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Anstoß vom 21. Februar (Aus Blog und Mailbox)

In der Online-»Mailbox« haben sich wieder beachtenswerte Leser-Meinungen angesammelt. Im Blatt müssen wir uns mit kurzen Auszügen begnügen. Wer Lust auf mehr bekommt – ein Klick genügt (www.anstoss-gw.de).
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Es gibt kluge Ergänzungen, nette Worte und berechtigte Kritik. Zum Beispiel, wenn ich mich über einen »Trennungsworkshop nur für Männer« lustig mache: »Weint Eisenhans? Rennt er in den Wald und umarmt statt seiner Frau eine schöne deutsche Eiche?« Dazu schreibt Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim: »Trauer über die Trennung von einer geliebten Person kann schlimmer sein als Trauer beim Tod. Denn da kann die Trauer ein reines Gefühl sein, nicht vermengt mit Anklagen, Bitterkeit und Wut. Ich finde also die Einrichtung eines ›Trennungsworkshops für Männer‹ – so blöd das Wort auch ist – eine gute Sache, und weil Männer in der Tendenz einsamer sind, nicht so ein unterstützendes Netzwerk haben wie Frauen, erst recht.«
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Noch blöder als dieses Wort ist ein rein deutsches. Eine Trennung ist ja auch ein Zerknall, und irgendein Treibling steckt immer dahinter – aber was bitte ist ein »Zerknalltreibling«? Mehr dazu am Schluss dieser Kolumne.
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Ich hatte in den »Montagsthemen« zynisch besorgt gefragt, ob »Halla damals wirklich beim Abdecker gelandet ist oder gar …?« Zwischenruf zum Pferdefleischskandal von Doris Heyer aus Staufenberg-Treis: »Wir sind ein reiches Land, nur für Lebensmittel geben wir in Europa am wenigsten aus. So ist es doch kein Wunder, dass dies ausgenutzt wird. Ein Pfund Schweinemett für 1,50 E, das kann normalerweise nicht sein, aber bei uns hier wird es angeboten und auch gekauft.«
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Dirndl und Diskriminierung: »Ungern widerspreche ich Ihnen«, schreibt Dr. Roland Bitsch (Gießen), »aber dieses Mal muss es sein! Die journalistische Heuchelei hierbei ist unnachahmlich, sollen doch wohl durch Präsentation völlig nackter weiblicher Körperteile auf den wöchentlichen Titelseiten immer wieder Geilheit und Kauflust für dieses Journal angeregt werden. Geil im Sinne von karrieregeil ist vermutlich die betreffende Journalistin, die mit diesem ›Skandälchen‹ ihren Bekanntheitsgrad und damit beruflich/journalistisches Fortkommen befördern wollte. Die politische und sonstige Korrektheit treibt schon seltsame Blüten! Ihre weit über die Sportkommentierung hinaus reichenden Kolumnen schätze ich im übrigen sehr.«
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Dankeschön. Die Kritik von Dr. Roland Bitsch akzeptiere ich natürlich. Obwohl wir sicher nicht weit voneinander entfernt sind, da ich ebenfalls gegen Skandalisierung und sprachpolizeiliche Regelungen bin. Und dass der Stern und seine Reporterin (die selbst schon vom »Dirndl-Füllen« schrieb – als CSU-Tauglichkeitstest für Bundesministerin Aigner) sich selbst ins Knie geschossen haben, ist eh klar.
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»Mir ist klar, dass Sie eine flexible Meinung vertreten«, stellt Olaf Eulitz aus Karben zum gleichen Thema fest. Bei ihm und Dr. Bitsch lohnt es sich, die Mails ungekürzt im Blog nachzulesen. Olaf Eulitz schließt: »Heute sind Spiele und Filme unter Jugendlichen einfach geil. Hätte ich das Wort 1960 verwendet, hätte ich sofort ein paar hinter die Ohren gekriegt.« – Ich doch auch! Besonders gefreut habe ich mich, dass unser Leser zu den Menschen gehört(e), »die den Sportteil sofort ungelesen zur Seite legen. Nicht so bei Ihrer Zeitung, und das liegt einzig an Ihrer Kolumne ›Anstoß‹. Darin verbinden Sie so spannend Sport mit Geschichte, aktuellen Themen, Philosophie und Klatsch, dass ich nicht umhin komme, Ihre Artikel jeden Tag mit großem Vergnügen zu lesen. Wenn ich nun einmal dabei bin, blättere ich dann auch noch den restlichen Sportteil durch und bleibe so auch auf diesem Gebiet nicht völlig ahnungslos.« – Ha! Wie schön! Als ich mit dem »Anstoß« als täglichem Einstieg in den Sportteil begann, vor knapp 20 Jahren, dachte ich in erster Linie an Zeitungsleser, die den Sportteil ungelesen wegleg(t)en. Dass Herr Eulitz und einige andere das nicht mehr tun, ist meine größte Freude als Kolumnist.
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Im folgendem Lob lauert eine Gretchenfrage. »Ich nehme zwar an, dass wir zu diesem Thema unterschiedlicher Meinung sind«, mailt Ludger Behnen und bezieht sich auf ein »Ohne weitere Worte«-Zitat von Harald Martenstein (siehe »Mailbox«), »aber – großes Kompliment! – Sie gehören zu den wenigen Konservativen (sind Sie das überhaupt? Ich meine mich zu erinnern, dass Sie sich selbst so sehen), mit denen ich Lust habe mich auszutauschen; liegt vermutlich an ihrem sehr angenehmen selbstironischen Humor.«
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Im Blog merkte ich dazu an: »Ich und konservativ? Nee. Progressiv? Nee. Generell nichts davon, in Einzelfällen mal so, mal so. Man kann Gutes bewahren. Man kann in dumme Richtung voranschreiten. Man kann Dummes bewahren. Man kann in gute Richtungen voranschreiten. Problem: Wer nicht in seinem Haufen mit anderen Haufen rauft, sondern als einsames Schaf gegen die im Haufen Raufenden anblökt, den haben die Haufenraufer schnell gefressen. Zum Glück bin ich als alter Hammel schon viel zu zäh, als dass mich wirklich jemand fressen wollte.« Damit gab sich Dr. Hans-Ulrich Hauschild aus Gießen aber nicht zufrieden: »Was eigentlich hindert Sie daran, ›konservativ‹ zuzugeben? Ist das eine Krankheit? Sind Sie ängstlich, festgelegt zu werden? Ihr ganzer Anstoß, auch der Blog, zeigt auf, wo Sie stehen.«
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Neues zum »Ziegenproblem« hat Matthias Weidner (Lollar) entdeckt: »Eben mit meinem Sohn (15) aus mathematischen Gründen – jaja – auf YouTube gewesen und dort einen jungen Mann kennengelernt, der unter dem Künstlernamen ›DorFuchs‹ musikalisch und höchst unterhaltsam mathematische Themen erläutert. Und unter den zahlreichen Angeboten fällt ein kleines, zeichentrickgefilmtes Bild mit drei Türen und einer Ziege auf. Wenn man das anklickt …« – Tun Sie’s mal!
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Und nun zum »Zerknalltreibling«. Ich hatte ihn bei Walter Kempowski gefunden, in seinem Dorfschullehrerroman »Heile Welt«, denn »so hatte man den Motor im Dritten Reich nennen wollen.« Wirklich? Ich konnte es nicht glauben. Im Blog schrieb ich: »Jetzt geh ich doch mal googeln … 7380 Treffer für ›Zerknalltreibling‹. Bin ich der einzige, der das Wort nicht kannte?« Antwort von Walther Roeber (Bad Nauheim): »Der Vier-Topf-Zerknalltreibling muss wirklich an Ihnen vorbeigegangen sein, darüber wurde bei der Germanisierung der deutschen Sprache einiges geschrieben.« Wer hat’s nie gelesen? Genau: (gw)

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