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Walther Roeber: “Krebs besiegen”

Diesmal ein Widerspruch zu den vorherigen mails betreffs “Krebs besiegen”.
Interessanterweise war ich gerade an einer ganz anderen (sprachlichen) Diskussion beteiligt,
wo es auch um die Frage ging, wie man das Phänomen um-/beschreiben könnte, dass jemand
offenbar zumindest zeitweise frei von Krebszellen war.
Die Frage war dort, ob jemand “cancer-less” oder “cancer-free” sein könnte – die Diskussion ist noch nicht beendet, aber
“cancer-less” wird überwiegend als falsch empfunden, auch von Muttersprachlern.
Da scheint es eine feine Unterscheidung gerade auch im Englischen zu geben.
Interessanterweise wird auch in dem Wikipedia-Artikel über L. Armstrong

http://en.wikipedia.org/wiki/Lance_Armstrong (sehr informativ!)

“cancer-free” geschrieben. Was ich bisher nicht habe finden können, war ein Beleg dafür, dass L. Armstrong wirklich ein ‘statement’ von sich gegeben hat,
das mit “Ich habe den Krebs besiegt” zu übersetzen wäre. Hat er vielleicht gesagt “ich habe meinen Krebs besiegt”?
Oder “in meinem Kampf gegen meinen Krebs war ich erfolgreich”?
Nach obigem Artikel muss es sich schon um einen recht fortgeschrittenen Zustand gehandelt haben.
Vielleicht haben Sie, gw, einen richtigen Hinweis auf ein entsprechende Äußerung? Woher kommt die Aussage? Gibt es eine Quelle, ein “Zitat”?
Oder sollten Sie vielleicht auch einer fehlerhaften Übertragung aufgesessen sein?

Natürlich kann man in L. Armstrongs Kopf nicht hineingucken, dass er “außergewöhnlich” ist, ist nicht zu bestreiten.
Das Problem mit Armstrong ist, dass er natürlich auch schon vieles von sich gegeben haben mag, was aus dem Zusammenhang gerissen wurde oder
vielleicht auch nicht wortwörtlich stimmte oder falsch übersetzt wurde.

Um das ganze Thema auf eine andere Ebene zu bringen: Krebs generell ist bisher nicht “besiegt”, Pest und Cholera hat man besiegt, HIV ist auch noch (?) nicht besiegt.
Die Betroffenen leben doch meistens mit der Angst, dass irgendwann (je nach Krebs’art’) es zu einem erneuten Ausbruch kommen kann.
Man gewinnt also Zeit, man bekämpft die Erkrankung, man erreicht Stadien, in denen mit heutigen Mitteln keine Krebszellen mehr feststellbar sind,
aber “besiegt”? Ich glaube eher nicht… Dass es Fälle gibt, in denen auch individuelle Stärke und Einstellung ein Wiederaufflackern der Krankheit verhindert haben,
ist wohl auch nicht zu bestreiten. Aber von einem Sieg kann man da meiner Meinung nach nicht sprechen. Einzelne haben bestimmte Formen von Krebs
mehr oder weniger lange überlebt…

Ich bin neugierig, ob sich diese Diskussion fortsetzen wird. (Walther Roeber/Bad Nauheim)

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