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Montagsthemen (vom 25. März)

Mercedes hält die Stallorder ein, Vettel bricht sie, Hamilton fährt an seine alte Box, Reifen geben Gummi ohne Ende, und die Formel 1 hat ihr Spektakel, das sie auch gewollt hat.
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So aufgeregt und aufregend wird’s morgen wohl nicht. Dann dreht sich alles zwar auch irgendwie im Kreis, aber eher zahlen- und wortspielerisch: Mit falscher 9 gegen tiefststehende 11? Tiki-Taka statt Ramba-Zamba?
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Spanien, das große Vorbild. Doch vor bloßem Abkupfern sei gewarnt. Siehe Finnland. Tiki-Taka ohne Ramba-Zamba wird leicht zum Rumpel-Pumpel. Wer sich im Mittelfeld bei 110 Prozent Ballbesitz selbst einschläfert, den muss ein Gomez wiederbeleben. Oder ein Torres. Den hatten wir ja schon mal. Den Salat.
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Es dreht sich nicht nur im, sondern um den Kreis herum, wenn Kasachstan wieder »wie im Feldhandball um den eigenen Sechzehner« (Löw) steht. Feldhandball? Ist der Bundestrainer schon so alt, dass er diesen urdeutschen Traditionssport noch erlebt hat, der in den frühen 60er Jahren vom Hallenhandball erst ergänzt und dann abgelöst wurde?
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Feldhandball wurde zwar auch mit elf Spielern auf (in Drittel eingeteilten) Fußballplätzen mit Fußballtoren gespielt, die beiden Torraum-Drittel durften aber mit höchstens sechs Feldspielern betreten werden. So verbrachten manche älteren Feldhandballer ihr aktives Sportler-Restleben im Abwehrdrittel, andere dagegen liefen absichtlich nach einem Angriff so langsam zurück, dass sie im Mitteldrittel stoppen mussten, weil das Abwehrdrittel schon von sechs eifrigen Mitspielern besetzt war (hier schreibt so ein lauffauler Schluri).
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Ob Tiki-Taka oder Ramba-Zamba, La Ola geht immer, selbst bei Rumpel-Pumpel. Die/La Ola/Welle wird im Sprachgebrauch oft gleich doppelt doppelt gemoppelt, und morgen wird sie ganz gewiss durchs Stadion schwappen. Auch dazu gibt es mittlerweile eine der Untersuchungen, die analerotisch Verwirrten so viel Freude bereiten, weil das, was hinten rauskommt, warme Luft ist: Die Wissenschaft hat festgestellt, dass 75 Prozent der Wellen im Uhrzeigersinn durchs Stadion rollen. Was daran liegt, dass die meisten Menschen Rechtshänder sind. Nur 25 bis 30 Wellen-Anschieber sind nötig, dann rollt La Ola »mit zwölf Metern pro Sekunde auf sechs bis zwölf Metern Breite durch die Stadionreihen« (Quelle: »Nature«).
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Zusatzfrage: Zu was wird La Ola, wenn sie von hundert Rechts- und hundert Linkshändern angestoßen wird? Zum Tsunami? Oder nur zum Schunkel-Syndrom? Das jeder kennt und fürchtet, der schon einmal dort saß, wo sich die uneinheitlich angestoßenen Schunkel-Wellen brachen.
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Dass die Ola-Studie dazu dienen soll, aus der Ausbreitung von Waldbränden auf das Verhalten von (zum Beispiel flüchtenden) Menschen in der Masse schließen zu können, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, hat aber auch mit Sport zu tun. Ohne Spaß, denn das ist ernst: Wenn die Ola-Studie sich aufschaukelnde Stadion-Paniken verhindern könnte, hätte sie keinen Spott, sondern den Nobelpreis verdient.
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Und sonst? Zypern. Na ja, nicht unser Thema. Aber auch hier findet ein Journalist und Sportkolumnist den Assoziationsweg zurück zum eigenen Metier. Zu denen, die es richten sollen, gehört Madam Christine Lagarde, die IWF-Chefin. Letzte Woche wurde ihre Wohnung in Paris durchsucht, wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder in der Tapie-Affäre, die schon ein paar Jährchen zurückliegt. Verbindung zum eigenen Metier: Tausendsassa Bernard Tapie ist nicht nur sehr schillernder Politiker und Geschäftsmann, sondern war auch Adidas-Aufkäufer, Schauspieler, Sänger, Formel-3-Fahrer, Boss des Radstalls »La Vie Claire« (mit Hinault, LeMond), des Fußballklubs Olympique Marseille und manches mehr. Er soll einmal gesagt haben (Quelle: »SZ«): »Was nützt es, eine Zeitung zu kaufen, wenn man einen Journalisten kaufen kann?«
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Nun ja, bei mir biss er auf Granit. Enttäuscht begnügte er sich mit der schlechteren Alternative: Vor wenigen Monaten kaufte Bernard Tapie die großen südfranzösischen Zeitungen »La Provence« und »Nice-Matin«.
Au revoir. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle