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Sonntag, 24. Februar, 5.45 Uhr

Fünf Uhr fünfundvierzig. Um diese Zeit habe ich früher zurückgeschossen. Selbst daran schuld, wenn die Nacht so früh zu Ende geht. Fünf Stücke Torte zum Kaffee, der nahtlos ins Abendessen übergeht, bei dem zehn verschiedene Käse den Magen schließen. Und warum trinke ich so viel Sekt, obwohl ich Sekt nicht mag?
Kein Wunder also, dass sich wieder ein Wort zwischen Traum und Schlaf drängt, ihn verdrängt und mir der Morgen schon graut, bevor er selbst zu grauen beginnt. Katschemäen, Katschemäen, Katschemäen. Was ist das? Ein Pygmäenstamm? Oder ist es ein Verb? Von Schwarzenbeck abgeleitet? Als Katsche seine bzw. Beckenbauers Gegenspieler umsenste, war das Katschemäen? Nein, Katschemäen-Unterricht, das ist es. Da war ich früher, hatte was mit Kindergottesdienst zu tun. War ich ein Katschemäe? Und wie schreibt sich das richtig? Wahrscheinlich habe ich es so was von falsch geschrieben, dass mir nicht einmal Google (“”meinten Sie …?”) den Weg weisen kann. Hat aber wohl was mit Katechismus zu tun. Ach, Moment, ich klinke mich mal kurz aus, drücke schon mal auf “Publizieren”, stelle diesen Anfang online und google mir die Katschemäen.

So, wieder da. “Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage übereinstimmenden Dokumente gefunden.” Ich weiß also nicht, was soll es bedeuten, dass ich nicht schlafend bin, ein Wörtchen aus uralten Zeiten, geht mir nicht aus dem Sinn. Ich glaube, die Hirnzellen verschlingen am Ende Tschmäen und Ka, und das hat mit seinem Völlen Senilmann selber getan.
Aber vielleicht bin ich ja so früh wach (und fit und munter; zu munter, siehe Loreley), weil ich mich selbst vorprogrammiert habe (eines meiner Lieblings-Oberlehrerwörter, denn alles Programmieren ist Vorprogrammieren). Geplant war, ganz früh aufzustehen, Blog zu schreiben, Montagsthemen vorzuthematisieren, über die Sauerlandlinie nach Bergneustadt zur Welpenstunde zu düsen, zurückzufahren, BVB live gucken und dann die Montagsthemen zu schreiben. Doch der Züchter hat gemailt, dass die Stunde wg. Wetters ausfällt, also muss ich die allerliebste Zielgruppe nebst Hundchen nicht begleiten. Aber schon auf das Tagesprogramm programmiert, war ich zur Zurückschießenszeit schussmunter zur Stelle.
Stimmt das eigentlich alles, was ich im Blog an Privatem rumbrabble? Natürlich nöö. Nur manches. Ob es zum Beispiel stimmt, dass ich die allerliebste Zielgruppe gestern öffentlich tief bedauert habe, dass sie seit ein paar Wochen jede Nacht zweimal mit dem Hundchen rausmuss, das zum Pipimachen fiept, und ich dann, statt wegen meines Mitgefühls als empathisch vorbildlich frauenverstehendster Menschenmann gelobt zu werden, als alter, verwöhnter Macho in die Ecke gestellt werde und es erst gar nicht verstehe (“Wie oft bist Du schon nachts rausgegangen?” – “Ich? Ähhhh. Wieso ich?” – “Unglaublich!”) … und wie bring ich dieses hypotaktische Satzungetüm grammatisch einigermaßen korrekt über die Bühne? … so vielleicht? … müssen Sie selbst entscheiden.
Endgültig vorbei war die Nacht, als sich Schandis kakophonisch zwischen die Katschemäen drängten. “Sie spielen doch nur Räuber und Schandi”, das wollte ich mir als Stichwort merken, als ich gestern in den Nachrichten hörte, dass sich ein paar Eintracht-Fans mit Freiburgern gekloppt haben. Und so was kommt in den Nachrichten! Da bin ich dann doch mal “ganz nah” bei den Fans. Man kann’s auch übertreiben. Echter Krawall ist die eine Seite, Pyromanie in dichter Menschenmenge ebenfalls, da verstehe ich keinen Spaß (dass Hoeneß sich einen Spaß macht, die Feuerwerkerei bayernhoffähig zu machen, lass ich unkommentiert; mittlerweile fühlt er sich wohl sakrosankt wie ein Altkanzler, der auch sagt, was er will und dafür Beifall bekommt), aber wenn ein paar böse Frankfurter Buben ein paar braven Freiburger Jungs die Schals klauen, gehört das nicht in die Nachrichten, sondern in die Rubrik “Räuber und Schandi” spielen.
Schandi. Auch so ein Wort aus uralten Zeiten. Als wir es gespielt haben, nie darüber nachgedacht, was es bedeutet. Erst Jahre später fiel der Groschen: Der Schandi war ein eingehessischter Gendarm.
Mal kurz in die Nachrichten der Nacht reingucken: “32 Verletzte bei Nascar-Rennen.” Wird bestimmt ein Youtube-Hit. / “Piraten leiden unter dramatischem Mitgliederschwund.” Es gibt sie doch, die Schwarmintelligenz! / “Miss Germany: ‘Ich trage die Krone für Deutschland’” Prima. Besser als für Deutschland zurückzuschießen. / “George Harrison würde 70.” Ach, der gute Georgie. Früher sahen viele so aus wie er, und das kam bei den Mädchen so was von an! Zum Neidhassen! Ich dagegen sah eher aus wie der nächste runde Geburtstagler: “Gert Fröbe vor 100 Jahren geboren.” Und zwar wie Gert Fröbe lange vor “Goldfinger”, so knochig wie als “Otto Normalverbraucher”.
Und was gab’s bei “Wetten dass?”. Guck ich ja schon lange nicht mehr, war mal jahrelang Montagsthemen-Lieferant, seit Gottschalks Abgang nicht mehr. Oha, gestern muss es ja ganz hart gewesen sein: Der Wettgewinner öffnet mit den Speichen des Fahrrads Bierflaschen und heult dann, weil er die Wette zusammen mit seinem verstorbenen Vater ausgeheckt hatte. Wie gut, dass ich’s nicht gesehen habe. Auch Heino war da, der neue Rocker. Diese Geschichte ist derart blöd, dass man kein Wort dazu sagen sollte. Oder wenn doch, dann nur, wenn man eine geniale Seite-3-Geschichte schreiben kann wie Holger Gertz in der Süddeutschen. Ein, zwei Zitätchen fallen für “Ohne weitere Worte” ab.
Kaffee-Nebenprodukt: Der Neffe hat sein Profilbild geändert. Nun mit Welpe. Ich würde das Hundchen ja auch gern mal mit Bildchen im Blog präsentieren. Würde auch gerne ein altes Foto, das ich Al Feuerbach mailen will (Hi Al, you remember Hannover 1975?), zur Belustigung freigeben. Aber aus irgendeinem Grund hat sich die Word-Press-Seite geändert, es gibt keine Werkzeuge mehr fürs Schriftbildändern und keine anklickbaren Stellen, um Fotos reinzuladen. Wahrscheinlich ist es nur ein Millisekundenhandgriff, aber ich bin zu stur, um Hilfe zu bitten. Aber wenn Sie … ach was, ich will das, was ich schon als Kind gewollt habe: Alleine machen!
Der Streuwagen kommt! Wieviel Uhr ist es? Was, schon sieben? Ganz schön lange rumgebrabbelt. Jetzt aber Schluss.

Baumhausbeichte - Novelle