Zeiten. Früher kamen aus der Uni Marburg ganz andere Töne.
Na ja, heutzutage sollten wieder viel mehr Menschen aus diesem Grund an den schwindsüchtigen Ostermärschen teilnehmen, statt aus dem gleichen Grund andere Aktivitäten vorzuziehen. Aber jede Zeit hat nun mal ihre eigenen Gewissensberuhigungsrituale.

Baumhausbeichte - Novelle