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Montagsthemen (vom 18. Februar)

»Dortmund siegt 3:0 durch Reus« (FAS), der den »Sieg im Alleingang herausschoss« (dpa). »Matchwinner« Marco Reus, tumber Tor Julian Schieber, der keine Tore, sondern zwei dusselige gelbe und damit eine rote Fahrkarte in die Kabine schießt?
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Im digitalen Zeitalter gibt es zwar nur entweder/oder, aber dass vielfaches, simples Abzählen zur Info-Flut führt, nicht jedoch zum Verstehen, um das zu wissen, muss man nicht unbedingt Frank Schirrmachers neues Buch »Ego« lesen, sondern nur Fußball »lesen« können und das, was über ihn geschrieben wird.
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Frankfurt hatte abgezählte 57 Prozent Ballbesitz, aber Dortmund war hoch überlegen. Dennoch hätte die Eintracht nicht verlieren müssen, denn ihrem späten Pech stand das Glück zweier früher BVB-Tore gegenüber. Das sind keine Abzählfehler, das ist Fußball.
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Reus ist ohne jeden Zweifel ein Juwel, vielleicht noch funkelnder als der Stern von Mario Götze. Aber das Genialische an allen drei Toren schuf die vorarbeitende Kunst von Götze, Ilkay Gündogan und Mats Hummels. Reus musste nur vollenden, was auch Schieber gekonnt hätte, bei zwei Toren einschussbereit daneben stehend. Hätte Reus ihm aufgelegt, hätte Schieber zwei Tore geschossen und keine zwei Frust-Fahrkarten. Und dann wäre auch Takashi Inui nicht vom Platz gestellt worden, denn das war eine Niederlage des Schiedsrichters gegen den brüllenden Zorn der gelben Wand, die nach Rache gierte. Der Fußball liefert nun mal ganz nebenbei auch die Praxis zur Chaos-Theorie.
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Gündogan: Ausgerechnet die Altvorderen Thon und Netzer ernennen ihn zum kommenden Mann im deutschen Mittelfeld und Bastian Schweinsteiger zum Auslaufmodell, »seine Zeit« sei »abgelaufen«. Beim famosen Gündogan haben sie Recht, beim großartigen Schweinsteiger dagegen eine völlig überflüssige Entweder-Oder-Diskussion angestoßen, an der sich Fußball-Deutschland lustvoll beteiligt. Aber vielleicht haben Netzer/Thon sich auch nur im Pronomen vertan: Nicht seine Zeit ist abgelaufen, sondern ihre.
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Abgelaufen ist aber die Zeit der Alpinen und der Biathlon-WM. Nun beginnen sie wieder ihre Erbsen zu zählen, die Medaillen-Bürokraten. Was kostet uns – über das Fördermittel verteilende Bundesinnenministerium – eine Medaille? Im Vergleich zu Olympia werden Alpine und Biathleten sehr viel teurer. Bisher waren sie mit 15 000 Euro einsame Kosten-Nutzen-Spitzenreiter. Zum Vergleich: Eine Hockey-Medaille kostete knapp 1,5 Millionen.
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Solchen Milchmädchen-Rechnungen ist natürlich nie zu trauen, daher meine vorauseilende Entschuldigung: Nicht ich hab’s ausgerechnet, sondern die »Zeit«. Außerdem interessiert mich weniger unser Geld, das für den Sport, als das, was für seine Berichterstattung ausgegeben wird. Hier hat das »Handelsblatt« gerechnet: An Olympia in London nahmen 392 deutsche Sportler teil, aber 480 ARD- und ZDF-Beschäftigte, was 20 Millionen Euro kostete. Wenn jetzt noch einer ausrechnet, wie viele Funktionäre dabei waren und was sie kosteten, ginge mir das nicht mehr in den Kopf, sondern über die Hutschnur.
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Das geht weltweit vielen so beim Ringen, das die IOC-Oberfunktionäre aussortieren wollen. Doch noch ist das Tauziehen um das olympische Ringen nicht entschieden wie vor vielen Jahrzehnten das Ringen um das olympische Tauziehen. Erst im September fällt die Entscheidung, und vermutlich wird das IOC im weltweiten Schwitzkasten noch einknicken. Prognose: Ringen bleibt olympisch, nur mit deutlich weniger Disziplinen als den bisherigen 22, und das wäre auch gut so.
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Eine Reitmedaille kostet übrigens 337 075 Euro, dafür hätte Schockemöhle nicht mal eine halbe Hinterhand von Totilas bekommen. Vergleichsweise günstig käme uns eine Ejakulation des stolzen Hengstes. Eine Spermaportion kostet schlappe 4000 Euro, und wenn sie nicht schlapp, sondern erfolgreich besamend ist, noch mal 4000 dazu.
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Womit aber Schluss ist. Die »FAS« machte gestern einen totilastotal pferdeverachtenden Witz, »gehört beim Cheeseburger-Essen in der Kantine: Totilas wechselt zu Real.«
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Zweifel wachsen: Ist Winklers Halla wirklich beim Abdecker gelandet oder … ? (gw)

Baumhausbeichte - Novelle