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Sonntag, 10. März, 22.20 Uhr

Meines Wissens noch nie etwas zu Til Schweiger geschrieben. Aber viel über ihn gelesen, vor allem in den großen Feuilletons. Was natürlich beeinflusst. Negativ. Daher auch seine letzten Filme nicht sehen wollen. Weil: Befürchtet, aber keine Lust, der gleichgeschalteten Kultur-Nomenklatura zustimmen zu müssen. Im Kopf immer die nuschelige Stimme. Sie trifft meinen Nerv wie der Bohrer meines Zahnarztes, da sie auf mich wirkt wie eine Parodie auf das Nölend-Verzogen-Affektierte vieler seiner Generation. Aber der Junge kommt aus Hessen, aus Mittelhessen, aus Gießen (Heuchelheim) sogar, ist einer von uns (und war wohl auch Patient bei meinem Zahnarzt, jedenfalls hing mal ein Foto von ihm und den Mädels in der Praxis), daher habe ich immer aus lokalpatriotischer Solidarität geschwiegen. Aber jetzt: Tatort. Wollte ich auch nicht gucken, wegen siehe oben. Von der Liebsten meiner liebsten Zielgruppe überredet worden. Ergebnis: Große, positive Überraschung. Schweiger schafft es, den alten Tatort neu aufzumischen, ohne ihn neu erfinden zu wollen. Gestandenes Krimi-Publikum wird nicht verprellt (wenn es nicht zu etepetete ist), neues könnte dazu kommen. Spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Prima Plot, punktgenau gespielt, lakonisch, aber nicht als Masche. Dazu ein spezieller, guter, beiläufiger Humor, vor allem mit seinem Assi. Der könnte Schweiger sogar ein bisschen von der Schau stehlen. Vermutung, ohne Til Schweiger zu kennen: Der gönnt ihm das auch. Und das noch: Angekündigt als Tribut an einen Vorgänger, gefiel mir Schweigers Tatort-Kommissar bei weitem besser als Götz Georges mir nie näher gekommener Schimanski. Reife Leistung. Kompliment. Respekt.

Baumhausbeichte - Novelle