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Donnerstag, 28. Februar, 16.00 Uhr

Im Zirkus gibt es den guten, lebensklugen, aber etwas simpel gestrickten Clown, beim Wrestling den Part des grundbösen Clowns. Der böse Clown ist aggressiv witzig, hinterhältig und nur auf seinen Vorteil bedacht. Er legt harmlose Menschen auf mieseste Weise rein und tut dann so, als sei er’s nicht gewesen. Obwohl das Publikum weiß, welch ein Drecksack dieser Kerl ist, fällt es immer wieder auf ihn rein, da er nach jeder bösen Tat wieder den tollen, gutherzigen Kerl gibt, dem man doch eigentlich vertrauen könnte .. sollte … müsste?
Dennoch sollten wir nicht so steinbrückmäßig auf die Italiener schauen. Unsere Piraten sind zwar nicht böse, aber dass sie zwischendurch Mal zweistellige Zustimmungszahlen hatten, war fast noch italienischere Irrationalität als die originale.
Wie hieß bloß der Kerl, der zu Hulk-Hogan-Zeiten den bösen Clown gab? Vergessen.
Aus der Kolumnen-Werkstatt: Für den morgen zu schreibenden Stammtisch habe ich noch keine Idee. Das Spiel, DAS Spiel soll keine Rolle spielen, dazu ist bis dahin alles gesagt. Vielleicht nur en passant anmerken, dass Dortmund in Unterzahl gespielt hat, da Lewandowski im Geiste schon das Bayern-Trikot spazieren trug. Zu Verträgen an sich: Absolute Ausnahme, dass pacta servanda sunt. Ablösesummen sind dazu da, um Verträge zu brechen. Wenn die Bayern sagen, sie wollen Lewandoski erst nach Ablauf seines Vertrages, sparen sie nicht nur 30 Millionen, sondern schwächen auch den Konkurrenten, denn Lewandowski wird als halber Bayer nur noch halb so viel Leistung bringen können. Nicht, weil er nicht wollte, sondern weil er nicht können wird.
Für Ohne weitere Worte diesen “Teledialog” aus der FAS vorgemerkt, Ildiko von Kürthy bei Beckmann zum Thema Männer und Frauen: “Mein Sohn hingegen, der spricht auch schon leider sehr viel, fast weiblich schon. Er stand heute Nacht um vier Uhr an meinem Bett und schrie: ‘Meine Faust hungert nach Gerechtigkeit.’ So viel zum Unterschied zwischen Männern und Frauen.” Heute Nacht um vier Uhr? Da regt sich etwas im Mittelfrist-Gedächtnis. Und jetzt live weiter. Ich verlasse mal kurz den Blog und klinke mich ins Redaktionsarchiv ein, Moment …

Wirklich sehr live, der Werkstattbericht. Wieder auf eine falsche Taste gekommen, plötzlich füllt die Seite den ganzen Bildschirm aus, und ich komme nicht raus, weil nirgends etwas anzuklicken ist. Bub angerufen. “Drück mal F11.” Ha, soxa to theo! Geht wieder. Und schon finde ich im Archiv, was im Mittelfrist-Gehirn rumort hat:

Haben Sie sich eine Tochter gewünscht? – »Ja. Und jetzt habe ich zwei Söhne. (…) Wenn ich diese Mädchen sehe, die so ausdauernd im Sandkasten sitzen und Sandkuchen backen. Und mein Sohn wälzt sich daneben im größten Hundekothaufen und schreit: ›Meine Faust hungert nach Gerechtigkeit.‹ Der ist fünf. Da denkt man doch: Vorsicht beim Absetzen der Pille.«

Habe ich im August 2012 in “Ohne weitere Worte” aus einem SZ-Interview mit Ildiko von Kürthy zitiert. Aber ob im August 2012 im Sandkasten oder im Februar 2013 am Bett – egal, hauptsache witzig. Außerdem recycle ich meine Texte ja ebenfalls schamlos. Morgen denke ich daran, wegen des trübsten Winters seit mindestens Menschengedenken noch einmal den Duft verfaulender Blätter als wirksames Mittel gegen den Winter-Blues anzupreisen.
Soxa to theo? Socken für Theo? Nee, lautschriftlich “Gott sei Dank” auf griechisch (den theo muss man mit ti-eitsch aussprechen, soxa auf der ersten Silbe und theo auf dem o betonen).
So, das war nicht nur ein erfüllter Bildungsauftrag mit Griechisch-Grundkurs, sondern vielleicht auch schon ein Steinesbruch für die nächste Kolumne. Die Stunde am Blog muss sich wenigstens ein bisschen lohnen. Um 16.00 angefangen, jetzt 16:59, wegen der falsch angetippten Taste. Jetzt aber Schluss.

Baumhausbeichte - Novelle