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Sonntag, 10. Februar, 11.45 Uhr

Gegensätzliches Gefühl nach den “Montagsthemen” im Vergleich zum Freitag. Hoffentlich täusche ich mich diesmal nicht (für den “Stammtisch” gab’s weitere schöne Worte, die schönsten von der schärfsten Kritikerin).
Weil’s gut lief, sind wieder einige Themen auf der Strecke geblieben. Vielleicht schreibe ich Mitte der Woche einen Zwischendurch-”Stammtisch” (wenn’s die Redaktion will). Ein Satz stünde drin: Man stelle sich bloß vor, alle Doktorarbeiten seit der von Schavan würden nachgeprüft wie die von Schavan. Dazu auch Anmerkungen zu ihrem Doktor-Thema “Person und Gewissen”. Das hätte nur ein Wittgenstein mit 24 originär und als komplett eigene Gedankenleistung meistern können. Solche nebulösen Themen über buchstäblich Gott & die Welt laden geradezu ein, sich anderswo zu bedienen. Vermutung: Das war damals üblich.
Leider habe ich nie eine Doktorarbeit geschrieben. Das hätte mir Spaß gemacht. Ich hätte mich ihr ebenso ausdauernd und ehrgeizig gewidmet wie dem Leistungssport. Da es mir im Sport wie im Schreiben gegen die Natur geht, andere nachzuahmen und auf andere zu hören und ihre Vorstellungen zu übernehmen (zum Leidwesen des Bundestrainers, einen eigenen hatte ich sowieso nicht), wäre ich aber mit meinen ausschließlich eigenen, stur scheuklappigen und andere das Thema beackernde Gedanken ignorierenden Methode wahrscheinlich krachend gescheitert. Aber probiert hätte ich es trotzdem gerne.
Soeben die Nachrichtenagenturen nachgesichtet. Nowitzki hat gewonnen. Außerdem ein sehr schönes sid-Interview mit Klopp. Nebenbei bemerkt: “Interview”, soviel zur Originär-Debatte, ist allerdings zu hoch gegriffen, es sind Sätze, die Günter Bork vom Sport-Informationsdienst in der allgemeinen Pressekonferenz und nach dem Spiel in der Mixed-Zone mitgeschrieben und zu einem Interview zusammengestellt hat. Was sid auch unter dem Text ausdrücklich erwähnt, ist also alles korrekt und vorbildlich. Aus der sid-Zusammenstellung stelle ich ein paar Klopp-Sätze zusammen, die zeigen, dass der BVB-Trainer ein in jeder Beziehung Guter ist und seine HB-Männchen am Spielfeldrand, so hässlich sie manchmal aussehen, nur eine winzige Facette (leider die öffentlich sichtbarste) seiner Persönlichkeit sind. So weit das einer wie ich, als Außenstehender, der Klopp persönlich nicht kennt, überhaupt beurteilen kann.
Meine Klopp-Auswahl: “Ich habe nach dem Schlusspfiff gemerkt, das Leben geht weiter und endet nicht mit so einem Dreck. Leider gehören solche Scheißtage zum Leben eines Fußballers dazu. Das war für uns ein gebrauchter Tag gegen einen starken HSV / Beim 1:1 waren wir nicht wach. Dann folgte das Weltklassetor von Son. Die anschließende Rote Karte gegen Lewandowski, das hat schon gegen die Moral gedonnert. Danach wurde es wild, alles wurde hektisch und als ungerecht empfunden. Aber das ist menschlich. / Das war eine unglückliche Situation. Lewandowski will den Ball schlagen, dann kommt im letzten Moment Skjelbred. Er trifft ihn, keine Frage. Aber so eindeutig kann das nicht gewesen sein, sonst hätten die Schiedsrichter nicht so lange diskutiert. Man kann Rot geben. / Optimismus, den habe ich zurzeit nicht in mir. Aber ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass das morgen anders ist. Insgesamt sollten wir am Mittwoch besser sein. Und ich denke, das wird gelingen.”

Baumhausbeichte - Novelle