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Montagsthemen (vom 25. Februar)

Auf die Schlagzeile gebrachte Übereinstimmung fast aller Kommentatoren: »Müde Nullnummer.« Liewwe Leut, was für ein Spiel habt ihr denn gesehen? Doch nicht das 0:0 zwischen Freiburg und Frankfurt? Diese hochinteressante, spannende und systemtaktisch hochklassige Begegnung zweier Mannschaften, die schon seit Monaten am oberen Rand ihrer Leistungsfähigkeit beschwingten, anspruchsvollen Fußball spielen?
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Gleichgeschaltete Meinungen auch nach dem Spiel: Schon wieder Krawalle durch Frankfurter Fans! Nun bin ich ja schon einigen Ultras negativ aufgefallen durch meine kompromisslose Haltung pro Ganzkörperkontrollen und kontra Pyromanie in dichtgedrängten Menschenmassen, aber dass sogar Raufereien, so unschön sie sind, zu brutaler Gewalt aufgebauscht werden – jetzt macht aber mal halblang!
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Ein paar böse Eintracht-Buben sind aus ihrem Kleinbus gehüpft und haben braven Freiburger Knaben die Vereinsschals geklaut. Dagegen sind traditionelle Kirmesschlägereien wahre Kettensägenmassaker, werden aber allenfalls im Gemeindeblättchen erwähnt. Und Schal-Moppsen kommt in die Top-Nachrichten aus aller Welt! Ach, macht’s nicht mal halblang. Macht’s gar nicht.
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Wenn derartig übertrieben wird, verschieben sich die Relationen, was dann nasenbeinbrechende Randale hohler Berliner Union-Hools in Köln oder gar die faschistischen Messerstechereien in Rom auf eine Stufe mit dem Schal-Moppsen in Freiburg stellt.
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Egal ob harmlos oder verbrecherisch, immer spielt steinzeitliche menschliche Grundstruktur eine Rolle. Glaubt der Ameisenforscher (!!!) Edward O. Wilson, der im »Spiegel«-Interview behauptet: »Menschen müssen zu einer Gruppe gehören. Das ist eines der stärksten Bedürfnisse der menschlichen Psyche. Aber es kann gelingen, unseren kriegerischen Trieb zu bändigen – ohne unseren Spaß am Wettkampf zwischen Gruppen aufgeben zu müssen. Nehmen Sie Fußball, die Fans leben für ihr Team. Diesen Antrieb sollten wir nutzen. Er ist es, der uns bis auf den Mond gebracht hat.«
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Aha. Ohne Hooligans kein Fortschritt. Aber da beißt sich die Ameise in den Katzenschwanz: Ich würde sie gerne auf den Mond schießen, was ich nicht darf, wenn ich es aber dürfte, könnte ich es nur, weil sie genau das tun, weswegen ich sie auf den Mond schießen möchte. Oder so. Außerdem, werter Herr Ameisenforscher: Zu einer Gruppe zu gehören, das ist eines der schwächsten Bedürfnisse meiner menschlichen Psyche.
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Immer diese wilden Übertreibungen. Da steht »Europas Fußball auf Messers Schneide« (»Welt«-Schlagzeile wegen der Lazio-Randale) ebenso wie das Pokalspiel Bayern vs. BVB am Mittwoch (Fußball-Parodist Matze Knop im »FAS«-Interview/daraus morgen mehr in »Ohne weitere Worte«). Immerhin übernehmen sie das geflügelte Wort aus der Ilias nicht wortgetreu, denn dort steht es »auf des Schermessers Schneide, ob die Achäer jämmerlich zugrunde gehen oder überleben«, und ein Schermesser ist dünner und daher gefährlicher als ein normales Messer.
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Kluges, »schneidig« gebildetes Kerlchen, Ihr Kolumnist? Nee, Leser der Griechenland-Zeitung, die des Messers Schneide in ihrer aktuellen Ausgabe erklärt.
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Noch so ne Übertreibung: »Grauenvolle Packung«, das 1:5 des HSV gegen Hannover. Halblang machen!
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Ach so, da bin ich in der Rubrik verrutscht. Es geht nicht um Fußball, sondern ums Paffen: Die EU will mit schockierenden Bildern auf Zigarettenpackungen vor dem Rauchen warnen. Ob’s was bringt? Oder nur die Fluppen-Päckchen zu begehrten Sammelobjekten für Sado-Masochisten macht? Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle