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Sport-Stammtisch (vom 2. März)

Klar, die Bayern waren besser. Aber dennoch ging es sehr, sehr unfair zu. Auf jeder Seite ein brasilianischer Innenverteidiger – aber mit welch ungleich verteilten Gaben! Außerdem spielte der BVB mit einem Mann weniger, da Lewandowski im Geiste schon das Bayern-Trikot spazieren trug.
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Verträge im Fußball sind nicht von der Maxime »Pacta sunt servanda« geprägt, sondern davon, dass ihr Bruch zur unerlässlichen Geschäftsgrundlage gehört. Bei Vertragseinhaltung würde Dortmund mit 30 Millionen Verlust bestraft. Und wenn die Bayern sagen, sie wollen den Polen erst nach Ablauf seines Vertrages, sparen sie nicht nur diese 30 Millionen, sondern schwächen auch den Konkurrenten, denn ein Lewandowski auf Bayern-Abruf würde die heile BVB-Welt disharmonieren.
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In der NBA schließen sie noch ganz andere Verträge. So hatte Tim Ohlbrecht, bevor er mit den Houston Rockets das große Los zog, zu seinem Glück ein Angebot der Boston Celtics abgelehnt – dort sollte er einen Zehn-Tages-Vertrag unterschreiben!
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Als Jürgen Klopp vom »chinesischen Muster« der Bayern sprach, klang er ein kleines bisschen wie ein schlechter Verlierer. Zwar warf er ihnen keine organisierte Kriminalität à la Triaden (der chinesischen Mafia) vor, aber immerhin die unfeine Art der Schwächung von Konkurrenten durch Wegkaufen und Abkupfern.
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Man muss Wahrheiten nicht immer aussprechen. Gegen diese nicht nur diplomatische Gepflogenheit hat auch ein anderer verstoßen, zum wiederholten Mal. Italien wählt zwei Clowns? Sagt man nicht. Nicht als deutscher Politiker. Außerdem hatte bei uns eine ganze Clown-Truppe zwischenzeitlich zweistellige Zustimmungszahlen. Mittlerweile steht sie bei zwei Prozent. So weit sind die Italiener allerdings noch nicht.
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Beim Rollenspiel der Wrestler gibt es den Part des bösen Clowns. Der ist aggressiv witzig, hinterhältig und nur auf seinen Vorteil bedacht. Er legt harmlose Menschen auf mieseste Weise rein und tut dann so, als sei er’s nicht gewesen. Obwohl das Publikum weiß, welch ein Drecksack dieser Kerl ist, fällt es immer wieder auf ihn rein, da er nach jeder bösen Tat wieder den tollen, gutherzigen Kerl gibt, dem man doch eigentlich vertrauen können … sollen … müsste. Wie hieß bloß der Kerl, der zu Hulk-Hogan-Zeiten den bösen Clown gab? Silvio …? Nee, ich hab’s: Doink The Clown.
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Muss man nicht wissen. Manches will man auch nicht wissen. »Zehntausende singen ein Schimpfwort«, schreibt die Südddeutsche Zeitung, denn nach dem Spiel »wurde das Ballermann-Lied ›Ladioo‹ dazu benutzt, Borussia Dortmund eine üble Beleidigung hinterherzusingen«. Ballermann-Lied? Ladioo? Nie gehört. Welches Schimpfwort? Mir völlig egal. Ohren zu und durch.
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Jubiläum der Woche: Vor 50 Jahren wurden Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler Weltmeister im Paarlauf. Bäumler tourt noch heute durch die Lande – als erfolgreicher Boulevard-Schauspieler. Humor hat er, auch bitteren: »Eiskunstlaufen war nie mein Hobby. Freiwillig macht das niemand. Oder glauben Sie, dass ein vierjähriges Kind zur Mutter sagt: Mami, wann darf ich mir wieder die Füße blutig laufen?«
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Sie sind kein BVB-Fan und dennoch furchtbar traurig? Dann liegt das aber nicht an diesem Rekordwinter, dem trübsten seit mindestens Menschengedenken. Zwar leidet jeder Zehnte unter dem »Winter-Blues«, das liegt aber nicht am Lichtmangel, sondern an fehlenden Gerüchen. Ich habe es an dieser Stelle schon einmal bewiesen beziehungsweise vom Psychologen Teodor Postolache beweisen lassen, der bei Tests mit Winterdepressiven entdeckte, dass diese einen empfindlicheren Geruchssinn hatten als die gut gelaunten Kontrollpersonen. Auf die Idee kam der US-Psychologe durch eine Patientin, deren winterliche Ehedepression immer dann schlagartig endete, wenn tauender Boden den Duft faulender Blätter freigab.
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Wer nichts mehr riecht, wird mies gelaunt? Kommt davon auch die Redensart, jemanden nicht mehr riechen zu können? Ich verspreche allen Winter-Blues-Geschädigten Abhilfe: Erstens soll heute die Sonne scheinen, zweitens wärmer werden (Duft faulender Blätter!), und drittens, wenn’s dennoch trüb und frostig ist: Im Winter bevorzugen die Deutschen als Stimmungsaufheller helle Farben um sich herum, vor allem Rot und Gelb, die nicht nur die Farben der griechischen Götter sind, sondern auch die unserer daher garantiert stimmungsaufhellenden Kolumne. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle