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Ohne weitere Worte (vom 26. Februar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Ich hatte, noch als Radioreporter, einmal das Vergnügen, Franz Beckenbauer zu interviewen. (…) Da stand es 0:0, und ich (…) habe gefragt: ›Herr Beckenbauer, wie haben Sie die erste Halbzeit gesehen?‹ Er hat dann so etwas gesagt wie: ›Es steht ja jetzt 0:0, was fehlt, ist ein Tor, wenn ein Tor fällt, dann steht’s hier 1:0, und 1:0 ist kein Unentschieden, dann sieht’s ganz anders aus.‹ (…) Man hat in dem Moment so einen großen Respekt (…) vor der Lichtgestalt (…), da steht man dann davor und nickt und denkt: Der Mann hat ja so recht!« (Parodist Matze Knop im FAS-Interview)
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War der Rasen zu hart? Oder fühlten sich Messi, Piqué und Iniesta nicht ganz wohl in ihren lächerlichen Auswärtstrikots, in denen sie aussahen wie saure Drops mit viel Farbstoff? (…) Selten sind Barcelonas Schwächen derart schonungslos offengelegt worden. (…) Die Lücken in der Abwehr. Die zum lustlosen Exerzitium verkommene Ballbesitz-Liturgie. (…) In Mailand wirkte Barca wie eine Altherrenmannschaft, die ihr lang erprobtes Repertoire nicht mehr richtig beherrscht. (Birgit Schönau in der Süddeutschen Zeitung)
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»Deutschland, speziell Dortmund, ist meine zweite Heimat. Ich habe einen deutschen Pass, eine deutsche Frau, einen deutschen Hund und ich besitze ein Haus in Herdecke.« (Dede im Kicker-Interview)
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Damals hat ein Rot-Weiß-Oberhausen-Fan nach dem Spiel einen Senftopf in den Bayernbus geworfen. Hoeneß: »Den Kerl haben wir in den Bus gezogen, in seinen Senf getunkt und ihn wieder aus dem Bus rausgeworfen. Das war, glaube ich, eine Randnotiz in der Süddeutschen Zeitung. Was wäre heute los? Der Film stünde auf YouTube; Schlagzeilen auf dem Boulevard, eilig anberaumte Talkshows.« (SZ)
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»Er ist froh, bei uns zu sein. Arjen braucht einen Verein, der gute Ärzte hat.« (Uli Hoeneß im Sport-Bild-Interview)
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»Das Unangenehme an Trittins öffentlicher Wichtigtuerei ist, dass man das Gefühl hat, es steckt ausschließlich das Kalkül des Stimmenfängers dahinter. (…) Ich finde diesen Kotau vor der öffentlichen Empörung schändlich.« (Schauspieler und Werder-Fan Matthias Brandt über den Protestbrief von Werder-Fan Jürgen Trittin gegen das Sponsorship von Wiesenhof; zitiert in der SZ)
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»Wenn der Staat ein Rennwagen wäre, würde nicht einmal eine Mischung aus Schumacher, Alonso und Senna damit ein Rennen gewinnen. Zu langsam, zu teuer, zu kompliziert.« (Ferrari-Boss Luca di Montezemolo im Stern über den italienischen Staat)
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»Als ich gesagt (…) habe, dass ich nicht mehr schreiben (…) mag, war das zunächst eine Form von Befreiung. (…) Aber diese Freiheit hat sich ganz schnell als Leere herausgestellt. (…) Denn diese Befreiungslangeweile ist beschissen. (…) Und natürlich gibt es Alters-Depressionen: Du sitzt da und siehst dir beim Verfaulen zu.« (Franz Xaver Kroetz, 67, im Welt-Interview)
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Die »Frankfurter Allgemeine« in einem Porträt über den doppelt beinamputierten Sprinter Oscar Pistorius: »Er nahm seine Waffe und schlich auf Zehenspitzen die Treppe hinunter.« (aus dem Spiegel-»Hohlspiegel«) (gw)

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