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Sport-Stammtisch (vom 16. März)

Schade, dass Bayern und der BVB nicht aufeinandertreffen, sagt der Pessimist: Dann käme wenigstens ein deutscher Klub ins Halbfinale. Prima, dass sie auf andere Gegner stoßen, freut sich der Optimist, denn so kommen beide weiter.
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Malaga oder Turin? Hauptsache Frankreich … Quatsch: Hauptsache Halbfinale. Zum Quatsch später. Also: Malaga mit zwei alten Bekannten, die man gerne wiedersieht: Demichelis, Roque Santa Cruz – solche fußballerischen Allerweltsjungs jagen keinen Schrecken ein. Turin jedoch mit einem alten Bekannten, dem deutsche Fußballer nie wieder begegnen wollten: Pirlo – Aktionsradius kaum größer als ein Bierdeckel, schnell wie eine Weinbergschnecke mit Kreuzbandriss, ausdauernd wie ein kettenrauchender Asthmatiker, aber listig wie ein Fuchs, mit genial hinterlistigem Fuß und cooler als alle Frankfurter Gassenkönige des Gallusviertels zusammen.
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Auch cooler als Armin Veh. Und der gibt ja zur Zeit den Obercoolen. Lässt Journalisten gerne auflaufen. Mit Ironie, Sarkasmus und nun auch mit Sophismus. Das kommt zwar von Weisheit (griechisch »sophia«), hat aber mehr mit schlau-vertrackter Rhetorik zu tun. Sie wissen schon: Alle Kreter lügen, sagt der Kreter.
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Geht Veh zu Schalke? »Ich habe gelesen, dass ich einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen habe. Das stimmt nicht! Das kann ich definitiv ausschließen.« Was schließt er definitiv aus: Dass er zu Schalke wechselt? Oder nur, dass der vereinbarte Vertrag schon unterschriftsreif ist?
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Übungsaufgabe für Journalisten, die sophistisch mit Veh mithalten wollen: Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze. Keine Katze hat zwei Schwänze. Also hat eine Katze drei Schwänze, ist doch klar, oder?
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Auch mit verquerer Logik kann ich mich nicht aus einem Fehler (Schalke-Gegner Piräus) in den letzten »Montagsthemen« rausreden. Da hilft kein Sophismus, nur Andimöllerismus: Piräus oder Istanbul, egal: Hauptsache Italien.
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Uwe Paulus (Biebertal), »neugieriger Anstoß-Leser der ersten Stunde« (und die schlug sehr früh!) hat mich auf den Piräus-Lapsus aufmerksam gemacht, aber auch auf diesen: »Am letzten Montag konnte ich in Ihrer Zeitung lesen, dass Herr Heynckes wie folgt zitiert wurde: ›Das Spiel war schwierig, weil der Gegner in der Bedrouille war.‹ Wie wird da bei der Zeitung eigentlich verfahren, wird das Zitat auch mit Fehlern angegeben oder korrigiert der Sportredakteur?«
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Leser Paulus forschte selbst googelnd nach und fand Heynckes’ »Bedrouille« auch bei Spiegel und ZDF online. Hat’s Heynckes so gesagt? Haben es die Kollegen hämisch feixend übernommen? Hat’s Heynckes richtig gesagt, aber ein Agenturjournalist piräusmäßig geschludert und die anderen mit ihm? Ich weiß es nicht. Ich jedenfalls handle stets nach der Devise, ab und zu mal mich, aber nie den Interviewten dumm aussehen zu lassen, seine Fehler also auszubügeln. Klar ist es bei Kommafehlern im Zitat: Die sind immer auf dem Mist des Redakteurs gewachsen.
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Oft vor kommen auch Betonungsfehler, zum Beispiel den Ténor, die Tendenz einer Sache, singen zu lassen wie einen Tenór – doch das verliert sich zwischen Hören und Schreiben.
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Heynckes hatte schon tief im letzten Jahrtausend in Frankfurt so seine Probleme damit, als er die »horrenden Summen« beklagte (und auf der ersten Silbe betonte), die Eintracht-Profis verdienten.
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Und die immer noch vergleichsweise horrenden Summen, die Eintracht-Profis heutzutage verdienen, verdienen sie, verdient ihr nur, Alex & Co., wenn ihr morgen dreifach punktet, ist das klar!?
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Ach so, ja. Die Bedrouille. Es muss natürlich Pedrouille geschrieben werden. Nein, Pretouille. Oder doch Bretouille? Predouille? Nein, ich hab’s: Patrouille. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle