Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 9. März)

Die Welt ist ungerecht, die Sportwelt noch viel ungerechter. Da spielt der FC Bayern alle an die Wand und aus den Schuhen, beherrscht die Bundesliga in schier unglaublicher Überlegenheit, verbreitet in Europa Furcht und Schrecken, gewinnt zudem gegen den BVB mit dem höchsten 1:0 der jüngeren Ligageschichte – und dennoch schwärmt alle Fußballwelt nur von Borussia Dortmund.
*
Ich ja auch. Aber im Überschwang vergisst man zu leicht, dass die Münchner in dieser Saison bisher eine halbe Klasse besser sind, und selbst das 3:0 gegen Donezk war kein Fußball vom anderen Stern, sondern »nur« eine richtig gute Leistung, bei der aber auch hin und wieder alte Verwundbarkeiten sichtbar wurden.
*
Neuestes Gerücht: Lothar Matthäus wird Klopps Co-Trainer. Woher ich das habe? Von mir. Schließlich hat sich Matthäus nach überschlägiger Zählung bisher nur beim BVB noch nicht ins Gespräch gebracht, dann erledige ich das mal für ihn. Herrlich, wie er bei Sky erzählte, Fürths Präsident habe ihn unbedingt verpflichten wollen, er, Matthäus, habe aber abgesagt, weil: »Es hat nicht gebassd.«
*
Außer beim BVB hat Matthäus nun aber wirklich überall die Finger im Spiel. Sogar in der Causa Wulff. Dem Ex-Bundespräsidenten, in dieser Kolumne schon vor der Affäre zu oft despektierlich Vronisihrnfreundfreund genannt, wofür ich mich entschuldige, genau wie bei Felipe Santana, den ich im Vergleich zu Dante abqualifiziert hatte, der sich aber zum eigentlichen Helden des Donezk-Spieles aufschwang, und wenn ich schon mal beim Entschuldigen bin: Sorry, Cristiano Ronaldo, für alle Erpel- und Gockel-Stänkereien, Sie sind nicht nur ein Klasse-Fußballer, sondern auch ein großer Sportler (ManU-Grandezza!) … Hilfe! Ich habe mich im eigenen Satz verlaufen, noch mal beginnen bei … dem Ex-Bundespräsidenten kann kaum etwas gerichtsfest nachgewiesen werden, und selbst die letzten Peanuts, eine Hotelrechnung, fallen womöglich weg, denn, lese ich im »Spiegel«, die befragten Hotelangestellten können sich nicht an den Bezahlvorgang Wulff/Groenewold erinnern, sie waren abgelenkt von einem anderen Gast, der sich vorgedrängelt hatte: Lothar Matthäus. Das Phantom.
*
Phantom … Phantom … da war doch noch was? Ach so, ja: Das ehemalige Wunderpferd Totilas hat sich verletzt, als es eine Phantom-Stute besprang. Wobei »das« für einen Deckhengst nicht der geschlechtlich angemessene Artikel ist. Eine Phantom-Stute kann man sich in etwa vorstellen wie ein richtiges Pferd – allerdings nur als Turngerät. Totilas wird erneut für längere Zeit im Dressur-Viereck ausfallen – Rache des rutengefoppten Hengstes?
*
In Griechenland schreit das gefoppte Volk nach Rache. Die Mächtigen bauernopfern ihm einen nicht mehr Mächtigen: Vassilis Papageorgopoulos, Ex-Bürgermeister von Thessaloniki, wurde wegen Unterschlagung verurteilt – zu einer lebenslangen Haftstrafe! Was das mit Sport zu tun hat? Papageorgopoulos kam als Sprinter 1972 bei Olympia in München ins Viertelfinale und hat über 100 Meter eine (handgestoppte) Bestzeit von 10,0.
*
Die Information habe ich aus meiner »Griechenland-Zeitung« (GZ), wie auch die Nachricht, dass Griechenlands Reeder »trotz Schuldenkrise an der Weltspitze fahren«. Allein in der Handelsschifffahrt haben sie zwischen 2002 und 2011 175 Milliarden Dollar verdient – und dafür keinen Cent Steuern bezahlt, denn seit 1967 sind sie von dieser lästigen Bürgerpflicht befreit. Schön auch, dass ich beim Umblättern auf einer ganzseitigen Anzeige sehe, wo gewisse Griechen ihr Geld anlegen sollten, wenn sie »eine kompetente Betreuung für ihr Vermögen suchen«: in Luxemburg. Bei der deutschen Volksbank.
*
Das klassische »GZ«-Zitat der Woche führt uns endlich zum Sport zurück: »Verlange nicht, dass sich die Dinge so abspielen, wie du das gern hättest, sondern wolle lieber, dass alles so abläuft, wie es abläuft, und du wirst dich wohler fühlen.«
*
Na ja, die heutigen Griechen fühlen sich gewiss nicht wohler, wenn sie sich von ihrem alten Epiktet (50 bis 120 n. Chr.) einreden lassen, alles so zu wollen, wie es abläuft. Auch vom Fußball hatte Epiktet noch wenig Ahnung – oder sollen Eintracht-Fans, die dringendst verlangen, dass sich morgen die Dinge in Hannover so abspielen, wie sie es gerne hätten, sich im Falle einer Niederlage wohler fühlen, wenn sie sich nachträglich einreden, alles so gewollt zu haben, wie es abgelaufen ist? Dann siegt mal lieber schön. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle